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Interview mit US-Ökonom Ed Yardeni„Die Angst verbreitet sich schneller als das Virus“

Der unabhängige Finanzexperte hält die heftige Reaktion an den Märkten für übertrieben und sieht Kaufgelegenheiten. Astrid Dörner 29.02.2020 - 02:34 Uhr

Händler an der New York Stock Exchange: US-Ökonom Ed Yardeni hält die Reaktion der Märkte auf das Coronavirus für eine Panik-Attacke.

Foto: AFP

New York. Ed Yardeni zählt zu den sogenannten Bullen an der Wall Street, die sich auch nach der schlechtesten Woche seit der Finanzkrise nicht aus der Ruhe bringen lassen. Er hält die Reaktion der vergangenen Woche für eine von vielen Panikattacken und geht davon aus, dass sich die Märkte schon bald wieder erholen könnten.

Herr Yardeni, die US-Aktienmärkte haben gerade die schlechteste Woche seit der Finanzkrise 2008 erlebt. Sie halten die Reaktion für übertrieben. Warum?
Die Angst verbreitet sich schneller als das Virus selbst. Ich halte dies für eine Panik-Attacke, und das wäre nicht die erste in diesem Bullen-Markt. Es wäre die 66. Regierungen haben mit drastischen Maßnahmen reagiert. Das könnte dabei helfen, das Virus bald in den Griff zu bekommen. Andere Wellen wie Sars haben wir auch überstanden. Und wir dürfen nicht vergessen: Der Markt war überbewertet und ohnehin geradezu reif für eine Korrektur.

Nach Panik-Attacken gab es in der Vergangenheit immer Rallyes der Erleichterung.
Das könnte hier auch der Fall sein, falls es demnächst ein paar positive Anzeichen gibt. Sicher, wir könnten von der Korrektur auch in einen Bärenmarkt rutschen.

Dann sprechen wir von einem Minus von 20 Prozent im Vergleich zum jüngsten Rekordhoch statt „nur“ von zehn Prozent…
Beim Crash 1987 hatten wir den Fall, dass es einen Bärenmarkt gab, der jedoch nur kurz anhielt und keine Rezession folgte. Auch das ist denkbar.

Die Fed signalisierte am Freitag kurz vor Handelsschluss Unterstützung.
Das haben die Anleihemärkte antizipiert. Die Rendite auf zweijährige Staatsanleihen ist zum ersten Mal seit Jahren auf unter ein Prozent gerutscht. Die Erwartung ist nun, dass die Fed die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte oder gar um ein Prozentpunkt senken könnte. Reguläre Zinsschritte liegen bei 0,25 Prozent. Das ist es, was die Märkte wollen und die Fed neigt dazu, genau das zu tun.

Kann eine Zinssenkung in diesem Fall tatsächlich helfen?
Wir haben uns daran gewöhnt, dass Geldpolitik alle möglichen Probleme lösen kann. Aber die Notenbank kann sicher nicht das Virus eindämmen. Die Fed ist in einer schwierigen Situation. Senkt sie die Zinsen nur um ein viertel Prozentpunkt, dann wird sie dafür kritisiert werden, dass sie nicht genug unternimmt. Senkt sie die Zinsen zwei Mal um 0,5 Prozentpunkte in den nächsten Sitzungen, dann wird man sie dafür kritisieren, dass sie die Marktteilnehmer unnötig verschreckt.

Eine Reihe von Analysten rechnen damit, dass Unternehmen ihre Gewinne in diesem Jahr nicht steigern können. Auch wenn man das Virus in den Griff bekommen sollte, der Verlust aus dem ersten Quartal ist nicht mehr wett zu machen.
Wenn das so verläuft wie andere Ausbrüche, dann könnte es durchaus eine Gewinnrezession geben. Aber wenn die Krise abebbt, dann ergeben sich auch außergewöhnlich gute Kaufgelegenheiten. Gut möglich, dass es in der zweiten Jahreshälfte eine große Aufholjagd an den Märkten geben wird. Aus Sicht der Investoren ist es nicht sehr hilfreich zu glauben, das gesamte Jahr sei schon verloren.

US-Präsident Donald Trump suggerierte, dass auch politische Sorgen die schlechte Stimmung an den Märkten befeuern. Bernie Sanders, der sich selbst als Sozialist bezeichnet, hat derzeit die besten Chancen, der Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden.
In einem Bärenmarkt gibt es immer eine Vielzahl von Gründen für die Verkäufe. Das Coronavirus ist im Moment sicher der offensichtlichste Grund, doch Bernie Sanders bereitet den Investoren schon auch Sorgen. Viele halten ihn mit seiner Anti-Wall-Street-Haltung für ein Desaster. Er würde zudem die Gesundheits- und die Bildungsbranche verstaatlichen. Aber er braucht dazu natürlich auch ein demokratisch geführtes Haus und einen demokratisch geführten Senat. Und das ist längst nicht garantiert. Und sollte die Regierung bei der Corona-Bekämpfung keine gute Figur machen, dann könnte das Trump unter Umständen die Wahl kosten.

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Was raten Sie Investoren?
Wer den Bullenmarkt verpasst hat, der hat nun eine neue Gelegenheit – vor allem, was gut aufgestellte Unternehmen angeht. Unternehmen mit hoher Verschuldung sollte man eher meiden.

Herr Yardeni, vielen Dank für das Interview.

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