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ChinaSo will Peking die Immobilienkrise in den Griff bekommen

Auch im April bewegten sich die Preise für chinesische Immobilien weiter abwärts. Am Freitag hat die Regierung präzisiert, wie sie den Trend aufhalten will. Martin Benninghoff 17.05.2024 - 14:10 Uhr aktualisiert
Die Preise für Immobilien fallen weiter. Die Regierung in Peking ist unter Druck. Foto: picture alliance/ccfdcb - Imaginechina

Shanghai. Die chinesische Regierung hat am Freitag präzisiert, wie sie die seit Jahren schwelende Immobilienkrise bekämpfen will – und zeigt nach Kritik jetzt mehr Handlungsbereitschaft. So sollen die in vielen Fällen hochverschuldeten Kommunen über staatliche Unternehmen Immobilien kaufen können, kündigte Vizeregierungschef He Lifeng an.

Zudem sollen die Mindestanforderung an das Eigenkapital beim Immobilienkauf gesenkt und die Kreditvergabe erleichtert werden. Der Politiker verkündete die Maßnahmen nach einem ein Onlinetreffen hochrangiger Vertreter von Banken, Ministerien und Bauträgern am Freitag. Einberufen hatte es der  Staatsrat, die Regierung der Volksrepublik.

Die Zentralbank senkte am Freitag in einem ersten Schritt die Mindestanzahlung für private Erstkäufer einer Immobilie auf 15 Prozent und für Zweitkäufer auf 25 Prozent. Vizeregierungschef He sagte zudem, die mit insgesamt rund neun Billionen Dollar verschuldeten Regionalregierungen könnten Grundstücke zurückkaufen, die zuvor an Bauträger veräußert worden seien.

Darüber hinaus kündigte er an, „hart dafür zu kämpfen“, dass brachliegende Bauprojekte fertiggestellt würden. Viele Chinesen kaufen Wohnungen noch in der Bauphase – und warten zum Teil noch nach Jahren darauf, dass sie abgeschlossen werden. Allerdings konkretisierte He weder Laufzeit noch Volumen des staatlichen Aufkaufprogramms. 

Für Experten zeigen die Reformschritte dennoch in die richtige Richtung. „Dies würde das teilweise Überangebot auf dem Markt reduzieren und gleichzeitig eine Liquiditätshilfe für angeschlagene Immobilienentwickler darstellen“, teilte Sandro Pannagl, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, in einer Mitteilung am Freitag mit. „Um erfolgreich zu sein, müsste die Intervention allerdings relativ groß ausfallen. Es bleibt abzuwarten, ob und wann man dazu bereit ist.“

Die Reform kann eine Liquiditätshilfe für angeschlagene Immobilienentwickler sein.
Sandro Pannagl
Landesbank Baden-Württemberg

Die nun angekündigten Maßnahmen zeigten die Erkenntnis der Behörden, „dass die Situation auf dem Immobilienmarkt dringend angegangen werden muss“, bestätigte Raymond Yeung, Chefökonom für Greater China bei der Bank ANZ. „Das ist ein mutiger Schritt“, fügte er hinzu, „aber es bleibt abzuwarten, ob alle Lokalregierungen die finanzielle Kapazität haben werden, die zentrale Aufgabe zu erfüllen."

Eine Sorge, die offenbar auch Chinas Zentralbank teilt: Ihr stellvertretender Gouverneur, Tao Ling, sagte am Freitag, die staatlichen Unternehmen und die mit ihnen verbundenen Gruppen in der Stadt  dürften „keine versteckten Schulden bei der Lokalregierung“ haben.

Der Handlungsdruck für die Regierung in Peking war am Freitag weiter verstärkt worden, nachdem das Nationale Statistikbüro einen rapiden Preisverfall im Immobiliensektor bestätigt hatte. Demnach fielen die Preise für neue Häuser in 70 Städten im April um 0,58 Prozent im Vergleich zum März. Der Wert bestehender Häuser sank sogar um weitere 0,94 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr reduzierten sich die Preise für neue Häuser im April um 3,51 Prozent. Im März waren es noch 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, teilte das Statistikamt mit. Bestehende Häuser verbilligten sich um 6,79 Prozent. Wegen dieses Trends warten viele Interessenten ab, bevor sie eine Wohnung oder ein Haus kaufen. 

Unfertige Bauprojekte gehören zum Stadtbild

Sowohl die Rückgänge auf dem Neubaumarkt als auch die Preisentwicklung auf dem Markt für bestehende Eigenheime sind deutlich. Sie belegen: Die Immobilienkrise in der zweitgrößten Volkswirtschaft ist nicht überwunden.

Vor der Krise trug die Branche mit allen Zulieferereffekten rund ein Viertel zur Wirtschaftsleistung Chinas bei. Doch um die ausufernde Verschuldung des Sektors in den Griff zu bekommen, hatte die Führung in Peking vor rund vier Jahren die Kreditvergabe gedrosselt – und damit selbst die größten Immobilienentwickler wie Evergrande und Country Garden in Existenznöte gestürzt. In der Folge wurden Bauprojekte gestoppt, unfertige Wohnungen und Häuser gehören zum Stadtbild in Chinas rasant wachsenden Vorstädten.

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Die Bauträger laborieren derzeit an den Folgen dieser Politik. Der mit fast 190 Milliarden Dollar hochverschuldete Immobilienentwickler Country Garden befindet sich in einem Rechtsstreit mit seinem Gläubiger Ever Credit Limited und dem Antrag auf Liquidation des Unternehmens. Die Verhandlung wurde allerdings in dieser Woche auf den 11. Juni vertagt, was dem Unternehmen wieder etwas mehr Spielraum gibt, seine Finanzen zu ordnen.

Die Stützungsversuche der Regierung in Peking weisen nun über die bisherige Hilfestellung hinaus – das könnte auch den angeschlagenen Bauträgern neue Hoffnung geben. Hoffnung, die sich am Freitag am Aktienmarkt niederschlug: Chinas CSI 300-Immobilienindex stieg nach den Ankündigungen der Führung in Peking um fast neun Prozent.

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