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DevisenYen erreicht tiefstes Niveau seit 1990 – Greift die Politik ein?

Die neuen US-Preisdaten verstärken den Druck auf die japanische Währung. Das Finanzministerium bekräftigt seine mahnenden Worte – noch.Leonidas Exuzidis 11.04.2024 - 14:07 Uhr
Die Marke von 152 Yen pro Dollar gilt am Devisenmarkt als besonders wichtig.  Foto: Bloomberg

Düsseldorf. Der Wertverfall des Yens nimmt immer drastischere Züge an. Die japanische Landeswährung lag am Donnerstagmorgen im Verhältnis zum US-Dollar bei bis zu 153,24 Yen. Das ist der tiefste Stand seit 34 Jahren. Eine Intervention des Finanzministeriums wird damit immer wahrscheinlicher.

Der Yen steht bereits seit Wochen unter Beobachtung. Nun lösten die neuen US-Inflationszahlen zusätzlichen Abwärtsdruck aus – die Bewegung war für Devisen aber ungewöhnlich deutlich. Die Teuerungsrate in den USA ist im März auf 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen und lag damit sogar knapp über dem Konsens.

Marktteilnehmer passen nun ihre Zinserwartungen an. Dass die Fed in diesem Jahr drei Mal die Zinsen anpasst ist nunmehr weniger wahrscheinlich, ebenso wie eine erste Senkung bereits im Juni.

Ein hohes Zinsniveau wirkt sich im Allgemeinen positiv auf die Währung einer Volkswirtschaft aus, weil mehr ausländisches Kapital in den Währungsraum fließt. Die neuen Preisdaten stärken also den US-Dollar. Insofern hängt die Yen-Schwäche auch mit der Dollar-Stärke zusammen.

Zwar hat kürzlich auch die Bank of Japan (BoJ) die geldpolitische Wende eingeleitet und erstmals seit 17 Jahren die Zinsen angehoben. Der Schritt fiel aber geringfügig aus, sodass im Vergleich zu anderen westlichen Währungsräumen noch immer eine sehr große Differenz besteht. Auch ist weiter unklar, ob und in welchem Umfang die BoJ die Zinsen erneut nach oben anpasst.

Yen: Letzte Intervention erfolgte 2022

Japan ist bei wichtigen Rohstoffen sehr stark von Importen abhängig. Ein schwacher Yen verteuert diese und wirkt daher für viele Unternehmen problematisch.

Devisenkäufe durch die Notenbank sind selten – lange Jahre war das Gegenteil der Fall. Die letzte Kaufintervention im Gesamtvolumen von umgerechnet etwa 60 Milliarden US-Dollar erfolgte im Herbst 2022, als die Währung über 152 Yen pro Dollar zu steigen drohte. Diesem Niveau haben Marktexperten daher bis zuletzt hohe Bedeutung beigemessen. 

Über der Marke von 153 Yen pro Dollar lag die japanische Währung zuletzt im Jahr 1990. Die Devise nähert sich nun also einem Niveau, auf dem Marktbeobachter höheren politischen Einfluss erwarten. 

Der ehemalige Vizefinanzminister Eisuke Sakakibara etwa äußerte zuletzt, dass er Stützungskäufe ab einem Niveau von 155 Yen pro Dollar erwartet. Hiroshi Watanabe, ebenso ehemaliger Vizefinanzminister, teilt diese Einschätzung. Auf Anweisung des Finanzministeriums würde die BoJ die japanischen Währungsreserven anzapfen, um Dollar gegen Yen zu handeln.

Die Behörden betonen hingegen, dass sie sich an keiner Marke orientieren. Sie achten nach eigenen Angaben vielmehr auf das Tempo des Yen-Verfalls sowie auf mögliche spekulative Einflüsse.

In der aktuellen Situation bleibt es dadurch vorerst bei Worten statt Taten. Sie gelten trotzdem als eine Vorstufe zu einer Intervention. Finanzminister Shunichi Suzuki sagte am Donnerstag, man beobachte den Devisenmarkt „mit einem hohen Maß an Dringlichkeit“. Der für Währungsfragen zuständige Vizefinanzminister Masato Kanda betonte zuvor, die Behörde sei „auf alle Situationen vorbereitet“.

Wir beurteilen die Bewegung des Yens umfassend und unter Berücksichtigung der Fundamentaldaten. Ich kann Ihnen nicht sagen, ob das übertrieben ist.
Masato Kanda
Vizefinanzminister

Öffentlich hatten sich Suzuki und Kanda bereits Ende März ähnlich geäußert, in der Folge fand eine Dringlichkeitssitzung statt. Der Yen stabilisierte sich – bis eben zu den neuen Inflationszahlen aus den USA.

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Überdies ist nicht ausgemacht, dass Stützungskäufe die erwünschte Wirkung hätten. „Die Bewegungen des Yens werden von den Wetten des Marktes auf Zinssenkungen der Fed angetrieben“, sagte Takeshi Minami, Chefökonom des Norinchukin Research Institute in Tokio, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Japans Maßnahmen allein würden wahrscheinlich nicht viel bewirken.“

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