1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Geldpolitik
  4. Notenbanker: Ungewohnter Applaus für Fed-Chef Jerome Powell

NotenbankerUngewohnter Applaus für Fed-Chef Jerome Powell

Die führenden Notenbanker der Welt diskutieren in Sintra unter anderem über die Unabhängigkeit der Geldpolitik. Der US-Notenbankchef erfährt dabei seltene Wertschätzung.Leonidas Exuzidis 01.07.2025 - 19:08 Uhr Artikel anhören
Der US-Notenbankchef wird von Donald Trump regelmäßig persönlich attackiert. Jerome Powell selbst richtet den Fokus auf die Sache. Foto: Bloomberg

Sintra. Eine fast schon stoische Ruhe auf der einen Seite, Wut und Ungeduld auf der anderen: Mit seiner Zurückhaltung bringt Jerome Powell Donald Trump beständig auf die Palme. Die Folge: Der US-Präsident greift den Fed-Chef regelmäßig verbal an – „Dummkopf“ und „Narr“ zählen zum regulären Sprachgebrauch.

Führende Notenbanker hingegen wissen Powells Sachlichkeit zu schätzen. Ob die persönlichen Attacken seine Arbeit erschweren, wurde Powell bei einer Panel-Diskussion auf der jährlichen Konferenz der führenden internationalen Notenbanker auf Einladung der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra gefragt. „Ich bin sehr darauf fokussiert, nur meinen Job zu machen“, antwortete Powell. „Es geht einzig darum, unsere Instrumente einzusetzen, um unsere Ziele zu erreichen.“

Daraufhin brandet ein kurzer, aber intensiver Applaus auf. Man kann es als gemeinsames Zeichen nach außen deuten: vereint im Kampf um die Unabhängigkeit der Geldpolitik.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigt mit Nachdruck: „Ich kann für alle Teilnehmer dieser Diskussion sprechen: Wir würden uns exakt so verhalten wie unser Kollege Jerome Powell es tut.“ Mit wachen Augen fragt Lagarde daraufhin in die Runde: „Oder?“ Es gab keinerlei  Widerspruch, wieder Applaus.

Die wichtigsten Zentralbanker kommen dieser Tage wie gewohnt in Sintra zusammen. Die Podiumsdiskussion am Dienstagnachmittag zwischen Powell, Lagarde sowie den Chefs der Zentralbanken von Großbritannien (Andrew Bailey), Japan (Kazuo Ueda) und Südkorea (Chang Yong Rhee) erfährt dabei besondere Aufmerksamkeit.

Jährliche Zusammenkunft in Portugal: Die führenden Notenbanker treffen sich dieser Tage auf Einladung der EZB in Sintra nahe der portugiesischen Hauptstadt. Foto: Bloomberg

Powell gibt dabei vorsichtige Signale zum weiteren Zinskurs. In den verbleibenden vier „Terminen“ des Jahres werde es aller Voraussicht wieder nach unten gehen, betonte Powell. Die Mehrheit der Mitglieder im Fed-Entscheidungsgremium sei dieser Auffassung. Noch befinde man sich im „moderat restriktiven“ Bereich.

Vermutlich hätte die Fed die Zinsen weiter gesenkt, wenn Trump die Welt nicht mit Zöllen überzogen hätte, sagte der Fed-Chef. „Wir haben uns abwartend verhalten, als wir das Ausmaß der Zölle gesehen haben.“ Solange die US-Wirtschaft in einer soliden Verfassung sei, „halten wir es für klug, abzuwarten und mehr über die möglichen Auswirkungen zu erfahren“, sagte Powell über den Effekt der Zölle.

Wir würden uns exakt so verhalten wie Jerome Powell es tut. Oder?
Christine Lagarde
EZB-Chefin

Die Fed hat den Leitzins bei ihren vergangenen vier Zinsentscheiden konstant in der Spanne von 4,25 bis 4,5 Prozent belassen. Trump wiederum fordert mit Nachdruck umfassende Senkungen.

Powell zeigt sich davon unbeeindruckt. Der US-Präsident sinniert daher regelmäßig darüber, den Fed-Chef zu feuern. Doch dafür fehlt ihm die juristische Grundlage, stellte der Oberste Gerichtshof erst kürzlich klar. Seine Amtszeit läuft regulär bis Mai 2026.

Im Mai lag die Teuerungsrate im wichtigsten Währungsraum der Welt bei 2,4 Prozent, die Kerninflation als mittelfristiger Preisindikator bei 2,8 Prozent. Lasse man die Zölle außer Acht, dann entwickle sich die Inflation so, wie es die Fed erwartet habe, sagte Powell.

Inflation

Zweifel an US-Inflationsdaten: Trumps Einsparungen verwässern den wichtigsten Indikator der Fed

Das Problem: Die erratische Zollpolitik des US-Präsidenten und die damit verbundene Unsicherheit steht über allen Prognosen der kurz- und mittelfristigen Zukunft. „Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe des Sommers höhere Inflationswerte sehen“, sagte Powell.

Man sei jedoch darauf vorbereitet, dass die Auswirkungen „höher oder niedriger, später oder früher als erwartet“ sein könnten. Der nächste Zinsentscheid der Fed steht Ende Juli an.

Verwandte Themen
Fed
EZB
Christine Lagarde
Jerome Powell
Donald Trump
Bloomberg

Im Euro-Raum hingegen ist die Ausgangssituation komfortabler. Die Inflationsrate liegt mit 2,0 Prozent auf dem Zielniveau der Europäischen Zentralbank, wie neue Daten von Dienstag zeigen.

Lagarde sieht Europa „in einer sehr guten Position“. Der endgültige Triumph über die Teuerung steht demnach kurz bevor. „Die Mission ist noch nicht erfüllt. Aber ich sage: Ziel erreicht.“

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt