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US-NotenbankMachtkampf um die Fed macht die Investoren nervös

Die neuesten Attacken der Trump-Regierung auf die Notenbank könnten zu neuen Verwerfungen am Anleihemarkt führen, warnt ein prominenter Analyst. Nominiert Trump schon bald einen Nachfolger?Astrid Dörner 14.07.2025 - 16:38 Uhr aktualisiert Artikel anhören
US-Präsident Trump, Notenbankchef Powell: Der Druck der US-Regierung auf die Federal Reserve wird größer. Foto: REUTERS

New York. Der neue Angriff der Regierung von US-Präsident Donald Trump auf die Führung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sorgt bei Investoren zunehmend für Unruhe. Erste Experten wie George Saravelos, Chef-Devisen-Analyst der Deutschen Bank, warnen vor Turbulenzen an den Anleihemärkten.

Derzeit würden die Märkte die Wahrscheinlichkeit für eine vorzeitige Ablösung von Fed-Chef Jerome Powell zwar bei unter 20 Prozent sehen. Aber dadurch wachse die Gefahr, dass die Investoren auf dem falschen Fuß erwischt werden, sollte der Fed-Chef doch gehen müssen, warnt Saravelos.

In den vergangenen Tagen verstärkte die Regierung mit einer neuen Kampagne den Druck auf Powell. Am Donnerstag warf der Chef von Donald Trumps Budgetbehörde, Russell Vought, dem Fed-Chef „grobes Missmanagement“ vor. Am Samstag forderte er Powell zum Rücktritt auf. Auch Trump hatte Powell zuvor zum „sofortigen Rückzug“ gedrängt.

Dabei geht es dieses Mal nicht um die geldpolitische Strategie der Fed, sondern um die Renovierung von zwei Gebäuden der Notenbank in Washington. Dokumente der Fed zeigen, dass die Kostenprognose für das Projekt von 1,9 Milliarden Dollar 2023 auf aktuell 2,5 Milliarden angeschwollen ist.

Kevin Hassett, Direktor des National Economic Council des Weißen Hauses, sagte, Powells Zukunft hänge davon ab, wie der Fed-Chef die Fragen über die aus dem Ruder laufenden Kosten des Renovierungsprojekts beantworten werde. Beobachter in Washington werten die Angriffe als neuen Versuch von Trump, Powell noch vor Ende seiner Amtszeit im kommenden Frühjahr loszuwerden.

Unterschätztes Risiko?

Für Saravelos von der Deutschen Bank ist eine mögliche Entlassung von Jerome Powell ein erhebliches und bislang unterschätztes Risiko für die Märkte. Sollte der US-Präsident seinen Notenbankchef tatsächlich aus dem Amt drängen, könnten die Märkte für US-Staatsanleihen innerhalb von 24 Stunden um 30 bis 40 Basispunkte (0,3 bis 0,4 Prozentpunkte) einbrechen – für Anleihemärkte, die in der Regel weniger stark schwanken als Aktienmärkte, wäre dies eine große Bewegung.

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„Anleger würden ein solches Ereignis vermutlich als direkten Angriff auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank werten, was die Fed institutionell massiv unter Druck setzen würde“, sagt Saravelos. „Da die Fed an der Spitze des globalen Währungssystems steht, liegt es auf der Hand, dass die Folgen weit über die Grenzen der USA hinaus spürbar wären.“

Powells Amtszeit als Fed-Chef endet im kommenden Mai, doch Präsident Trump könnte sich schon sehr bald für einen Nachfolger entscheiden. Eine so ungewöhnlich frühe Nominierung würde es dem designierten Nachfolger erlauben, bereits vor dem offiziellen Amtsantritt die Zinserwartungen am Markt zu beeinflussen. Das zumindest ist die Idee von US-Finanzminister Scott Bessent, der selbst für den Posten im Gespräch ist.

Powells Amtszeit als regulärer Fed-Gouverneur geht noch bis 2028. Notenbank-Experten vermuten, dass die neue Kampagne dazu dienen könnte, Powell spätestens im Mai 2026 zum kompletten Rückzug zu bewegen. Das würde dem US-Präsidenten die größte Flexibilität geben, einen neuen Kandidaten für das Führungsgremium der Fed zu benennen. Sollte Powell darauf beharren, bis 2028 bei der Fed zu bleiben, könnte Trump nur aus den bestehenden Mitgliedern des Gremiums einen Nachfolger ernennen.

Trump fordert seit Monaten vehement eine Lockerung der Geldpolitik. Am vergangenen Mittwoch machte sich der Präsident für eine Senkung des Leitsatzes um drei Prozentpunkte stark. Das ist eine Größenordnung, die für die Notenbanker in der Vergangenheit nur in Krisenzeiten infrage kam.

Powell selbst argumentiert bislang für konstante Leitzinsen. Er will mehr Klarheit darüber, wie sich Trumps Zollpolitik auf die Preise auswirkt. Bislang war der Preisdruck deutlich geringer als erwartet. Ökonomen zufolge liegt das unter anderem daran, dass ein Teil von Trumps Zöllen zunächst ausgesetzt wurde. Ein anderer wichtiger Grund sei, dass die Unternehmen die Zölle nur zum Teil an die Kunden weitergeben.

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Renommierte Ökonomen warnen derweil erneut vor dem möglichen Schaden durch eine geringere Unabhängigkeit der Fed. Eine Notenbank, die faktisch vom US-Präsidenten selbst geführt werde, könnte die Preise deutlich steigen lassen, warnt etwa Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman in einer aktuellen Analyse. So würden zwar die kurzfristigen Zinsen nach einer Zinssenkung fallen. „Doch die längerfristigen Zinsen würden steigen, weil vorausschauende Investoren erkennen, dass eine politisierte Geldpolitik die Inflation anheizt.“ Selbst eine von Trump beeinflusste Notenbank „wird schließlich gezwungen sein, die Zinsen anzuheben, um den Schaden zu begrenzen“, schreibt Krugman.

Trumps neueste Zollforderungen, zu denen unter anderem Zölle in Höhe von 30 Prozent auf europäische Importe gehören, könnten den Preisdruck in den kommenden Wochen erneut anfachen, warnen Analysten. Am Dienstag kommen neue Zahlen zur US-Inflation.

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