Douglas-Aktie: Warum sich Börsen-Newcomer für Anleger nur selten lohnen
Frankfurt. Das Börsendebüt der Parfümeriekette Douglas ist enttäuschend verlaufen. Die Aktie wurde zu 26 Euro am unteren Ende der Preisspanne ausgegeben, hat sich seitdem kontinuierlich nach unten entwickelt, zuletzt auf 21,70 Euro.
Die verpatzte Premiere ist kein Einzelfall. Eine umfassende Analyse zeigt, dass es sich langfristig nicht lohnt, auf Newcomer zu setzen – wenngleich es auch immer wieder wahre Kursraketen unter den Debütanten gibt. Sebastian Dörr, Kapitalmarktexperte beim Vermögenverwalter HQ Trust, kommt in einer Analyse zu dem Schluss, dass die Börsenneulinge im Schnitt hinter den etablierten Unternehmen an der Börse zurückbleiben.
Sein Vergleich: Während der marktbreite Aktienindex MSCI ACWI zwischen September 2011 und März 2024 auf ein Plus von zwölf Prozent pro Jahr kam, legte der FTSE Renaissance Global IPO Index, der größere Börsenneulinge abbildet, nur um 9,5 Prozent zu. „Die Underperformance der Neulinge könnte daran liegen, dass diese oft nur mit einem kleineren Teil der Aktien an der Börse starten“, erklärt Dörr gegenüber dem Handelsblatt. „Später geben die Alteigentümer dann weitere Anteilscheine ab, was die Kursentwicklung dämpfen kann.“
Warum sich Börsengänge für Anleger nur selten lohnen
Allerdings ist es im Fall von Douglas vielleicht zu früh, um bereits von einem Scheitern des IPO zu sprechen. Martin Steinbach, Partner und Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei der Unternehmensberatung EY, sagt: „Oft zeigt sich schon im ersten Jahr an der Börse, ob die Investorenerwartungen von der Unternehmensführung erfüllt werden können. Am ersten Tag oder Monat ist es sicherlich zu früh, eine abschließende Beurteilung abgeben zu können.“
Krisenjahr 2022 traf IPOs besonders hart
In der Analyse zeigt sich laut HQ Trust, dass die Börsenneulinge lange in Führung gelegen hätten, dann aber sei ihnen das Jahr 2022 zum Verhängnis geworden, weil der IPO-Index in diesem Jahr um knapp 50 Prozent abgestürzt sei. Aufgrund ihrer resilienten Geschäftsmodelle hätten sich 2023 insbesondere etablierte Big-Tech-Unternehmen von den Vorjahresverlusten erholen können.
Kleinere Wachstumsunternehmen hätten dagegen unter höheren Kapitalkosten und einer erschwerten Finanzierung gelitten. Frühere Gewinner an der Börse wie Peloton und Zoom Video, die während der Covid-19-Pandemie einen enormen Aufschwung erlebten, hätten sich nun mit neuen Herausforderungen konfrontiert gesehen. Die erhöhten Zinsen und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Marktbewertungen machten es für sie schwieriger, ihr Wachstum aufrechtzuerhalten und Investoren weiter zu überzeugen, sagt Analyst Dörr.
In den FTSE Renaissance Global IPO Index werden einmal pro Quartal Aktien aufgenommen, die vor Kurzem an die Börse gegangen sind und bei diesem Initial Public Offering (IPO) eine Marktkapitalisierung von mindestens 100 Millionen Dollar hatten. Rund drei Jahre nach dem ersten Handelstag werden die Aktien dann wieder aus dem Index genommen. Aktuell umfasst er knapp 600 Unternehmen.
Der Index zeigt auch, dass die deutsche Börse bei IPOs kaum noch eine Rolle spielt. 53 Prozent des Barometers für Börsengänge entfallen auf die USA, ebenfalls stark vertreten sind China, Indien, Südkorea und Großbritannien. Deutschland kommt nur auf magere 1,7 Prozent. Die Performance hierzulande ist mit 3,8 Prozent Zuwachs jährlich ebenfalls schwach, verglichen mit 13,1 Prozent pro Jahr bei den US-Börsenneulingen.
Unter den Schwergewichten im IPO-Index haben beispielsweise die US-Tech-Konzerne Applovin sowie Coinbase Global (Finanzen/Brokerage) in den vergangenen zwölf Monaten dreistellige prozentuale Zuwächse erzielen können. In jüngerer Zeit legte der Social-Media-Wert Reddit stark zu – konnte aber die Höchststände nicht verteidigen.
Ein Grund für die unterdurchschnittliche Performance deutscher Börsenneulinge könnte laut Dörr die Branchenzugehörigkeit sein. So habe es beispielsweise im Technologiesektor, der bei Anlegern in den vergangenen Jahren besonders gefragt war, hierzulande kaum Börsengänge gegeben. Aus Anlegersicht positiv entwickelten sich beispielsweise die IPOs von Schott Pharma, Ionos (IT/Software) und Porsche. Besonders enttäuscht hat der Jahrgang 2021, unter anderem mit den Börsengängen von Mister Spex oder Auto1.
Jens Hecht, Managing Partner bei Kirchhoff Consult, führt einen weiteren Punkt an. Ob ein Börsengang für die Anleger erfolgreich ist oder nicht, liege nicht am Börsenplatz, sondern daran, wie das Unternehmen beim Börsengang bewertet ist und ob es die meist großen Versprechungen beim IPO später erfülle beziehungsweise übertreffe.
Das Kommunikations- und Strategieberatungsunternehmen veröffentlicht jedes Jahr eine Analyse neuer Börsengänge. Bei den IPOs in den USA spiele die Dominanz des Technologiesektors eine Rolle. Das wirke sich positiv auf die IPO-Bilanz aus, sagt Hecht.
Story und Gewinne sind für erfolgreiche Börsengänge wichtig
Wichtig für einen guten Start auf dem Börsenparkett sind nach Ansicht von Experten eine Wachstumsstory und dass ein Unternehmen möglichst schon Gewinne einfährt. „Investoren sind sehr selektiv, daran ändern auch Index-Höchststände nicht viel“, sagt Stephan Wyrobisch, Partner Capital Markets bei PwC Deutschland. Da könnten Themen wie ein vergleichsweise hoher Verschuldungsgrad oder die Nutzung der Emissionserlöse rein zur Entschuldung deutlich negativ auf das Interesse von Investoren wirken.
Der IPO-Experte Steinbach von EY meint, dass auch die Erfahrung des Managements (Vorstand und Aufsichtsrat) eine Rolle spielen. Zudem müsse der Emissionspreis die Interessen des Börsenkandidaten und neuer Investoren ausbalancieren.