Dax aktuell: Dax schließt im Plus und lässt Rücksetzer hinter sich – Kurssprung bei BVB-Aktie
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.
Foto: dpaDüsseldorf. Der deutsche Aktienmarkt hat seine Erholung am Freitag fortgesetzt. Der Dax schloss 1,4 Prozent höher bei 15.417 Punkten – der zweithöchste Schlusskurs seiner Geschichte. Am Vortag hatte der Leitindex einen Rücksetzer verzeichnet, nach einer eindrucksvollen Aufholjagd jedoch noch leicht im Plus geschlossen.
Der Kursverlauf in den vergangenen Tagen lässt manche Beobachter verwundert zurück. Es wirkt, als könnten sich Investoren am deutschen Markt nicht so recht entscheiden, ob sie nun besorgt sein sollen angesichts einzelner Warnsignale – oder ob die Folgereaktion auf den Kursrutsch in den USA nicht etwas übertrieben war. Auf Wochensicht steht noch ein kleines Minus von etwa 0,1 Prozent.
Immerhin scheint es so, als hätte das aufgespannte Sicherheitsnetz seine erhoffte Wirkung erzielt. Institutionelle Investoren hatten trotz der Kursrally in den vergangenen Wochen eine hohe Anzahl an Short-Wetten platziert und diese trotz der Buchverluste auch gehalten. Es ist gut möglich, dass die Profis am Donnerstag, als der Dax zwischenzeitlich bis auf 14.816 Punkte abgerutscht war, einen Teil dieser Wetten aufgelöst und den Leitindex so stabilisiert haben.
Diese Einschätzung teilt auch Joachim Goldberg, der im Sentiment-Index der Börse Frankfurt die Stimmung unter Privat- und Profianlegern analysiert. Seine Auswertung hatte er mit der Prognose ergänzt, dass es im Bereich um 14.800 Punkte zu Auflösungen der gehaltenen Positionen kommen könnte.
Fraglich ist allerdings, ob sich der Dax dafür lange genug auf dem niedrigen Niveau bewegt hat. Zumindest kann die Kaufbereitschaft als Zeichen der Stabilität interpretiert werden.
Gleichzeitig erscheint das Potenzial für einen baldigen Angriff aufs Rekordhoch von 15.502 Zählern begrenzt. Die starke Berichtssaison hatte die Märkte nicht wirklich nach oben befördert. Gute Quartalszahlen sind im aktuellen Kursniveau berücksichtigt – Investoren nehmen sie nur noch unbeeindruckt zur Kenntnis. Der Handel am Freitag jedoch zeigt, dass es für Kurszuwächse aktuell nicht wirklich fundamentale Gründe benötigt.
Auf der Unterseite ist jetzt die Marke von 14.816 Punkten wichtig, dem neuen Korrekturtief seit dem Rekordhoch. In diesem Bereich, in dem auch das vorherige Tief sowie die für den mittelfristigen Trend relevante 50-Tages-Linie steht, hat sich der Dax aber nur kurzzeitig bewegt, ehe es schnell wieder aufwärts ging.
Aus charttechnischer Sicht drohen größere Abwärtsrisiken erst, wenn der Leitindex diesen Bereich für einen längeren Zeitraum testet. Eine „nachhaltige Unterschreitung, insbesondere per Tagesschluss, würde eine Dynamisierung der Abwärtskorrektur nahelegen“, erläutern die Charttechniker der Société Générale. Das scheint angesichts der vorhandenen Kaufbereitschaft in diesem Bereich eher unwahrscheinlich.
Externe Impulse gab es kurz vor dem Wochenende kaum. In den USA wurden am Nachmittag neue Daten zu den Einzelhandelsumsätzen veröffentlicht. Die Einnahmen verharrten dort im April überraschend auf dem Vormonatsniveau. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet – nach einem satten Umsatzplus von nach oben revidiert 10,7 Prozent im März.
Aktie von Borussia Dortmund legt weiter zu
Nach dem überzeugenden 4:1-Sieg gegen den Kontrahenten aus Leipzig im DFB-Pokalfinale ist die Aktie von Borussia Dortmund am Freitag der Gewinner im Kleinwerteindex SDax. Das Papier gewann 5,7 Prozent und stieg auf über sechs Euro.
