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Nachgefragt „Ich bin mir sicher, dass wir weiterhin an der Spitze des Marktes stehen werden“

Die Ideal Versicherung gehört seit Jahren zur Spitze bei der Überschussbeteiligung – trotz großer Konkurrenz. Vorstandschef Rainer M. Jacobus im Interview.
23.11.2020 - 00:52 Uhr Kommentieren
Der Chef der Ideal Versicherung sieht sich auch 2021 an der Spitze bei der laufenden Verzinsung für die Versicherten. Quelle: Ideal/Sven Darmer
Rainer M. Jacobus:

Der Chef der Ideal Versicherung sieht sich auch 2021 an der Spitze bei der laufenden Verzinsung für die Versicherten.

(Foto: Ideal/Sven Darmer)

Frankfurt In der klassischen Kapitallebensversicherung gewährt der Versicherer nicht nur einen garantierten Zins auf die eingezahlten Beiträge nach Kosten. Sondern er schüttet zusätzliche Erträge anteilig an seine Kunden in Form einer Überschussbeteiligung aus, die jedes Jahr je nach Wirtschaftslage und Anlagestrategie neu festgelegt wird.

Doch im Schatten der Niedrigzinsen sehen für praktisch alle Kunden die Aussichten auf Überschussbeteiligung eher mau aus. So hatte Marktführer Allianz seine Überschüsse für das Jahr 2020 beispielsweise gesenkt, nachdem der Konzern sie zuvor drei Jahre stabil halten konnte. Die laufende Verzinsung für Klassikpolicen mit lebenslanger Garantie fiel beim Marktführer im laufenden Jahr um 0,3 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent.

Doch ein kleiner Versicherer kann sich gegen den Abwärtstrend der vergangenen Jahre behaupten: Die Ideal Versicherung steht an der Spitze der höchsten Überschussbeteiligung. Die Assekuranz hatte ihre laufende Verzinsung im Jahr 2019 sogar als einer von wenigen Anbietern von 3,0 auf 3,3 Prozent im Jahr angehoben - und steht seit mehreren Jahren auf einem Spitzenplatz bei der laufenden Verzinsung.

Einer der Gründe dafür ist, dass die Firma aus der Berliner Kochstraße vieles anders als die große Konkurrenz macht – und damit durchaus erfolgreich ist. Was steckt dahinter? Lesen Sie hier das Interview mit Vorstandschef Rainer M. Jacobus.

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    Herr Jacobus, die Ideal Versicherung steht seit Jahren an der Spitze der deutschen Versicherer, die die höchste Überschussbeteiligung, also die höchste Verzinsung auf den Sparanteil der Versicherten, bieten. Wird das 2021 auch so sein?
    Nun, die Niedrigzinsen machen auch vor uns nicht halt. Wir werden für das kommende Jahr die laufende Überschussbeteiligung leicht auf 3,0 Prozent zuzüglich Schlussüberschuss absenken müssen, nach noch 3,3 Prozent in 2020. Allerdings bin ich mir sicher, dass wir damit weiterhin an der Spitze des Marktes stehen werden.

    Die Bafin hat bereits an die Versicherer appelliert, beim Höchstrechnungszins nicht mehr die zulässige Höhe von 0,9 Prozent auszuschöpfen. Wie halten Sie es damit?
    Wir werden auch 2021 bei unseren eingeführten biometrischen Produkten einen Höchstrechnungszins von 0,9 Prozent anwenden. Nur bei unserem Produkt Universal Life bieten wir – aber von Anfang an – nur 0,5 Prozent an. Wir haben das intern durchgerechnet, und die Antwort ist eindeutig: Wir können uns das leisten. Wir haben das Glück, dass wir seit mehr als anderthalb Jahrzehnten auf eine antizyklische Kapitalanlagepolitik setzen. So haben wir beispielsweise bereits ab Anfang 2003 Immobilien erworben, als viele andere Versicherungsunternehmen ihren Bestand reduziert haben.

    Doch die Bafin hat bereits angekündigt, dass Versicherer, die noch 0,9 Prozent bieten, dies gut begründen müssen. Haben Sie schon das Gespräch mit den Aufsehern gesucht?
    Nein, dafür besteht kein Anlass. Wir müssen das aktiv nicht mitteilen. Der Bafin liegen alle unsere Pläne und Berechnungen für die kommenden Jahre vor. Sie kann also selbst sehr gut sehen, dass wir uns auch weiter 0,9 Prozent Rechnungszins leisten können. Ich glaube nicht, dass wir deswegen größere Debatten mit den Regulierern führen werden.

