Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Asien-Expansion Vietnam wirft Talanx-Tocher HDI Verstöße bei Firmenübernahme vor

Die Talanx-Tochter HDI Global hofft auf kräftiges Wachstum in Südostasien. Doch bei einer Investition in Vietnam gerät der Versicherer ins Visier der Behörden.
09.09.2020 - 16:14 Uhr Kommentieren
Vietnam wirft HDI Global Verstöße bei Firmenübernahme vor
Skyline von Hanoi

Von Vietnam aus will HDI im attraktiven südostasiatischen Markt wachsen.

Bangkok Der Industrieversicherer HDI Global bekommt bei seiner Expansion in Asien unerwartete juristische Probleme. Die Tochter-Gesellschaft des Talanx-Konzerns bemüht sich seit Jahren, ihren Einfluss bei einem der größten Versicherungskonzerne Vietnams auszubauen. Nun werfen die Behörden des südostasiatischen Landes dem Hannoveraner Unternehmen vor, dabei mit unlauteren Mitteln vorgegangen zu sein.

In dem Fall geht es um die Frage, ob HDI seinen Anteil an dem ehemaligen Staatsbetrieb PVI auf unzulässige Weise auf mehr als 50 Prozent erhöht hat. Aus Sicht der vietnamesischen Finanzaufsicht SSC hat HDI mit seinem Vorgehen gegen das lokale Wertpapierrecht verstoßen.

Die Behörde wirft dem deutschen Unternehmen vor, Transaktionen getätigt zu haben, um den Anteilsbesitz zu verschleiern. Zudem habe HDI gegen Regeln verstoßen, die die Unternehmensanteile in ausländischer Hand begrenzen. Ein entsprechender Bescheid erging lokalen Medienberichten zufolge vor wenigen Wochen.

HDI steht damit vor einer weiteren Hürde bei dem Versuch, seine Stellung in dem Wachstumsmarkt auszubauen. Der Versicherer stieg 2011 als Minderheitsgesellschafter bei PVI ein und erhöhte seinen Anteil seither nach und nach. HDI hatte vor, die vietnamesische Gesellschaft zu einem internationalen Unternehmen auszubauen und mit ihr in anderen Teilen Südostasiens zu expandieren.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Doch über die Frage, wer das Sagen hat bei dem zweitgrößten Sachversicherer des Landes, der lange unter der Kontrolle der staatlichen Ölgesellschaft PetroVietnam stand, gab es zuletzt mehrfach Streit – involviert wurde dabei auch Vietnams Premierminister.

    HDI weist Vorwürfe zurück

    Beim aktuellen Streit um Einfluss auf PVI geht es um eine Vereinbarung, die HDI 2017 mit der vietnamesischen Investmentgesellschaft Sunway geschlossen haben soll. HDI kaufte dabei laut vietnamesischen Medienberichten Wandelanleihen von Sunway. Mit den Erlösen habe Sunway Anteile am Versicherer PVI gekauft und am Ende einen Fünfprozentanteil besessen.

    Sunway soll laut den Berichten zugesagt haben, seine Stimmrechte bei PVI nach Anweisung von HDI auszuüben. Das deutsche Unternehmen, dem zu dem Zeitpunkt weniger als die Hälfte der Anteile gehörten, soll sich so die Mehrheit der Stimmrechte gesichert haben.

    Die Aufsicht SSC wertete den Vorgang als Versuch, die wahren Eigentumsverhältnisse zu verbergen. Bei HDI weist man die Vorwürfe zurück: „Für HDI Global zählt die Beachtung von Recht und Gesetz zu den obersten Prioritäten. Das gilt auch für die lokalen Bestimmungen in Vietnam“, teilte das Unternehmen mit. „Wir halten die in dem Bescheid genannten Vorwürfe für ungerechtfertigt und haben deshalb gegen den Bescheid Rechtsmittel eingelegt“, fügte ein Unternehmenssprecher hinzu.

    Die möglichen Konsequenzen des Rechtsstreits sind noch nicht vollständig klar. Die von der Wertpapieraufsicht verhängten Bußgelder sind mit umgerechnet rund 8000 Dollar verhältnismäßig überschaubar. Die Regierungspublikation „Vietnam Investment Review“ verweist jedoch darauf, dass HDI auch gezwungen sein könnte, Anteile an PVI abzustoßen, um den Regularien zu entsprechen. Ob man in der Firmenzentrale in Hannover diese Gefahr auch sieht, wollte ein Unternehmenssprecher unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht kommentieren.

