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Dax aktuellDax bricht um fast drei Prozent ein – Anleger verfallen in altbekannte Verhaltensmuster

Alle 30 Dax-Einzelwerte schließen mit Verlusten. Besonders zyklische Werte leiden. Aktien der Reisebranche gehören europaweit zu den größten Verlierern.Jürgen Röder 21.12.2020 - 18:17 Uhr Artikel anhören

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Foto: dpa

Düsseldorf. Die Jagd auf ein neues Rekordhoch ist abgesagt: Der Dax verliert am Montag fast 400 Punkte. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer schließt 2,8 Prozent schwächer bei 13.246 Punkten.

Letztlich haben alle 30 Einzelwerte im Minus geschlossen. Das Tagestief lag bei 13.060 Punkten und damit 570 Zähler unter dem Schlusskurs der vergangenen Handelswoche. Noch am vergangenen Freitag fehlten dem Index lediglich 20 Punkte für ein Überschreiten der bisherigen Rekordmarke, die bei 13.795 Zählern liegt.

Leser der Sentimentanalyse dürfte der Rückgang weniger überraschen. Denn Stephan Heibel, der die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment auswertet, prognostizierte vor einer Woche zwar weiter steigende Kurse, allerdings mit der Möglichkeit eines kurzzeitigen Rücksetzers, der auch heftig ausfallen kann. Behält die Sentimentanalyse recht, dürfte der heutige Rücksetzer schnell enden.

Die neue Virusmutation in Großbritannien sorgt für ein ähnliches Verhalten an den Märkten wie zu Beginn der Pandemie im Frühjahr: Technologie- und Onlineunternehmen sind gefragt. So ist die Aktie von Delivery Hero mit Abstand diejenige mit dem geringsten Minus (0,2 Prozent) im Dax. Im MDax sind vor allem der Batteriehersteller Varta und der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius gefragt.

Im Gegenzug werden wie zum Pandemiebeginn die Zykliker verkauft. Die Aktie der Deutschen Bank zählt mit einem Minus von 4,4 Prozent zu den größten Verlierern, ebenso die Automobilwerte Daimler und BMW. Im MDax weisen die Papiere von Fraport und Hugo Boss große Tagesverluste auf.

Die Lage ist enorm angespannt: Großbritannien erlebt wegen der Mutation des Coronavirus nun bereits, wie ein harter Brexit aussehen könnte, obwohl die Verhandlungen mit der EU noch weitergehen. Zwar herrscht im Gegensatz zum gestoppten Flugverkehr noch größtenteils freier Warenverkehr zwischen der Insel und dem europäischen Festland, doch die Zahl der Spediteure dürfte erheblich schrumpfen.

Schon jetzt weisen Logistikunternehmen darauf hin, dass sie kein Interesse daran haben, Lastwagen auf die Insel zu schicken, wenn diese dann nicht mehr zurückkommen können. Erst recht gilt das kurz vor Weihnachten. „Die Horrorvorstellungen der Briten von Warenmangel nach einem harten Brexit bekommen – aus ganz anderem Grund – einen ganz neuen Drive“, meint auch Ulrich Leuchtmann, Devisenanalyst bei der Commerzbank.

Entsprechend fällt auch das britische Pfund. Die Währung gab am Montag 1,3 Prozent nach auf 1,3348 Dollar beziehungsweise ein Prozent auf 1,0913 Euro. Der britische Aktien-Auswahlindex FSTE 100 fiel um 1,7 Prozent.

Der Stopp des Flugverkehrs aus Großbritannien lastet auf den europäischen Reisewerten. Die Aktien der British-Airways-Mutter IAG und von Easyjet gaben anfangs um gut 20 beziehungsweise 17,7 Prozent nach, reduzierten aber anschließend ihre Verluste. Die Titel des Eurotunnel-Betreibers Getlink büßten in Paris fast drei Prozent ein.

Positive Nachrichten wenig beachtet

Es gibt aber auch positive Nachrichten für die Märkte. Das neue Corona-Konjunkturpaket in den USA dürfte der wichtigste Grund sein, warum es an den Börsen nicht noch deutlicher abwärts geht. Denn die Demokraten und Republikaner im US-Kongress haben sich nach monatelangem Streit auf ein Paket in Höhe von rund 900 Milliarden Dollar (rund 737 Milliarden Euro) geeinigt.

Vorgesehen sind unter anderem weitere Finanzhilfen für kleine Betriebe und eine zeitlich begrenzte Aufstockung von Arbeitslosenhilfen um 300 Dollar wöchentlich. Die Einigung hatte sich am Ende der vergangenen Woche bereits angedeutet.

