Geldpolitik: Löhne steigen in Euro-Zone schneller
Düsseldorf. Eine der für die EZB wichtigsten Kennzahlen für die Lohnentwicklung in der Euro-Zone hat stark angezogen. Den jüngsten Daten der Zentralbank zufolge stiegen die im zweiten Quartal ausgehandelten Tarifgehälter um rund vier Prozent. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres, als das Wachstum noch bei etwa 2,5 Prozent gelegen hatte.
Die jüngsten Zahlen dürften die Argumente jener Mitglieder im EZB-Rat stützen, die sich vorerst gegen weitere Zinssenkungen aussprechen. Denn für ihr Ziel einer Inflation von zwei Prozent setzt die Zentralbank auch auf ein moderates Lohnwachstum im Euroraum.
Getrieben dürfte der Anstieg vor allem auch durch die Entwicklung der Gehälter in Deutschland sein. Der Bundesbank zufolge sind diese im vergangenen Quartal besonders stark gewachsen.
Frederik Ducrozet von der Schweizer Privatbank Pictet betont diesen Punkt ebenfalls. „Bevor sich die Falken der EZB über die volatilen Tariflöhne im zweiten Quartal aufregen, sollte man bedenken, dass es dabei ausschließlich um Deutschland und einmalige Effekte geht“, schreibt er auf der Plattform X.
Mit dem jüngsten Anstieg ist das Lohnwachstum zwar wieder auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums, aber immer noch deutlich unter dem Höchststand, der im letzten Quartal 2024 erreicht wurde.
Den Daten der EZB zufolge dürfte das Lohnwachstum in den kommenden Quartalen aber wieder zurückgehen. Die Notenbanker erwarten ihren Prognosen zufolge, dass die Wachstumsrate im ersten Quartal 2026 auf unter zwei Prozent fällt. Auch die Bundesbank rechnet damit, dass das Lohnwachstum wieder nachlässt.
Marktbeobachter gehen davon aus, dass die EZB ihre Leitzinsen bei ihrer nächsten Sitzung im September unverändert belässt – der für die Finanzmärkte relevante Einlagensatz würde dann bei zwei Prozent bleiben. Die EZB hatte bei den meisten Zinsentscheiden in den vergangenen zwölf Monaten ihre Schlüsselsätze gesenkt.