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Apartment-Vermittler Airbnb plant wohl trotz Coronakrise den Börsengang

Laut Insiderinformationen will Airbnb mitten in der Coronakrise einen geheimen Börsenprospekt für den Börsengang 2020 einreichen. Die Risiken sind groß.
12.08.2020 - 04:20 Uhr Kommentieren
Die Coronakrise hat Airbnb schwer zugesetzt. Das Unternehmen verfolgt seine Börsengang-Pläne aber scheinbar weiter. Quelle: Reuters
Hotelkonkurrent Airbnb

Die Coronakrise hat Airbnb schwer zugesetzt. Das Unternehmen verfolgt seine Börsengang-Pläne aber scheinbar weiter.

(Foto: Reuters)

San Francisco Bis Ende 2019 galt Airbnb neben den Taxikonkurrenten Uber und Lyft als heißer Börsenkandidat. Das änderte sich, als deren Börsengänge zu Enttäuschungen wurden. Und Anfang 2020 zerschlug die Coronakrise alle Börsenpläne. Weltweit mussten viele Airbnb-Vermieter ihre Angebote zurückziehen. Doch der Wohnungsvermittler aus San Francisco scheint seine Börsenpläne nicht beiseite gelegt zu haben.

So zitiert das „Wall Street Journal“ Informanten aus der Branche, denen zufolge Airbnb die Einreichung eines Börsenprospekts bei der US-Aufsichtsbehörde SEC plane. Das Ziel: Der Hotelkonkurrent will anscheinend noch vor Jahresende an den Markt gehen.

Ein Einreichen von Börsenprospekten unter Ausschluss der Öffentlichkeit gibt Aufsicht und Unternehmen die Möglichkeit, intern ernste Differenzen, zum Beispiel in der Buchführung oder bei Kennzahlen, auszuräumen. Danach kann entschieden werden, ob die Pläne zurückgezogen werden oder nicht. Morgan Stanley und Goldman Sachs, so die Vermutung, sollen den Börsengang federführend begleiten. Airbnb nimmt zum angeblichen Börsenprospekt nicht Stellung.

Der Zeitpunkt überrascht. Denn noch Anfang Mai räumte Airbnb-CEO Brian Chesky ein, der Umsatz werde 2020 wohl nur die Hälfte des Vorjahreswerts erreichen. Um Kosten zu sparen, mussten 1900 Mitarbeiter gehen. Vermieter, firmenintern „Gastgeber“ genannt, gerieten in finanzielle Probleme: Vor allem wenn sie sich Immobilien nur gekauft hatten, um sie über die Airbnb-Plattform zu vermieten, und jetzt wegen fehlender Gäste die Hypotheken nicht bezahlen konnten.

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    Unter öffentlichem Druck erklärte sich Airbnb bereit, Gästen bereits gezahlte Zimmermieten zu erstatten, wenn Buchungen wegen Covid-19 storniert werden mussten. Im Gegenzug verlangte Airbnb Geld von den Vermietern zurück.

    Um die Krise zu überstehen, musste frisches Kapital her: zunächst eine Milliarde Dollar in Anleihen und Unternehmensbeteiligungen von Investoren, danach, berichtete Bloomberg seinerzeit, eine weitere Milliarde durch weitere Kredite zu angeblich neun Prozent Zinsen.

    Wie die Geschäfte bei Airbnb tatsächlich laufen, war schon vor der Coronakrise schwierig zu beurteilen. Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg konnte Anfang 2020 nach eigenen Angaben interne Zahlen für 2019 einsehen und meldete eine Verdopplung des Verlustes im vierten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahr auf 276,4 Millionen Dollar (ohne Zinsen, Abschreibungen, Amortisation und Steuern). Der Umsatz war um 32 Prozent im Jahresvergleich gestiegen.

    Als das Unternehmen 2017 Geld am privaten Kapitalmarkt aufgenommen hatte, wurde es mit rund 30 Milliarden Dollar bewertet. Jetzt wird der Unternehmenswert auf eher 18 Milliarden Dollar geschätzt. Ob diese Annahme aber das Papier wert ist, auf dem sie errechnet wurde, wird sich zeigen, wenn der Prospekt veröffentlicht und der Emissionspreis festgesetzt wird.

    Lyft und Uber sollten als Warnung dienen

    Das war auch der Tag der Wahrheit für die Investoren in Lyft und Uber, und für beide hatte sich die Bewertung bislang nicht ansatzweise als tragfähig erwiesen. Die Kurse sind unter Wasser. Uber versucht, Umsatzeinbrüche durch Corona mit Essensauslieferungen wettzumachen. Lyft wird am Mittwoch Quartalszahlen vorlegen.

    Der Börsengang von Airbnb in Krisenzeiten wäre mutig. Dabei sind die Aussichten generell gar nicht schlecht. Im Gegensatz zur Weltwirtschaft zeigen sich die Börsen, allen voran die Wall Street, in guter Verfassung. Börsengänge wie der des Versicherers Lemonade stießen zuletzt auf gute Resonanz bei Investoren: Am ersten Handelstag ging es 139 Prozent in die Höhe. Die Aktien des Gebrauchtwagenhändlers Vroom machten Anfang Juni zum Start auf dem Parkett ein Plus von 117 Prozent.

    Dennoch: Bei Airbnb bleiben die Folgen der Pandemie ein unkalkulierbares Risiko. Im Winter könnte eine zweite Welle von Corona-Infektionen neue, drastische Schutzmaßnehmen erfordern und die Reiseindustrie erneut lahmlegen.

    Zudem haben Anleger Alternativen am Aktienmarkt, von Hotelketten wie MGM bis zu Online-Reiseunternehmen wie Booking.com, Expedia oder Dienstleister wie Sabre. Deren Kurse sind teilweise stark gesunken, die Unternehmen gut eingeführt und werden voraussichtlich stark profitieren, sobald der Reisemarkt wieder anziehen sollte.

    Bei Airbnb hingegen bleibt das zusätzliche Risiko, dass frühe Investoren nach dem Börsengang nach Auslaufen einer üblicherweise sechsmonatigen Haltefrist in großem Stil Kasse machen werden – was den Kurs temporär zusätzlich belasten könnte.

    Mehr: Der unheimliche Boom des Börsengangs durch die Hintertür

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