    Zu dem Zeitpunkt, als HDI die umstrittenen Transaktionen getätigt haben soll, lag der erlaubte Maximalanteil, den ausländische Investoren an PVI halten durften, bei 49 Prozent. Diese Obergrenze wurde später angehoben. Laut HDI-Geschäftsbericht lag der Anteil an PVI zuletzt bei knapp 54 Prozent. PVI ist auch an der Börse in Hanoi gelistet. HDIs Anteil an dem Unternehmen ist nach aktuellem Kurs rund 140 Millionen Euro wert.

    Bescheid als Warnung, Tricks zu unterlassen

    Der Anwalt Wolfram Grünkorn, der mit seiner Kanzlei in der Wirtschaftsmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt ausländische Unternehmen bei Investitionen in Vietnam berät, sieht in dem Vorgehen der Behörden gegen HDI eine Entscheidung mit Signalcharakter. Es werde deutlich, dass es Vietnam bei der Durchsetzung seiner Regularien ernst meine.

    „Die Compliance der ausländischen Investoren ist in der Vergangenheit nicht immer strikt kontrolliert worden“, sagt er. Dies ändere sich aber nun. Der Bescheid gegen HDI sei eine klare Warnung, jegliche Tricks im Umgang mit den Behörden zu unterlassen. „Wer ausländischen Einfluss verhüllt, muss mit scharfen Gegenmaßnahmen rechnen.“

    Über HDIs Einfluss bei PVI gab es bereits zuvor Konflikte. Der deutsche Investor sah sich zuletzt bei der Verteilung der Vorstandssitze benachteiligt. Der zuständige HDI-Vorstand Jens Wohlthat schrieb deshalb laut vietnamesischen Medien im März vergangenen Jahres einen Protestbrief an Vietnams Premierminister Nguyễn Xuân Phúc. Mit der Umgestaltung des Vorstands setzte sich HDI später durch und stellt nun fünf der neun Vorstandssitze. Die restlichen vier entfallen auf PetroVietnam, das noch etwas mehr als ein Drittel der PVI-Anteile besitzt.

    Vietnams Regierung hatte zwar bereits vor Jahren einen Rückzug staatlicher Anteilseigner bei dem Unternehmen angekündigt. Doch ihr Anteilsverkauf dauert länger als geplant. Über wichtige Unternehmensentscheidungen gibt es zwischen den Eigentümern unterdessen offenbar Uneinigkeit: In diesem Jahr beschlossen die HDI-Vertreter im Vorstand Berichten zufolge, die 25-stöckige Firmenzentrale des Versicherers in der Hauptstadt Hanoi zu verkaufen. Die Vertreter von PetroVietnam stimmten offenbar geschlossen gegen den Vorstoß.

    Der Ölkonzern PetroVietnam ist eines der größten Staatsunternehmen des Landes und war lange Zeit der beste Kunde von PVI. In den vergangenen Jahren hat sich der Versicherer aber breiter aufgestellt und ist auch im Geschäft mit Privatkunden aktiv geworden. Im vergangenen Jahr meldete PVI einen Vorsteuergewinn von umgerechnet 32 Millionen Euro – 17 Prozent mehr als im Vorjahr.

    Der Markt in Vietnam und Südostasien ist für HDI vor allem wegen der hohen Wachstumsraten interessant. Momentan geben die Vietnamesen pro Kopf im Jahr rund 20 Dollar für Sachversicherungen aus. In anderen Schwellenländern ist der Wert mehr als dreimal so hoch.

    HDI-Vorstand Wohlthat beschrieb die Beteiligung an PVI zuletzt als ideale Möglichkeit, um in dem Geschäft mitzumischen. In einem Interview im April sagte er: „Die Investition in PVI ist unser Trumpf, um uns in Südostasien von der Konkurrenz abzusetzen.“

    Mehr: Vietnam positioniert sich als Alternative zu China.

    Startseite
    Mehr zu: Asien-Expansion - Vietnam wirft Talanx-Tocher HDI Verstöße bei Firmenübernahme vor
    0 Kommentare zu "Asien-Expansion : Vietnam wirft Talanx-Tocher HDI Verstöße bei Firmenübernahme vor"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%