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InflationDer Optimismus an den Märkten könnte die Geldpolitik der Fed empfindlich stören

Der Eindruck aktueller US-Inflationszahlen ist trügerisch. Längst ist nicht alles gut. Es mehren sich die Stimmen, die eine baldige dritte Zinserhöhung der Fed fordern.Frank Wiebe 21.08.2022 - 14:47 Uhr Artikel anhören

Offenbar gehen viele Investoren davon aus, dass er die Inflationsentwicklung wieder entspannter betrachten könnte.

Foto: T.J. Kirkpatrick/Redux/laif

Frankfurt. Die US-Notenbank (Fed) hat ein Problem: Sie will die Geldpolitik straffen, aber die Märkte spielen nicht mit. Was ist passiert?

Offenbar gehen spätestens seit dem 10. August viele Investoren davon aus, dass Fed-Chef Jerome Powell die Entwicklung wieder entspannter betrachten könnte. Denn genau an diesem Tag war der Juli-Wert der US-Inflation bekannt gegeben worden.

Mit 8,5 Prozent lag er deutlich unter den 9,1 Prozent des Vormonats. Damit bestätigte sich, was viele Ökonomen vorausgesehen hatten. Die Preissteigerung hatte im Monat Juni ihren Höhepunkt erreicht und könnte nun allmählich wieder zurückgehen.

Doch es gibt ein schwerwiegendes Hindernis. Die Preise dürften nämlich nur dann unter Kontrolle kommen, wenn die Fed ihren strammen geldpolitischen Kurs beibehält. Geben dagegen die Anleiherenditen wegen des neuen Optimismus an den Kapitalmärkten wieder nach und steigen erneut die Aktien, kommen diese Rahmenbedingungen nicht strengeren, sondern leichteren Finanzierungsbedingungen für die US-Wirtschaft gleich.

Damit wäre das Gegenteil einer strafferen Geldpolitik erreicht. So ist es kein Wunder, dass die Fed versucht, dem ungewünschten Szenario entgegenzusteuern.

„Ich sehe wirklich nicht, warum man die Zinserhöhungen weiter ins kommende Jahr hinauszögern sollte“, sagt er.

Foto: Reuters

Zuletzt hat James Bullard, der Chef der regionalen Fed St. Louis, sich im Gespräch mit dem „Wall Street Journal“ für die Sitzung der Fed am 20. und 21. September für einen relativ großen Zinsschritt von drei viertel Prozentpunkten (75 Basispunkte) starkgemacht.

Das wäre die dritte Anhebung in dieser Größenordnung in Folge. „Ich sehe wirklich nicht, warum man die Zinserhöhungen weiter ins kommende Jahr hinauszögern sollte“, sagt er. Seiner Meinung nach muss die Fed den Leitzins bis in eine Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent anheben, wenn sie ihr Mandat erfüllen und die Inflation wieder auf zwei Prozent bringen will.

Derzeit liegt der Leitzins bei 2,25 bis 2,5 Prozent, zuletzt war er im Juli um 75 Basispunkte angehoben worden. Zugleich hat die Fed bereits begonnen, ihre Bilanzsumme abschmelzen zu lassen, die in der Spitze die stolze Summe von fast neun Billionen Dollar erreicht hatte.

Bullard spielt im geldpolitischen Gremium der Fed (FOMC) eine wichtige Rolle. Er galt früher zeitweise als Taube, also als Anhänger einer weichen Geldpolitik. Dennoch war er im vergangenen Jahr einer der Ersten, die auf einen härteren geldpolitischen Kurs drängten.

Und mit dieser Ansicht war er nicht alleine. Auch andere namhafte Ökonomen wie Larry Summers und Mohamed El-Erian warfen Fed-Chef Jerome Powell 2021 vor, zu spät auf den Anstieg der Inflation zu reagieren. Inzwischen ist diese Meinung weit verbreitet.

Inflation senken, ohne Rezession auszulösen?

So hatte etwa am vergangenen Donnerstag, kurz vor Bullards Äußerungen, auch Mary Daly das Wort ergriffen. Die Chefin der Fed San Francisco erklärte eine Anhebung um 50 oder 75 Basispunkte gegenüber dem Fernsehsender CNN für „vernünftig“. Damit könnte der Leitzins bis Jahresende auf etwas über drei Prozent und 2023 dann noch etwas höher auskommen. Beide, Bullard und Daly, machten zudem deutlich, dass es aus ihrer Sicht nach den Zinserhöhungen nicht so bald wieder zu einer Senkung kommen dürfte.

Aus den Marktdaten war teilweise die Erwartung abzulesen gewesen, dass die Notenbank mit ihrer schnellen Zinserhöhung eine Rezession auslösen würde und damit gleich wieder zu einer Umkehr gezwungen sein dürfte.

Neel Kashkari, Chef der Fed Minneapolis, sprach dieses Problem kürzlich an. „Die Frage ist nun, ob wir die Inflation herunterbringen können, ohne eine Rezession auszulösen“, formulierte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters die anstehende Herausforderung. Und setzte hinzu: „Meine Antwort auf diese Frage lautet: Ich weiß es nicht.“

Fed gibt keinen klaren Trend vor

Am kommenden Freitag wird Jerome Powell selbst auf der traditionellen Notenbank-Tagung in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming die Eröffnungsrede halten. Ökonomen und Investoren werden dieses Jahr besonders aufmerksam seinen Worten lauschen. Denn die Fed spielt zurzeit wieder die Hauptrolle an den Märkten, gibt aber keinen klaren Trend vor.

Die Kurse und Renditen sind abhängig von der Inflation, den Signalen der Notenbanken und den Rezessionssorgen. Bei hohen Inflationswerten steigt die Erwartung einer starken geldpolitischen Reaktion, damit steigen Zinsen und Anleiherenditen, im Gegenzug fallen die Kurse der Anleihen und der Aktien. Die Renditen nehmen damit den Zinsanstieg der Fed vorweg.

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Auf der anderen Seite erhöht eine starke Reaktion der Notenbank das Rezessionsrisiko. Das führt tendenziell zu niedrigeren Renditen und höheren Anleihekursen, zumal gerade Staatspapiere als Krisenabsicherung gefragt sind. Aber eine schwache Konjunktur beinhaltet schmale Unternehmensgewinne. So ist dieses Szenario schlecht für die Aktienkurse.

Wenn die Investoren dagegen eine entspanntere Geldpolitik erwarten, steigen Aktien und Rentenkurse. Aber genau diese Erwartung kommt der Fed gar nicht gelegen – deswegen hält sie dagegen.

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