1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Geldpolitik
  4. EZB-Chefökonom: Zinsen bremsen die Wirtschaft

GeldpolitikEZB-Chefökonom: Zinsen bremsen die Wirtschaft

EZB-Chefökonom Philip Lane wertet die Zinspolitik der letzten Monate als Erfolg. Das macht er vor allem an einer Entwicklung fest. 05.10.2023 - 17:18 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Zinsen haben ein restriktives Niveau erreicht, sagt EZB-Chefvolkswirt Lane.

Foto: Reuters

Frankfurt . Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit ihrem rasanten Straffungskurs im Kampf gegen die hohe Inflation aus Sicht ihres Chefvolkswirts Philip Lane ein die Wirtschaft bremsendes Zinsniveau erreicht. „Ich denke, vier Prozent sind ein restriktives Niveau“, sagte Lane am Donnerstag auf einer Konferenz der EZB in Frankfurt. „Insgesamt ist die Einschätzung, wir sind restriktiv.“

Nach mittlerweile zehn Zinsanhebungen in Serie seit dem Sommer 2022 liegt der am Kapitalmarkt maßgebliche Einlagensatz, den Geldhäuser erhalten, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken, inzwischen bei 4,00 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit dem Start der Währungsunion 1999.

Eine minimale Bedingung für ein restriktives Zinsniveau ist laut Lane, dass die Inflation sinke, vor allem die zugrundeliegenden Messgrößen. Und das sei zu sehen, sagte der oberste Ökonom der EZB. Die Teuerungsrate im Euroraum war im September deutlich auf 4,3 Prozent gesunken nach 5,2 Prozent im August.

Noch 2022 hatte sie zeitweise über zehn Prozent gelegen. Auch die von der EZB viel beachtete Kerninflation, in der schwankungsanfällige Preise ausgeklammert bleiben, ging im September kräftig auf 4,5 Prozent zurück nach 5,3 Prozent im August.

Falls angenommen werde, die Zinsen lägen unter dem Niveau, wo sie liegen sollten, müsse eigentlich eine positive Kreditdynamik zu sehen sein, sagte Lane weiter. „Wir haben das nicht.“ Diese ist aus seiner Sicht sogar noch schwächer als ursprünglich angenommen. „Was die Kreditdynamik betrifft, so war diese wirklich ziemlich schwach und lag unter dem, was wir im vorigen Jahr erwartet hatten.“

Im August hatten Banken im Euroraum laut EZB nur noch 0,6 Prozent mehr Darlehen an Unternehmen ausgereicht als ein Jahr zuvor. Das war der kleinste Zuwachs seit Ende 2015. Im Juli waren es noch 2,2 Prozent gewesen.

Kazimir sieht keine weitere Zinsanhebung

Auch der slowakische Notenbankchef und EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir äußerte zur Zinspolitik der EZB: „Und ich möchte wiederholen, dass ich fest davon überzeugt bin, auch auf Basis dieser Zahlen, dass die Zinsanhebung auf der letzten Sitzung die letzte war“, sagte Kazimir am Donnerstag.

Ganz sicher ist sich Kazimir aber mit seiner Zinsprognose noch nicht. Die EZB müsse wirklich davon überzeugt sein, dass die Zinssätze den Höhepunkt erreicht haben, sagte er.

Verwandte Themen
EZB
Inflation
Konjunktur
Europäische Union

„Und unter diesem Gesichtspunkt können uns nur reale Daten und Zahlen überzeugen, die uns auf den Sitzungen im Dezember und dann im März präsentiert werden,“ fügte er hinzu. Auf diesen Zinstreffen werden den Währungshütern jeweils neue Konjunktur- und Wirtschaftsprognosen der EZB-Volkswirte vorliegen, die bei den Zinsentscheidungen eine wichtige Rolle spielen.

Am Mittwoch hatte auch Portugals Notenbankchef und Kazimirs Kollege im EZB-Rat, Mario Centeno, dafür argumentiert, dass die Euro-Notenbank ihren Zinserhöhungszyklus nun abgeschlossen habe.

rtr
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt