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GeldpolitikBundesbank-Präsident Nagel: Müssen Zinsen nach dem Sommer womöglich weiter erhöhen

EZB-Chefin Christine Lagarde hat für Juli bereits einen weiteren Zinsschritt in Aussicht gestellt. Dieser dürfte laut Nagel und weiteren EZB-Vertretern aber nicht genügen. 16.06.2023 - 14:56 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Bundesbank-Präsident fordert einen entschlossenes Handeln bei der Inflationsbekämpfung.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist aus Sicht von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel bei der Inflationsbekämpfung noch nicht am Ziel. Die Notenbank müsse nach der Sommerpause womöglich die Zinsen weiter anheben, sagte Nagel am Freitag in einer Rede auf einer Veranstaltung der Group of Thirty in Amsterdam laut Redetext. „So wie ich das sehe haben wir immer noch eine Wegstrecke zu gehen.“

Und er ergänzt: „Aus meiner Sicht haben wir noch viel vor uns. Möglicherweise müssen wir die Zinsen nach der Sommerpause weiter erhöhen.“

Die EZB hatte am Donnerstag die achte Zinserhöhung in Folge beschlossen und für den Juli bereits die nächste Anhebung in Aussicht gestellt. Nach der Sommerpause kommen die Währungshüter am 14. September wieder zusammen, um eine Zinsentscheidung zu treffen.

Die Währungshüter um Notenbankchefin Christine Lagarde hoben auf ihrer geldpolitischen Sitzung am Donnerstag die Zinsen wie schon im Mai um 0,25 Prozentpunkte an. Der an den Finanzmärkten richtungsweisende Einlagensatz, den Geldhäuser für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, liegt damit künftig bei 3,50 Prozent – das höchste Niveau seit 22 Jahren.

„Sobald wir den Höchststand erreicht haben, werden wir dort bleiben, bis wir sicher sind, dass die Inflation sicher und rechtzeitig auf unser Zwei-Prozent-Ziel zurückkehrt“, sagte Nagel mit Blick auf Zinserhöhungen. Zudem müsse die Zinspolitik flankiert werden mit einem Abbau der Notenbankbilanz.

Bei einem Wert von zwei Prozent sieht die Notenbank mittelfristig Preisstabilität. Die Inflation im Euro-Raum war im Mai mit 6,1 Prozent mehr als dreimal so hoch.

Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau warnte vor voreiligen Schlüssen über die nächsten Zinsschritte der EZB. Die an den Finanzmärkten grassierenden Spekulationen darüber, wo der Zinsgipfel der EZB liegen werde, seien übertrieben, sagte Villeroy am Freitag auf einer Konferenz in Paris. „Unsere künftigen Entscheidungen werden von den Daten abhängen, Sitzung für Sitzung“, sagte das EZB-Ratsmitglied. „Daher sollte niemand voreilige Schlüsse über unseren Zeitplan oder unseren Leitzins ziehen“, sagte er.

EZB-Vertreter für Fortsetzung des Straffungskurses

Österreichs Notenbankchef Robert Holzmann ist ähnlicher Meinung wie Nagel. Er ist überzeugt, dass die EZB im Kampf gegen die Inflation noch einen Weg vor sich. „Wenn die Dinge so weiter gehen wie bisher – das heißt, die Kerninflation weiter hartnäckig bleibt – dann folgt ja schon die klare Schlussfolgerung: Dann wird wahrscheinlich nachgebessert werden müssen“, sagte das EZB-Ratsmitglied am Freitag auf einer Veranstaltung in Wien.

Aus Sicht von Litauens Notenbankchef Gediminas Simkus muss der Straffungskurs ebenfalls fortgesetzt werden. Allerdings nähere sich die EZB dem Zinsgipfel. Es sei aber zu früh, um sich festzulegen, auf welchem Niveau sich die Zinsen im Herbst befinden würden, sagte er zu Journalisten. „Die Inflation war zu lange zu hoch“, merkte er an. „Mittelfristig wird die Inflation nicht auf ein angemessenes Niveau zurückkehren“.

Sein baltischer EZB-Ratskollege, Estlands Notenbankchef Madis Müller, sieht das ähnlich. Die Arbeit sei noch nicht erledigt, erklärte er in einer Mitteilung. „Die Zinssätze in der Eurozone haben ihren Höhepunkt noch nicht erreicht“, führte er aus. „Das wichtigste Ziel für die Zentralbank ist klar: Wir müssen den Preisanstieg rasch in den Griff bekommen.“ Finnlands Notenbankchef Olli Rehn bekräftigte die generelle Linie der EZB. Die Zinsen hätten noch nicht den Höhepunkt erreicht, künftige Schritte hingen aber vom Ausblick ab.

Unterstützung für ihren Zinserhöhungskurs erhielt die EZB am Freitag vom Internationalen Währungsfonds (IWF). „Die Geldpolitik muss weiter gestrafft werden, um die Inflation rechtzeitig auf das Zielniveau zu bringen“, erklärte der IWF in einem Bericht, der den Finanzministern der Euro-Zone sowie der EZB vorgelegt wurde. Gleichzeitig sollten die Regierungen im Euroraum ihre Haushaltsdefizite senken, um fiskalischen Spielraum für die Zukunft zu schaffen. Der IWF begrüßte zudem die Entscheidung der EZB, allmählich ihre durch jahrelange Anleihenkäufe angeschwollene Notenbankbilanz zu reduzieren.

Ökonomen rechnen mit weiteren Erhöhungen

Bankökonomen korrigieren ihre Zinsprognosen nun nach oben. Goldman Sachs etwa sieht den Gipfel des Einlagensatzes nun erst bei vier Prozent, weil die höheren Inflationsprognosen es schwieriger machen, den Zinserhöhungszyklus schon im Juli zu beenden. Auch der slowenische Zentralbankchef Bostjan Vasle sagte am Freitag, dass eine Zinserhöhung im September möglich sei, falls der Anstieg der Verbraucherpreise nicht ausreichend nachlasse.

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„Wenn sich herausstellt, dass die Inflation hartnäckiger ist, als es im Moment den Anschein hat, wenn die anderen Marktteilnehmer so reagieren, dass sie zu einem weiteren Preisanstieg beitragen — ich denke dabei vor allem an diejenigen, die die Preise setzen — und wenn Bedingungen für Lohnwachstum gegeben sind, dann sind natürlich weitere geldpolitische Maßnahmen erforderlich“, sagte er.

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