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GeldpolitikEZB-Chefvolkswirt erwartet Rückgang der Inflation im Herbst

Allerdings sei die Aussagefähigkeit von Monatsdaten begrenzt, schränkt Philip Lane ein. Die europäischen Verbraucher erwarten derweil, dass das Zwei-Prozent-Ziel bis 2026 verfehlt wird. 05.09.2023 - 11:43 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Teuerung bei Gütern und Dienstleistungen gehe zurück, so der EZB-Chefvolkswirt.

Foto: Reuters

Frankfurt. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane erwartet nach der Veröffentlichung der jüngsten Inflationsdaten für den Euroraum ein Nachlassen des Preisschubs im Herbst. Die Teuerung bei Gütern und Dienstleistungen gehe zurück, sagte Lane in einem am Dienstag auf der Internetseite der Europäischen Zentralbank veröffentlichten Interview.

Monatsdaten seien aber nur einzelne Informationen. Das müsse weitergehen. „Unsere Berechnungen gehen davon aus, dass es vor einem Jahr einen sehr starken Preisanstieg gab, der im Herbst aus den Daten herausfallen wird“, sagte Lane. Das Interview fand nach Veröffentlichung der jüngsten Inflationsdaten durch das Statistikamt Eurostat am 31. August statt.

Laut Eurostat verharrte die Teuerungsrate für die 20-Länder-Gemeinschaft im August auf dem Juli-Wert von 5,3 Prozent. Die Kerninflation, in der die schwankungsreichen Preise für Energie, Lebensmittel Alkohol und Tabak ausgeklammert sind, sank dagegen auf 5,3 Prozent von 5,5 Prozent im Juli.

Lane rechnet damit, dass diese Rate weiter sinken wird. Es sei zu erwarten, dass die Kerninflation im Laufe des Herbstes zurückgehen werde, sagte er. Die EZB achtet genau auf dieses Inflationsmaß. Denn es gilt als wichtiger Indikator für die zugrundeliegenden Inflationstrends.

Besonders relevant ist die Teuerungsrate für die Verbraucher in der Euro-Zone. Sie erwarten laut einer Befragung von Juli weiterhin höhere Preise. Im Mittel (Median) gingen sie davon aus, dass die Teuerungsrate in drei Jahren bei 2,4 Prozent liegen wird, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Im Juni hatten sie noch 2,3 Prozent erwartet.

Die EZB würde damit in drei Jahren weiterhin ihr Inflationsziel von zwei Prozent verfehlen. Ihre Erwartungen auf Zwölfmonatssicht behielten die Verbraucher in der Umfrage bei: Wie im Juni rechneten sie auch im Juli mit einer Rate von 3,4 Prozent.

An der monatlichen Erhebung unter Verbrauchern nehmen jeweils rund 14.000 Konsumenten aus Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und den Niederlanden teil. Die Ergebnisse fließen in die geldpolitischen Überlegungen der Euro-Wächter ein. Die nächste Zinssitzung der EZB findet in der kommenden Woche am 14. September in Frankfurt statt.

Aus der Umfrage geht zudem hervor, dass die Verbraucher hinsichtlich der Konjunkturentwicklung im Währungsraum noch pessimistischer geworden sind. Auf Zwölfmonatssicht wurde im Schnitt erwartet, dass die Wirtschaft im Währungsraum um 0,7 Prozent schrumpfen wird.

In der Juni-Umfrage waren die Verbraucher noch von einem Minus von 0,6 Prozent ausgegangen. Ihre Erwartungen für die Arbeitslosenquote auf Zwölfmonatssicht lagen im Juli dagegen unverändert bei im Schnitt 11,0 Prozent.

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Die Eurowächter hatten auf ihrer jüngsten Zinssitzung vor der Sommerpause im Juli die Zinsen um einen Viertel Prozentpunkt angehoben. Dies war die neunte Erhöhung in Folge im Kampf gegen die hohe Inflation seit der Zinswende im Sommer 2022. Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagensatz, den Geldhäuser für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, liegt damit aktuell bei 3,75 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit 23 Jahren. Am Finanzmarkt wird derzeit die Chance für eine weitere Zinsanhebung lediglich mit etwa 25 Prozent taxiert.

rtr
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