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Zinsprognosen des VÖB„Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fällt wie ein Stein“

Die Auswirkungen der Coronakrise gefährden die Wirtschaft. Öffentliche Banken rechnen mit Leitzinssenkungen. Das hat Folgen für die Anleiheprognosen.Andrea Cünnen 11.03.2020 - 20:20 Uhr

Volkswirte und Anleihestrategen großer Mitgliedsinstitute des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB) erwarten weitere Zinssenkungen der EZB.

Foto: imago/Christian Ohde

Frankfurt. Anleger müssen am Anleihemarkt noch sehr lange mit Minuszinsen leben. Darauf haben Volkswirte und Anleihestrategen großer Mitgliedsinstitute des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB) die Investoren bei ihrer halbjährlichen Zinsprognose-Pressekonferenz eingestimmt.

Die ohnehin bereits angeschlagene Konjunktur wird durch die Auswirkungen des Coronavirus belastet. Deshalb würden auch die Notenbanken ihre Leitzinsen noch weiter senken.

Die Ökonomen gehen fest davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung am Donnerstag den Einlagensatz für Banken von derzeit minus 0,5 Prozent noch weiter in den Minusbereich drücken wird.

Der Einlagensatz ist für die EZB schon länger das wichtigste Steuerungsinstrument, weil der Zins für Ausleihungen an Banken schon seit drei Jahren bei null Prozent liegt. Die US-Notenbank hat ihren Leitzins bereits in der vergangenen Woche gesenkt, ebenso reagierte am Mittwochmorgen die Bank of England.

Gleichzeitig gehen Ökonomen der großen Mitgliedsinstitute des VÖB davon aus, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm ausweiten wird. Alexander Aldinger von der BayernLB rechnet mit einer Erhöhung der monatlichen Anleihekäufe um zehn Milliarden auf 30 Milliarden Euro. Daniel Lenz von der DZ Bank erwartet eine Verdopplung der monatlichen Käufe auf 40 Milliarden Euro.

Minus ein Prozent als Zielmarke

Das alles hat Folgen für die Anleiherenditen. Zu der Entwicklung der vergangenen Wochen sagt Thomas Meißner von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): „Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fällt wie ein Stein.“ Ein Ende der Talfahrt ist für ihn nicht abzusehen und ein baldiges Unterschreiten der Marke von minus ein Prozent nicht ausgeschlossen.

Seit Ende vergangener Woche hat sich der Run der Investoren auf sichere Staatsanleihen verstärkt. Die Unsicherheit mit Blick auf die Folgen des Coronavirus treibt Investoren raus aus Aktien und rein in Anleihen. Spiegelbildlich zu den steigenden Kursen der Anleihen sinken die Renditen für Neukäufer, wenn sie die Bonds bis zum Ende der Laufzeit halten.

Am Montag hatte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe im Tagesverlauf mit minus 0,91 Prozent ein historisches Tief markiert. Innerhalb von drei Tagen ist die Rendite um 0,3 Prozentpunkte gesunken.

Erratische Bewegungen

In den USA ist die Bewegung ähnlich deutlich. Dort erreichte die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe am Montag im Tagesverlauf ihr historisches Tief bei 0,31 Prozent, stieg bis Montagabend aber wieder auf 0,55 Prozent. Diese für Anleihen geradezu erratischen Bewegungen zeigen, wie nervös die Anleger sind.

Zuletzt lag die zehnjährige Bund-Rendite bei minus 0,77 Prozent, in den USA sind es plus 0,72 Prozent. Das kann sich aber auch schnell wieder umkehren. „Die nächste große Wette dürfte die auf negative Renditen bei zehnjährigen US-Staatsanleihen sein“, sagt Meißner: „Damit wäre dann die letzte Bastion am Rentenmarkt gefallen.“

Mit Blick auf die kommenden sechs Monate rechnen die vom VÖB-befragten Ökonomen dann aber doch wieder mit etwas höheren Renditen als derzeit. Die zehnjährige Bund-Rendite sehen sie im Oktober bei minus 0,4 Prozent (BayernLB und DZ Bank) bis minus 0,6 Prozent (NordLB).

Für die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe liegen die Prognosen mit Sicht auf ein halbes Jahr zwischen 0,9 Prozent (NordLB) und 1,2 Prozent (LBBW).

Große Unsicherheit

Hinter den Prognosen der in sechs Monaten wieder etwas höheren Renditen steckt die Annahme, dass die Infektionswelle die Wirtschaft nur vorübergehend belasten wird. Doch sicher sind die Ökonomen bei diesen Annahmen nicht.

Für Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, ist denkbar, dass die Skepsis gegenüber dem Coronavirus und der Wirksamkeit der Gegenmaßnahmen anhält oder sogar steigt. In diesem Fall würden wohl die Aktienmärkte noch weiter fallen – und die Anleiherenditen auch in einem halben Jahr niedriger liegen als derzeit.

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