Blick auf die Einzelwerte

Lufthansa/Fraport: Für Aktionäre der Kranich-Airline und des Frankfurter Flughafenbetreibers sind die neue Coronavirus-Variante und das Einstellen des Flugverkehrs nach Großbritannien natürlich eine schlechte Nachricht. Die Papiere gaben anfangs jeweils rund acht Prozent nach und schlossen letztlich fünf (Fraport) beziehungsweise 4,2 Prozent (Lufthansa) tiefer.

K+S: Die Aktie verlor trotz einer positiven Nachricht 1,8 Prozent: Der Salz- und Düngemittelhersteller bringt seinen Bereich Entsorgung in ein Gemeinschaftsunternehmen ein und sieht darin auch einen Beitrag zum Schuldenabbau.

Curevac: Das Tübinger Biotechunternehmen will seinen Covid-19-Impfstoffkandidaten ab Dienstag in einer klinischen Phase-3-Studie an Mitarbeitern im Gesundheitswesen der Universitätsmedizin Mainz testen. Mehr als 2500 Probanden ab 18 Jahren sollen teilnehmen. Der neue Test ergänze eine kürzlich gestartete globale Zulassungsstudie der Phase 2b/3 mit mehr als 35.000 Teilnehmern für den Impfstoffkandidaten auf Basis von Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA). Die Aktie konnte sich in dem schwachen Marktumfeld behaupten und legte 5,8 Prozent zu.

Tele Columbus: Der Kabelnetzbetreiber soll einen neuen Großaktionär bekommen. Eine Gesellschaft von Morgan Stanley Infrastructure Partners kündigte am Montag ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot zum Preis von 3,25 Euro je Aktie an. Tele Columbus und sein Ankeraktionär United Internet teilten mit, sie unterstützten die Transaktion. Großaktionär Rocket Internet will dagegen die Gelegenheit nutzen und alle Anteile andienen. Die Aktie gewann zwölf Prozent auf 3,21 Euro.

Fresenius: Der Gesundheitskonzern stärkt seine Krankenhauskette Helios mit einer Übernahme. Der Dax-Konzern kauft die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netz an Reproduktionskliniken. Die Übernahme bescherte der Fresenius-Aktie allerdings ein Minus von 4,5 Prozent.

Ölpreis unter Druck

Angesichts wieder gestiegener wirtschaftlicher Unsicherheiten sind die Ölpreise zu Wochenbeginn unter Druck geraten. Der Preis für die Sorten Brent aus Nordeuropa und WTI aus den USA lag etwa vier Prozent tiefer bei 50,11 beziehungsweise 47,18 Dollar. Am Freitag hatten die Ölpreise noch den höchsten Stand seit März erreicht.

Vor dem Hintergrund der Virusmutation steigt den Händlern zufolge die Gefahr, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten wieder verstärkt eingeschränkt werden könnten und damit die Nachfrage nach Rohöl sinkt.

Bitcoin erklimmt neues Rekordhoch

Die Cyberwährung Bitcoin steigt über die Schwelle von 24.000 Dollar und notiert mit 24.300 Dollar zeitweise 6,1 Prozent höher, bevor sie einen Teil der Gewinne wieder abgibt. Bitcoin steuere damit auf die nächste Marke bei 25.000 Dollar zu, sagt Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus. „Der Risikoappetit der Spekulanten ist derzeit nur schwer zu bändigen.“ Es seien vor allem kurzfristig orientierte Anleger am Markt. Befeuert werde der Anstieg von der Angst, etwas zu verpassen.

Was die Charttechnik sagt

Der Dax ist am Mittwoch vergangener Woche aus seiner fünf Wochen lang anhaltenden Seitwärtsbewegung nach oben ausgebrochen. Die höchste Notierung am vergangenen Freitag war mit 13.774 Zählern nur rund 20 Punkte vom Rekordhoch entfernt.

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Doch nun gilt es aus technischer Sicht, sich mit den Unterstützungen auf der Unterseite zu befassen. Dort liegt zum einen der Bereich um 13.460 Punkte. Das ehemalige Corona-Hoch aus dem September ist nun ein wichtiger Widerstand geworden. Sollte der Dax per Schlussstand unter diese Marke fallen, dürfte die Jahresendrally wohl ausfallen.

Die nächste Station auf der Unterseite liegt dann bei 13.005 Zählern, die untere Begrenzung der fünfwöchigen Seitwärtsphase.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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