1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Märkte
  4. Marktberichte
  5. Dax heute & aktuell: Index-Entwicklung und Kurse aktuell

Dax aktuellDax schließt schwächer – Übernahme von Qiagen stockt

Gewinnmitnahmen haben den deutschen Leitindex am Dienstag belastet. Nur kurzzeitig ist er über die Marke von 12.700 Punkten gestiegen.Andreas Neuhaus 04.08.2020 - 17:45 Uhr

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der Dax ist am Dienstag mit einem leichten Minus aus dem Handel gegangen. Am Vormittag hatte er zwar noch die Marke von 12.700 Punkten übersprungen, schloss aber schließlich 0,4 Prozent schwächer bei 12.600 Punkten.

Noch am Montag war der deutsche Leitindex um fast drei Prozent gestiegen. Denn die positiven Einkaufsmanagerdaten vom Montag haben die Hoffnung auf eine Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität zurückgebracht. Diese wurde an diesem Dienstag durch zum Teil erfreuliche Quartalszahlen weiter genährt. So ist der Halbleiterhersteller Infineon von der Coronakrise nicht so stark getroffen wie befürchtet. Die Aktie stieg um rund zwei Prozent. Der Verlierer des Vortags, Triebwerkhersteller MTU, gewann nach einem positiven Analystenkommentar 5,8 Prozent.

Unter den institutionellen Investoren herrscht allerdings die Angst vor einer zweiten Corona-Welle in Deutschland. Viele Profi-Anleger sind deshalb vorsichtig. Markt-Beobachter sprechen von Gewinnmitnahmen, die die Kurse belasten.

Weiter die Rally antreiben könnten dagegen vor allem Privatanleger, wie die aktuelle Dax-Umfrage des Handelsblatts zeigt. Ein Großteil der Privatanleger hält die jüngste Korrektur für einen gesunden Rücksetzer, wodurch das Lager derer, die mit steigenden Kursen rechnen, kräftig angewachsen ist.

Da gleichzeitig die Investitionsbereitschaft unter den Anlegern deutlich gestiegen ist, ist damit der Weg für eine Fortsetzung der Rally frei. Im Mai war die Investitionsbereitschaft zwar bereits ähnlich hoch, damals waren allerdings vor allem Schnäppchenjäger unterwegs. „Diesmal sieht‘s besser aus: Die Investitionsbereitschaft ist mit ordentlichem Optimismus hinterlegt“, erklärt Sentiment-Experte Stephan Heibel.

Auf der Konjunkturseite gibt es neue Daten zum US-Auftragseingang der Industrie. Diese hat demnach erneut ein kräftiges Auftragsplus verzeichnet. Die Bestellungen stiegen im Juni um 6,2 Prozent zum Vormonat, wie das Handelsministerium am Dienstag mitteilte. Ökonomen hatten mit plus fünf Prozent gerechnet, nach einem Anstieg von 7,7 Prozent im Mai. Die Aufträge blieben trotz des jüngsten Anstiegs allerdings noch unter dem Niveau von Februar. Die Corona-Pandemie hatte im März und April für heftige Rückgänge gesorgt. Die Virus-Krise hat die US-Wirtschaft im zweiten Quartal – auf das Jahr hochgerechnet – um ein Drittel schrumpfen lassen.

Außerdem greifen Anleger nach einer Einigung Argentiniens mit seinen Gläubigern zu argentinischen Anleihen. Die Papiere legen nach Angaben von Händlern im Schnitt 8,1 Prozent zu. Das rezessionsgeplagte Land vereinbarte eine Umschuldung in Höhe von 65 Milliarden Dollar. Das Abkommen soll bis zum 24. August unter Dach und Fach gebracht werden.

Varta-Shortseller in der Bredouille

Spannend wird sein, wie sich die Shortseller beim Batteriehersteller Varta verhalten. Zuletzt wetteten diese mit Leerverkäufen auf sinkende Kurse beim MDax-Wert. Wie aus den aktuellen Daten des „Bundesanzeigers“ hervorgeht, halten Shortseller 9,67 Prozent der frei handelbaren Varta-Aktien.

