Neuemissionen: Fahrdienstanbieter Didi verliert an der Wall Street schnell an Schwung
Didi ist der größte Börsengang in den USA seit 2015. Die Emission war um ein Vielfaches überzeichnet.
Foto: APNew York. Die gute Stimmung hielt nicht lange an: Der chinesische Fahrdienstvermittler Didi startete am Mittwoch mit einem Plus von knapp 20 Prozent in den Handel an der New York Stock Exchange. Doch im Tagesverlauf gab das Papier fast alle Gewinne wieder ab und schloss bei 14,14 Dollar, nur knapp über dem Ausgabepreis von 14 Dollar.
Insgesamt sammelte das Unternehmen 4,4 Milliarden Dollar bei Investoren ein. Das Geld will Mitgründer und CEO Cheng Wei vor allem dazu nutzen, in neue Länder zu expandieren, darunter auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien, wie US-Medien berichten. Didi ist der größte Börsengang (IPO) in den USA seit 2015, als der chinesische Onlineriese Alibaba 25 Milliarden Dollar erlöste.
Das Didi-Management hatte sich daher im Vorfeld dazu entschieden, die Aktie beim Ausgabepreis vergleichsweise konservativ anzusetzen, um einen großen Flop zum Handelsstart zu vermeiden. Der Börsengang kommt zu einer Zeit, in der die Nachfrage nach Fahrdiensten wieder deutlich angestiegen ist. Die US-Dienste Uber und Lyft haben beide in Aussicht gestellt, Ende des Jahres profitabel zu sein.
Uber hat seit dem Börsengang 2019 um über 20 Prozent zugelegt und ist derzeit gut 94 Milliarden Dollar wert. Der deutlich kleinere Konkurrent Lyft dagegen konnte sich an der Wall Street nicht so gut behaupten. Die Aktie hat seit dem IPO mehr als 20 Prozent an Wert verloren, bei einem Marktwert von 20 Milliarden Dollar.
Didi stürmte im Eiltempo an die New York Stock Exchange. Erst am Freitag hatte der chinesische Fahrdienstanbieter seine Roadshow begonnen, bei der er um das Interesse von Investoren warb. Nach nur drei Handelstagen ist Didi nun börsennotiert.
Normalerweise dauern Roadshows eine Woche oder länger. Die kurze Zeitspanne war möglich, weil Didi zwei Ankerinvestoren gewinnen konnte: die US-Bank Morgan Stanley und die Staatsholding Temasek aus Singapur. Sie sollen rund ein Drittel der Papiere gekauft haben, wie das „Wall Street Journal“ berichtete.
Marktwert bei rund 77 Milliarden Dollar
70 Prozent von Chinas Bevölkerung werden bis 2039 in Städten leben, und nur wenige besitzen eigene Autos. Davon könne niemand so deutlich profitieren wie Didi, argumentieren die Manager. Schon jetzt hat der Fahrdienst 13 Millionen Fahrer und ist damit eine wichtige Kraft in der Wirtschaft. „China kann es sich nicht leisten, diesen Dienst einfach einzustellen oder schwer zu beschädigen“, glaubt ein Investor. Kurz nach dem Handelsstart lag Didis Marktwert bei gut 77 Milliarden Dollar.
Die Börsen erleben derzeit weltweit eine Flut von IPOs. Nach Daten der Unternehmensberatung EY haben zwischen April und Juni 589 Unternehmen den Sprung an den Aktienmarkt gewagt, dreimal so viele wie ein Jahr zuvor.
Sie nahmen zusammen 106 Milliarden Dollar ein, das Zweieinhalbfache des Vorjahreswerts. Allein in China gingen 161 Firmen an die Börse, in den USA waren es 114. Den stärksten Zuwachs erlebten aber die europäischen Börsen: Hier verfünffachte sich die Zahl der Neuemissionen auf 142. Deren Volumen hat sich auf 21,1 Milliarden Dollar verdreifacht.
„Die hohen Bewertungsniveaus und eine geringere Volatilität sorgen für einen regelrechten Ansturm aufs Parkett“, sagte EY-Experte Martin Steinbach. Neben den vollen Taschen der Anleger spielten dabei auch die Nebenwirkungen der Coronakrise eine Rolle.
Ähnlich große Ambitionen wie Uber und Lyft – die Konkurrenten aus dem Silicon Valley, die 2019 an die Börse gegangen sind.
Foto: Reuters„Der Digitalisierungstrend, der durch die Pandemie noch mal enorm verstärkt wurde, rückt digitale Geschäftsmodelle in den Mittelpunkt des Interesses“, erklärte Steinbach. Jeder vierte Börsenneuling ist ein Technologieunternehmen.
Auch Didi gehört dazu. Das 2012 gegründete Unternehmen hat in China den Preiskampf mit dem US-Rivalen Uber gewonnen. Er hatte sein Geschäft in China an Didi verkauft und sich im Gegenzug an dem Konkurrenten beteiligt. Chef von Uber China war zu der Zeit Liu Zhen, der Cousin von Didi-Mitgründer Jean Qing Liu, einem ehemaligen Banker von Goldman Sachs.
Zu den frühen Didi-Investoren zählen auch Softbank und Tencent. Im vergangenen Jahr hatte sich der Umsatz des Fahrdienstvermittlers angesichts der Pandemie um acht Prozent auf 21,6 Milliarden Dollar verringert, bei einem Verlust von 1,6 Milliarden Dollar. Für das erste Quartal 2021 wies Didi mit 30 Millionen Dollar erstmals einen Gewinn aus.
Mit Agenturmaterial.