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EdelmetalleGoldpreis steigt erstmals seit 2011 über 1800 Dollar

Seit Jahresbeginn hat sich das Edelmetall knapp 20 Prozent verteuert. Vor allem eine Gruppe von Investoren heizt die Rally weiter an.Jakob Blume 08.07.2020 - 16:52 Uhr aktualisiert

Börsengehandelte Indexprodukte sorgen für einen Boom der Goldnachfrage.

Foto: Reuters

Frankfurt. Das weiter grassierende Coronavirus, unsichere Konjunkturperspektiven und ein Mangel an lukrativen Anlagealternativen treiben die Anleger in Scharen in die Krisenwährung Gold. Der Preis für eine Feinunze (rund 31 Gramm) stieg am Mittwoch über die Marke von 1800 Dollar. Das ist der höchste Stand seit 2011.

Damit setzt das Edelmetall seine Rally der vergangenen Wochen fort. Allein seit Mitte März hat es sich um mehr als 22 Prozent verteuert. Auf Jahressicht beträgt das Plus knapp 19 Prozent.

Alexander Zumpfe, Edelmetallhändler bei Heraeus in Hanau, sagt: „Die Furcht vor den Folgen der weiter steigenden Covid-19-Zahlen treibt die Anleger in sichere Häfen.“ Zuletzt hatte die EU-Kommission gewarnt, dass der Konjunktureinbruch deutlich schärfer ausfallen könnte.

Auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sei besorgt, dass das Virus den amerikanischen Konsum belastet. „Damit ist die Wahrscheinlichkeit für weitere Stützungsmaßnahmen von Regierungen und Notenbanken gestiegen“, erklärt Zumpfe.

Carlo Alberto da Casa, Chefanalyst beim Brokerhaus ActiveTrades, ergänzt, dass die Investoren zwar nach wie vor stark in Aktien drängen. „Aber es scheint, als wollten sie sich gegen die Gefahr einer Marktkorrektur absichern.“

Haupttreiber der Goldpreisrally sind physisch gedeckte Indexfonds (ETFs). Für jeden ETF-Anteil, den Investoren zeichnen, hinterlegen die Indexanbieter eine bestimmte Menge Gold. Daher steigern die Zuflüsse in Gold-ETFs auch die physische Nachfrage.

Herausragende Rolle der ETF-Investoren

Allein im ersten Halbjahr 2020 haben die ETF-Anbieter laut Daten des World Gold Council (WGC) 730 Tonnen Gold in ihre Tresore gelegt. Der größte Anbieter in Deutschland, Xetra Gold, verkündete kürzlich mit einem verwalteten Bestand von 221 Tonnen einen neuen Rekord.

Die Bestände des SDPR Gold Trust, dem größten Gold-ETF der Welt, sind bereits auf über 1200 Tonnen angewachsen. Zusammengenommen sind die Vermögensverwalter nach der Federal Reserve mittlerweile der zweitgrößte Goldhalter der Welt, noch vor der Bundesbank. „Dies zeigt, welch herausragende Rolle diese Anlageform am Goldmarkt derzeit spielt“, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank.

Hauptargument der Investoren für Gold ist der Mangel an sicheren, zinsbringenden Alternativen. Gold wirft zwar keine Zinsen ab. „Doch im Umfeld niedriger Zinsen verliert dieser Nachteil an Bedeutung“, sagt Zumpfe.

Die Rendite von vielen sicheren Staatsanleihen ist sogar negativ. Das bedeutet, dass Investoren garantierten Verlust machen, wenn sie die Zinspapiere zum aktuellen Preis kaufen und bis zur Endfälligkeit halten. Das Volumen der weltweit ausstehenden Zinspapiere mit negativer Rendite ist seit März wieder deutlich gestiegen – von 7,6 Billionen auf derzeit 13,1 Billionen Dollar, wie Bloomberg-Daten zeigen.

Europäische Anleger sehen sich bereits seit 2016 mit negativen Renditen etwa auf Bundesanleihen konfrontiert. Doch für US-Investoren ist die Nullzinswelt ein vergleichsweise neues Phänomen. Erst nachdem die Fed in der Coronakrise die Leitzinsen nahe null gesenkt hat, werfen auch US-Staatsanleihen kaum noch etwas ab.

Daher sind es auch US-Investoren, die seit Jahresbeginn besonders stark in Gold investieren, wie eine regionale Analyse der Zuflüsse in Gold-ETFs durch die Investmentbank RBC Capital Markets zeigt.

So flossen im Mai und Juni jeweils mehr als 15 Milliarden Dollar in Gold-ETFs, zwei Drittel des Geldes kamen von US-Investoren. „Das größte Risiko und der größte Unsicherheitsfaktor bleibt die Entwicklung der Covid-19-Fallzahlen“, sagt Christopher Louney, Edelmetallstratege bei RBC Capital Markets. Angesichts der zuletzt stark steigenden Infektionszahlen rücke das Kursziel von 1850 Dollar pro Feinunze, das RBC zu Jahresbeginn ausgegeben hatte, immer näher.

