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VersichererHohe Reparaturkosten bei Elektroautos

Der Reparaturaufwand an einem Elektrofahrzeug nach einem Unfall ist größer und damit teurer als bei einem vergleichbaren Verbrenner. Die Versicherer warnen vor Konsequenzen.Christian Schnell 26.10.2023 - 16:06 Uhr Artikel anhören

E-Autoproduktion bei Volkswagen in Zwickau: Die Versicherungsbranche klagt über hohe Reparaturkosten bei Elektromodellen.

Foto: IMAGO/Kirchner-Media

München. Die Reparatur von Elektroautos ist um ein Drittel teurer als bei einem vergleichbaren Verbrenner. Allerdings gibt es derzeit noch weniger Unfälle mit E-Modellen. Das sind die Ergebnisse einer Untersuchung des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der Branchenverband befürchtet bereits langfristige Konsequenzen. „Wenn die Kosten für Elektromobilität aus dem Ruder laufen, sinkt auch deren Akzeptanz“, befürchtet Heinz Gressel, Vorsitzender des GDV-Ausschusses Kraftfahrt.

Für die Untersuchung haben die Experten 37 Modellpaare aus Elektroautos und den vergleichbaren Verbrennern gebildet. Bei baugleichen Modellen wie dem VW Golf VII und dem entsprechenden Elektro-Golf VII war das einfach. Wo es keine direkten Vergleichsfahrzeuge gab, haben die Experten dem Elektromodell einen passenden Verbrenner eines anderen Herstellers gegenübergestellt.

Ein Tesla Model 3 Allrad der ersten Generation bekam es mit dem BMW 330i zu tun, ein Tesla Model S Allrad der ersten Generation musste es mit dem BMW 540i XDrive aufnehmen. Gemessen wurde die Häufigkeit und Höhe der Schäden sowohl in der Kfz-Haftpflicht- als auch in der Vollkaskoversicherung über drei Jahre.

Dass die Reparaturkosten bei Elektrofahrzeugen im Schnitt deutlich höher ausfallen als bei Verbrennern, führt Christoph Lauterwasser auf vier Gründe zurück. Für den langjährigen Geschäftsführer des Allianz Zentrums für Technik (AZT) ist die teure Batterie der größte Kostentreiber. „Ein Tausch kann in der Praxis zwischen 10.000 und 40.000 Euro kosten“, so Lauterwasser.

Daneben führe die Unsicherheit der Werkstätten im Umgang mit beschädigten Elektroautos zu hohen Kosten. Nach seiner Ansicht sind die Kriterien zum Tausch einer Batterie zu pauschal. Hinzu kämen lange Standzeiten in Quarantäne, damit die Batterie abkühlen kann, sowie hohe Reparaturkosten in den Werkstätten. Wegen hoher Brandgefahr müssen Elektrofahrzeuge häufig zum Abkühlen in Tauchbäder. „Nach unserer Beobachtung werden E-Autos oft nach relativ harmlosen Schäden getaucht, was so erst zu einem Totalschaden führt“, kritisiert GDV-Experte Gressel.

Weniger Unfälle mit Elektroautos

Die Versicherer beobachten aber auch einen gegenläufigen Effekt. „In der Kfz-Haftpflichtversicherung – also bei Unfällen, bei denen mit einem Auto andere geschädigt werden – verursachen Elektroautos im Durchschnitt weniger Unfälle als vergleichbare Verbrenner“, sagt Asmussen. Noch deutlicher wird der Unterschied in der Vollkaskoversicherung, bei der auch Schäden am eigenen Auto abgedeckt werden. Hier passieren rund 20 Prozent weniger Unfälle.

Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandschef des Branchenführers Huk-Coburg, erkannte diesen Trend schon vor Jahren und machte dafür den ökologischen Ansatz von E-Auto-Fahrern verantwortlich. Diese würde zurückhaltender fahren. GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen begründete die geringeren Schäden auch damit, dass Elektrofahrzeuge häufig in der eigenen Garage geladen werden, was das Risiko von Diebstahl, Hagel- oder Marderschäden verringert.

Ein getunter vollelektrischer Nio ET5 mit 490 PS auf der Vorschau zur Essen Motor Show.

Foto: dpa

Die höheren Schadenssummen je einzelnem E-Auto könnten in Zukunft zu höheren Prämien für die Kunden führen. „Was den Schaden treibt, wird sich irgendwann in den Typklassen wiederfinden“, blickt Heinz Gressel nach vorn. In den Typklassen spiegeln sich die Schaden- und Unfallbilanzen der einzelnen Modelle wider, sie werden jedes Jahr angepasst. Im Moment zeigt sich bei der Gegenüberstellung von E-Autos und Verbrennern bei den vergleichbaren Modellen häufig noch ein leichter Vorteil zugunsten der Elektroantriebe.

Vorschläge gegen steigende Kosten

Auffällig sind heute allerdings schon der hochpreisige Tesla Model S Allrad der ersten Generation, der in der Haftpflichtversicherung in der hohen Typklasse 22 eingestuft ist, in Vollkasko ist es gar die Typklasse 28. In der Haftpflicht gibt es 16 Typklassen von der niedrigen zehn bis zur hohen 25, in der Vollkasko reicht die Spannbreite von zehn bis 34.

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Damit durch die hohen Schäden in Zukunft nicht deutlich mehr Elektrofahrzeuge in höhere Typklassen eingestuft werden, haben die Versicherer eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen. So soll das Design angepasst werden, damit Batterien künftig besser vor Unfallschäden geschützt sind. Daneben sollten Werkstätten und Gutachtern aussagekräftige Diagnosedaten zum Zustand der Batterie nach einem Unfall zur Verfügung gestellt werden.

Nachholbedarf sehen die Versicherer auch bei der Qualifikation von Werkstätten, Abschleppunternehmen und Feuerwehren. Zudem müsse generell wieder mehr repariert statt nur ersetzt werden. Vielfach stünden dem noch strikte Vorschriften im Wege. „Es muss mehr Möglichkeiten zur Reparatur geben“, fordert GDV-Hauptgeschäftsführer Asmussen. Der bisherige Weg, viele Teile pauschal nach einem Unfall auszutauschen, sei weder ökologisch noch nachhaltig.

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