Am Montag war der Kurs allerdings um zwölf Prozent gestiegen. Das Unternehmen bleibt Hauptlieferant für wiederaufladbare Batterien der Headsets von Samsung. Mit dem vereinbarten Liefervertrag wurden die Patentstreitigkeiten mit dem südkoreanischen Konzern beigelegt. Seit dem Corona-Tief Mitte März liegt die Aktie sogar um 97 Prozent im Plus.

Dadurch drohen den Shortsellern hohe Verluste. Denn für ihre Wetten haben sie sich gegen eine Gebühr Aktien von Investoren geliehen und anschließend am Markt verkauft. Sie haben darauf gesetzt, dass der Varta-Kurs sinkt, um die Papiere später zu einem günstigeren Kurs zurückzukaufen und dem Verleiher zurückzugeben. Die Differenz zwischen dem Verkaufs- und dem niedrigeren Rückkaufskurs wäre ihr Profit.

Durch die jüngsten Kursgewinne drohen den Shortsellern aber Verluste – je höher der Kurs steigt, desto größer: Schließlich müssen sie die Papiere irgendwann zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben. Sollten die Hedgefonds ihre Wetten beenden wollen, würden sie dadurch den Aktienkurs noch weiter antreiben. Am Dienstag verlor die Aktie aber knapp ein Prozent.

Kaum Fortschritte bei Qiagen-Übernahme

Die milliardenschwere Übernahme des deutsch-niederländischen Biotech-Unternehmens Qiagen durch den US-Laborausrüster Thermo Fisher droht zu scheitern. Am Montag hielt Thermo Fisher nach eigenen Angaben 3,61 Prozent an Qiagen – nur 0,55 Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. Die Übernahme kommt aber erst zustande, wenn die Amerikaner mehr als zwei Drittel der Anteile halten. Stichtag dafür ist der 10. August.

Thermo Fisher hatte sein Angebot jüngst von 39 auf 43 Euro je Qiagen-Titel aufgestockt. Etliche Aktionäre halten das Angebot aber für zu niedrig. Der Hedgefonds und Großaktionär Davidson Kempner hält beispielsweise einen Preis von 48 bis 52 Euro je Aktie für angemessen. Wie Davidson Kempner am Dienstag mitteilte, hat es seine Beteiligung an Qiagen von 7,3 Prozent auf acht Prozent aufgestockt.

Gleichzeitig bekräftigte der Hedgefonds, dass er das Übernahmeangebot des US-Laborausrüsters Thermo Fisher Scientific für Qiagen für vollkommen unzureichend halte und seine Aktien nicht verkaufen werde. Vergangene Woche hatte auch Großaktionär PSquared die milliardenschwere Offerte der Amerikaner abgelehnt, der nach eigenen Angaben mehr als vier Prozent der Qiagen-Aktien kontrolliert.

Am Dienstagabend notierte die Qiagen-Aktie bei knapp unter 42 Euro, der Höchststand aus dem Juli liegt bei 42,98 Euro.

Blick auf die Einzelwerte

Bayer: Der Agrarchemie- und Pharmakonzern blickt vorsichtiger auf das laufende Jahr. Bayer verwies am Dienstag auf ein geringer als bislang angenommenes Wachstum sowie in der Agrarsparte auf einen wettbewerbsintensiven Sojabohnenmarkt. Für das laufende Jahr peilt das Management nun vor Wechselkurseffekten sowie dem Zu- und Verkauf von Unternehmensteilen ein Umsatzwachstum von null bis ein Prozent auf 43 bis 44 Milliarden Euro an. Die Aktie verlor 2,4 Prozent.

