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Bank of JapanGegen den Trend: Japans Notenbank hält an ihrer Minuszinspolitik fest

Neuer Chef, alte Politik – die japanische Notenbank ändert ihre Geldpolitik vorerst nicht. Viele Anleger erwarten allerdings noch in diesem Jahr erste Schritte.Martin Kölling 16.06.2023 - 07:42 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die japanische Notenbank will ihre Geldpolitik überprüfen.

Foto: Reuters

Tokio. Japans Notenbank hält an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Der geldpolitische Ausschuss der Bank of Japan (BoJ) verkündete am Freitag, den Leitzins bei minus 0,1 Prozent zu belassen. Entgegen den Wetten einiger Investoren hält die BoJ zudem an ihrer Zinskurvensteuerung fest, mit der sie die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen (JGBs) in einem Korridor von plus/minus 0,5 Prozent um den Nullpunkt schwanken lassen will.

Damit grenzt sich die Notenbank auch in der zweiten Zinsentscheidung unter ihrem neuen Chef Kazuo Ueda vom Vorgehen anderer Zentralbanken ab, die im Kampf gegen die Inflation die Zinsen weiter anheben oder das zumindest für die Zukunft ankündigen. Die wachsende Zinsdifferenz zu anderen großen Währungsräumen schlug sich prompt auf den Devisenmärkten nieder. Der Yen verlor gegenüber dem Dollar und vor allem dem Euro an Wert.

Kurzzeitig lag der Kurs für einen Euro bei knapp 154 Yen und damit so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Der Aktienindex Nikkei-225 stieg derweil. Denn ein schwächerer Yen erhöht die Auslandsgewinne japanischer Konzerne bei der Umrechnung in die heimische Währung.

Ueda folgt mit seiner Entscheidung dem Marktkonsens. Zwar hat er eine Überprüfung der bisherigen ultralockeren Geldpolitik eingeleitet. Denn zuletzt hat die Verteidigung des Zinskorridors für zehnjährige Staatsanleihen dazu geführt, dass die Notenbank noch mehr der japanischen Papiere kaufen musste. Dabei hält sie bereits mehr als die Hälfte der japanischen Staatsschulden.

Die Überprüfung wird jedoch Monate dauern. Die Notenbank erwartet weiterhin eine moderate Erholung der Wirtschaft, aber sieht auch Risiken durch eine schwächere globale Konjunktur. Die Mehrheit der Analysten und Investoren geht daher davon aus, dass die Notenbank eine Normalisierung der Geldpolitik einleiten wird, etwa durch eine Anhebung des Handelskorridors für langfristige Anleihen oder die Aufhebung der Zinskurvenkontrolle. Die große Frage bleibt jedoch, wann.

Warum die BoJ eine höhere Inflation akzeptieren könnte

Laut einer Studie von Experten der Bank of America erwarten jeweils rund 30 Prozent der Analysten, dass sich die BoJ Ende Juli, im Herbst oder sogar frühestens im Dezember bewegen wird.

Verantwortlich für die Unterschiede sind vor allem die Inflationserwartungen. Unter Ueda kündigte die BoJ an, „die geldpolitische Lockerung geduldig fortzusetzen und gleichzeitig flexibel auf die Entwicklung der Wirtschaftstätigkeit, der Preise und der finanziellen Bedingungen zu reagieren“. Ziel bleibe ein stabiles Inflationsziel von zwei Prozent, „begleitet von Lohnerhöhungen“.

Allerdings liegt auch in Japan die Preissteigerung über dem Zielwert, wenn auch deutlich weniger als in Europa. Im April stiegen die Preise statistisch um 3,5 Prozent, ein hoher Wert für die Japaner, die mehr als zwei Jahrzehnte mit Deflation lebten. Über die weitere Entwicklung der Preise und damit der Geldpolitik gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Die Notenbank geht in ihren Prognosen davon aus, dass die Inflationsrate, die bislang vor allem durch höhere Importpreise getrieben wurde, in Japan wieder sinken wird. Shigeto Nagai, Japan-Ökonom bei Oxford Economics, glaubt daher: „Die BoJ wird den Status quo für etwa ein Jahr beibehalten“. Denn Ueda wolle prüfen, ob das Inflationsziel dauerhaft erreicht werden könne.

Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob die Unternehmen ihre hohen Gewinne nicht nur in Form von höheren Dividenden an die Anleger, sondern auch in Form von Lohnerhöhungen an die Japaner weitergeben werden. Die Reallöhne stagnierten fast 30 Jahre lang und sinken nun mit der Inflation. Viele Großkonzerne haben sich in der diesjährigen Lohnrunde großzügig gezeigt. Ob sich dieser Trend fortsetzt und die Löhne schneller steigen lässt als die Preise, ist allerdings noch offen.

Keine schnellen Zinserhöhungen

Die Experten der Bank of America meinen aber: „Wir glauben nicht, dass die BoJ den Spielraum hat, in Ruhe die Ergebnisse der Lohnverhandlungen im Frühjahr 2024 abzuwarten, bevor sie mit politischen Anpassungen beginnt.“ Denn die Volkswirte erwarten, dass die Inflation weniger stark zurückgeht als von der BoJ erwartet.

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Mit einer schnellen Abfolge von Zinserhöhungen wie in Europa oder den USA rechnet in Japan niemand. Grund sei die Staatsverschuldung von rund 260 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, erklärt Tohru Sasaki von JP Morgan Chase in Tokio. „Starke Zinserhöhungen sind schwierig, weil sie die Staatsverschuldung sehr stark erhöhen würden.“ In einer neuen Ära mit weltweit höheren Zinsen und höherer Inflation glaubt Sasaki daher, dass die Regierung und die BoJ im Zweifelsfall bei niedrigen Zinsen höhere Preissteigerungen akzeptieren werden.

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