Die starke Nachfrage der Investoren kompensierte zudem die eher schwache Nachfrage von anderen Käufergruppen am Goldmarkt. So hielten sich die Zentralbanken nach dem Rekordjahr 2019 mit Goldkäufen zurück. Die russische Notenbank, noch im vergangenen Jahr der wichtigste Goldkäufer, hat seine Edelmetallkäufe vorerst ausgesetzt. Auch China und die Türkei haben deutlich weniger als noch 2019 gekauft.

Rückläufige Schmucknachfrage

Auch die Schmucknachfrage war zuletzt stark rückläufig. Die hohen Goldpreise und die schwache Konjunktur sorgen besonders auf den wichtigen asiatischen Märkten dafür, dass die Käufer fernbleiben.

Doch den Preisen tat diese Zurückhaltung bislang keinen Abbruch. Denn dem WGC zufolge haben die Gold-ETFs im ersten Halbjahr fast die Hälfte der weltweiten Goldproduktion in diesem Zeitraum absorbiert und den Nachfragerückgang anderer Marktteilnehmer mehr als kompensiert.

Stefan Breintner, Edelmetallexperte beim Vermögensverwalter DJE Kapital, erwartet, dass die Zuflüsse in die Gold-Indexfonds weiter anhalten. „Wenn nun auch die Schmucknachfrage zurückkommt, hat der Goldpreis weiteres Aufwärtspotenzial.“

Am Goldmarkt überwiegt gerade die Euphorie, doch spekulative Übertreibungen, die einen baldigen Rücksetzer erwarten lassen, kann Breintner noch nicht erkennen. „Die wichtigste Frage für den Goldpreis bleibt: Was macht die Zinsseite?“

Eine Wende sei dort jedoch nicht in Sicht. „Gold sollte auf Sicht von drei bis vier Jahren nicht an Attraktivität gegenüber festverzinslichen Wertpapieren verlieren“, ist Breintner überzeugt. „Ich sehe daher bei Gold eher neue Hochs als eine starke Korrektur.“

Dass die Investoren hohes Vertrauen in die Goldrally haben, zeigt auch der Umstand, dass die Edelmetallpreise in den vergangenen Wochen stabil bleiben, an Tagen, als es an der Börse abwärtsging. Im März war das noch anders: Von Anfang bis Mitte März fiel der S&P 500, das wichtigste Börsenbarometer der USA, um mehr als 30 Prozent – und zog auch Gold mit sich.

Der Goldpreis gab im gleichen Zeitraum 13 Prozent nach. Doch während der S&P 500 noch nicht ganz sein Vorkrisenniveau erreicht hat, notiert Gold bereits rund acht Prozent über dem Niveau von Ende Februar.

Von der Goldrally haben besonders stark die Goldminenaktien profitiert. Sie fielen während des panikartigen Ausverkaufs im März besonders stark, erholten sich jedoch rasant. Seit Jahresbeginn hat der Aktienindex der größten Goldminen, der NYSE Arca Gold Bugs, um 35 Prozent zugelegt. Seit Mitte März beträgt das Plus sogar fast 90 Prozent.

Minenaktien mit Aufholpotenzial

Joe Forster, Goldminenexperte beim Vermögensverwalter VanEck, erwartet, dass die Rally in dem Sektor weitergeht. „Wir sind der Ansicht, dass Gold in den nächsten zwölf Monaten den Preis von 2000 Dollar pro Unze testen könnte.“

Größter Nutznießer werden die Goldminenaktien sein, die im Schnitt zwei- bis dreimal so stark steigen wie der Goldpreis. „Trotz der starken Performance in den Jahren 2019 und 2020 haben Goldaktien noch immer nicht den Wert zurückgewonnen, der in den Jahren 2017 und 2018 verloren ging.“ Damals habe Gold seitwärts tendiert und sich die Anlegerstimmung gegenüber Minenaktien ins Negative verkehrt.

Umso größer ist nun das Aufholpotenzial für Minenaktien, selbst wenn der Goldpreis keine großen Sprünge mehr macht. Schätzungen von RBC Capital Marktes zufolge lag das Verhältnis aus Aktienkurs zu Cashflow bei den Minen im Mai durchschnittlich bei 8,7. „Dies liegt unter dem 14-jährigen Durchschnitt von 10,7 und weit unter dem Höchststand des Kurs-Cashflow-Verhältnisses von 22,1 im Januar 2008“, erklärt VanEck-Manager Forster.

Die hohen Goldpreise und die anziehenden Kurse für Minenaktien dürften zudem einen weiteren Branchentrend zu Fusionen und Übernahmen befeuern, erwartet er. Für die Aktionäre ist das meist eine gute Nachricht, denn: „Im gegenwärtigen Bullenmarkt sind Fusionen unter Gleichen häufiger geworden, weil die Unternehmen Wege finden, den Wert und die Aktionärsrenditen zu steigern, anstatt zu viel Geld auszugeben, um schlichtweg nur die Unzenproduktion anzukurbeln“, sagt Forster.

Statt auf ungebremstes Wachstum zu setzen, steht der Shareholder-Value im Vordergrund. Eine Konzentration der Minenkonzerne auf Margenverbesserung, Schuldenabbau und moderate Bewertungen von Reserven machen Goldaktien für Investoren zusätzlich attraktiver. Zumal auch die Dividendenrendite der Goldproduzenten zuletzt einen Aufwärtstrend zeigte. In diesem Fall können auch Gold-Investments zinsähnliche Erträge abwerfen.

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