    Sie sind ein Sonderfall in der Branche, zumal Sie auch nur klassische Policen mit festen Garantien anbieten, während die meisten großen Anbieter längst auf flexible Produkte umgeschwenkt sind. Warum machen Sie das?
    Wir sind zu klein, als dass wir alles anbieten können. Also konzentrieren wir uns auf Nischen. Eine davon ist die Pflegerentenversicherung. Eine andere Nische ist die klassische Lebensversicherung als Garantieprodukt, für die weiter in Deutschland Nachfrage besteht. Bundesweit sucht noch immer jeder dritte Deutsche bei einem Neuabschluss nach einem solchen Produkt. Der Anteil mag kleiner werden – aber für uns wird der Anteil reichen, um weiter Geschäft zu machen. Die klassische Lebensversicherung ist nicht tot – ganz im Gegenteil.

    Die Allianz will ab 2021 nun nicht mehr 100 Prozent der eingezahlten Beiträge bei den Lebenspolicen garantieren, außer dort, wo es vorgeschrieben ist. Der Bund der Versicherten spricht von einer Bankrotterklärung. Was meinen Sie?
    Wir kommentieren grundsätzlich nicht die Entscheidungen anderer Unternehmen. Aber ich verstehe die Kollegen. Natürlich muss man generell feststellen, dass Sie derzeit draufzahlen, wenn Sie Ihre Kapitalanlagen teilweise über 50 Jahre quasi absichern wollen. Das zwingt die Branche, über neue Wege nachzudenken. Es ist einfach die Frage, was man sich noch leisten kann. Wenn man die Situation an den Kapitalmärkten sieht, ist dies für viele Lebensversicherer ein richtiger und konsequenter Schritt.

    Verliert die Lebensversicherung ohne die volle Beitragsgarantie ein Alleinstellungsmerkmal und wird dem Fondssparen immer ähnlicher?
    Nun, das ist grundsätzlich schon richtig. Aber Sie bekommen derzeit nirgendwo mehr eine Garantie über mehrere Jahrzehnte für Ihr eingezahltes Geld geboten. Der Bund zahlt keine Zinsen mehr, Aktien gehen auch nicht immer nur nach oben. Insofern werden die neuen Produkte sicher dem Fondssparen ähnlicher, das es übrigens auch nicht umsonst gibt, sondern teilweise ordentliche Gebühren kostet.

    Sie haben den finanziellen Spielraum, weil Sie so stark früh in Immobilien investiert haben. Haben andere Versicherer versäumt, sich rasch umzuorientieren?
    Nun, wir haben in unserem Portfolio eine ungewöhnlich hohe Immobilien-Quote von 24 Prozent nach Marktwert. Vielleicht haben sich Mitbewerber in der Kapitalanlage zu lange an den gewohnten Standards von Staatsanleihen und Pfandbriefen orientiert. Wir reden bei uns nicht ohne Stolz von einer nichtkonformistischen Kapitalanlagepolitik, die wir seit Langem betreiben. Etwas mehr gegen den Strich denken hätte der Branche sicher nicht geschadet, aber auch wir haben im Rückblick nicht alles richtig gemacht.

    Für den Kunden wird es aber angesichts der vielen verschiedenen Angebote für Lebenspolicen immer unübersichtlicher. Verwirrt das nicht die Versicherten?
    Ja, aber Vielfalt ist auch eine Chance – gerade für den Kunden. Die Uniformität, die es lange gab in der Versicherungswirtschaft, war doch auch nicht positiv. Jetzt hat er stärker denn je die Wahl, aber natürlich macht es mehr Mühe, sich einen Überblick über die verschiedenen Angebote zu verschaffen. Wer transparente Produkte, flexible Angebote und Offerten, die man nachrechnen kann, anbietet, der wird meiner Meinung nach auch in Zukunft zu den Gewinnern gehören. Wir sind nicht gegen fondsgebundene Produkte, wir gehen eben nur einen anderen Weg. Und unser Sicherungsvermögen ist ja schließlich auch ein Fonds.

    Denken Sie darüber nach, in den kommenden Jahren ein neues, flexibles Produkt aufzulegen?
    Nein, wir setzen allein auf klassische Garantieprodukte. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass es ein Alleinstellungsmerkmal der Lebensversicherung ist, den Kunden nicht das Risiko für Kapitalanlageentscheidungen zu überlassen. Viele Verbraucher wollen bei der Altersvorsorge einfach so viel Sicherheit wie möglich, glauben wir.

    Herr Jacobus, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Lebensversicherer kämpfen gegen „Endzeitstimmung“ an.

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