Außerdem hat der BVB seine endgültigen Zahlen für das dritte Quartal bekanntgegeben. Diese fielen wie erwartet schwach aus. Die Dortmunder haben einen Verlust von 18,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Minus der ersten neun Monate beläuft sich demnach auf 45 Millionen Euro.
Ausschlaggebend sind die Erlösrückgänge infolge der Pandemie. Dem Verein entgeht durch jedes Heimspiel vor leeren Rängen ein Umsatz von etwa vier Millionen Euro. „Solange die Situation anhält, werden wir keine schwarzen Zahlen schreiben“, hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke Ende Februar im Handelsblatt-Interview betont.
Immerhin haben sich die sportlichen Perspektiven enorm verbessert. Der BVB kann sich aus eigener Kraft wieder für die finanziell lukrative Champions League qualifizieren, was aus wirtschaftlicher Sicht deutlich wichtiger wäre als der Pokalsieg. In der laufenden Saison schied Dortmund im Viertelfinale gegen Manchester City aus. Die Mehreinnahmen, die durch diese beiden Spiele generiert wurden, dürften erst ins vierte Quartal des Geschäftsjahres einfließen.
Einzelwerte im Blick
Auto-Werte: Im Dax waren die konjunktursensiblen Autobauer wieder gefragt. Volkswagen, Daimler und BMW sowie die Papiere des Zulieferers Continental legten um bis zu 2,5 Prozent zu.
Siemens: Der Konzern profitiert von einem positiven Kommentar der DZ Bank, die außerdem ihre Kaufempfehlung bestätigt und das Kursziel auf 172 Euro taxiert. Siemens-Aktien legten drei Prozent zu.
Fraport: Die Zahl der Passagiere am Frankfurter Flughafen ist im April um 423,1 Prozent gestiegen. Ausschlaggebend ist selbstverständlich der schwache Vorjahreswert. Im Vergleich zum April 2019 ist das Aufkommen um 84 Prozent gesunken. Die Aktie notierte zum Börsenschluss 1,7 Prozent im Plus.
Aareal Bank: Auch der Großaktionär Deka lehnt die Vergütungspläne des Vorstands ab. Man werde gegen das geplante Programm stimmen, erklärte die Fondsgesellschaft. Zuvor hatte sich auch die DSW gegen die Pläne ausgesprochen. Im Streit mit dem Großinvestor Petrus Advisers um die Besetzung des Aufsichtsrats steht aber auch die Deka hinter der Aareal Bank. Die Aktie notierte 3,4 Prozent höher bei 22,96 Euro.
Encavis: Der Hamburger Wind- und Solarpark-Betreiber hat die schwachen Winde im Januar und Februar zu spüren bekommen. Der Umsatz ging deshalb im ersten Quartal um zehn Prozent auf 58,9 Millionen Euro zurück, wie Encavis mitteilte. Das operative Ergebnis (Ebitda) schrumpfte sogar um 22 Prozent auf 39,3 Millionen Euro. Die Prognose für das Gesamtjahr bleibt aber unverändert. Encavis-Titel gewannen dennoch 4,3 Prozent.
Delivery Hero: Die Aktie des Lieferdienstes bleibt weiter unter Druck. Mit einem Verlust von 1,83 Prozent gehört sie erneut zu den schwächsten Dax-Werten. Seit dem Hoch bei 142 Euro Ende April ist der Titel um mehr als 25 Prozent gefallen.
Was die Charttechnik sagt
Trotz der Ausschläge nach unten hat der Dax am Freitag wieder sein mittelfristiges Niveau zwischen 15.200 und 15.300 Punkten erreicht. Dort notierte der Leitindex bereits vor einem Monat für etwa zwei Wochen.
Auf der Unterseite drohen größere Risiken erst, wenn die Schlüsselzone um das neue Korrekturtief von 14.816 für längere Zeit unterschritten wird. In diesem Szenario ist es gut möglich, dass der Dax deutlich nach unten fällt, womöglich sogar bis auf 14.000 Punkte.
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