Infineon: Die Coronakrise hat den Halbleiterkonzern nicht so stark getroffen wie befürchtet. Vorstandschef Reinhard Ploss hob bei der Vorlage der Quartalszahlen am Dienstag die Prognose für das Ende September ablaufende Geschäftsjahr leicht an. Im Geschäftsjahr erwarte der Vorstand nun einem Umsatz von 8,5 Milliarden Euro und eine Umsatzrendite (Segmentergebnis-Marge) von rund 13 Prozent. Die Aktie gewann 2,5 Prozent.

Teamviewer: Der Nachfrageboom zu Beginn der Coronakrise lässt beim schwäbischen Softwareanbieter Teamviewer langsam nach. „Im zweiten Quartal haben wir eine Normalisierung erlebt“, sagte Firmenchef Oliver Steil am Dienstag zu Journalisten. Die Nachfrage sei auf ein „eher übliches“ Niveau zurückgegangen. Der Umsatz stieg um gut ein Fünftel auf 114,7 Millionen Euro, während der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um 60 Prozent auf 57,3 Millionen Euro zulegte. Die Aktie verlor fast acht Prozent.

Evonik: Beim Spezialchemiehersteller haben robuste Geschäfte mit Desinfektionsmitteln sowie mit der Pharma- und Lebensmittelbranche die Folgen der Autokrise ein Stück weit gemildert. Das operative Ergebnis fiel besser aus als von Analysten erwartet. Die Aktien rückten rund zwei Prozent vor.

Hugo Boss: Die Geschäftsschließungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben dem Modekonzern im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang um knapp 60 Prozent eingebrockt. Wegen der anhaltenden Unsicherheiten über die weitere Entwicklung wagte der Vorstand erneut keine Jahresprognose. Die Aktie verlor mehr als zwei Prozent.

Schaeffler: Der SDax-Wert legte am Vormittag mehr als acht Prozent zu. Das erste Halbjahr des Autozulieferers sei solide gewesen, schrieb JP-Morgan-Analyst Jose Asumendi in einem ersten Kommentar. Am Abend notierte das Papier jedoch nur noch 1,4 Prozent im Plus.

Société Générale: Nach zwei Verlustquartalen in Folge setzt die französische Bank den Rotstift bei Managerjobs an. Künftig werde es nur noch zwei statt vier Vize-Chef-Posten geben, teilte Société Générale mit. Zudem ändern sich Zuständigkeiten für einzelne Geschäftssparten. „Durch die neue Struktur wollen wir Synergien erzielen und Kosten sparen“, sagte Vorstandschef Frederic Oudea, dessen Vertrag 2023 ausläuft. Bei der neuen Managerstruktur gehe es nicht um eine Nachfolgeplanung für den Chefposten. In der ersten Jahreshälfte 2021 will Société Générale eine neue Strategie vorstellen. Das Institut kämpft seit Monaten mit Belastungen im Investmentbanking. Die Aktie notierte am Dienstagabend 5,2 Prozent im Plus.

KKR: Der US-Finanzinvestors hat im zweiten Quartal mehr verdient als erwartet. Nach Steuern stand ein Gewinn von 326 Millionen Dollar zu Buche nach 327 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum, wie KKR mitteilte. Auf eine Aktie heruntergebrochen lag der Überschuss bei 39 Cent – das waren drei Cent mehr als Analysten vorhergesagt haben. Der Investor profitierte wie seine Rivalen Blackstone oder Carlyle Group unter anderem davon, dass Firmenbeteiligungen an Wert gewonnen haben.

Das sagt die Charttechnik

Vor dieser Woche ging es beim Dax ab dem 21. Juli sukzessive abwärts: von 13.313 auf 12.253 Punkte. Am Montag eroberte der deutsche Leitindex dann 300 Punkte zurück. Die Charttechniker der Helaba sehen für den Aufwärtsschub allerdings aus technischer Sicht wenig Anhaltspunkte.

Verwandte Themen
Dax
Varta
Teamviewer
Bayer
Reinhard Ploss

„Es fällt auf, dass gestern die Handelsumsätze einmal mehr unterhalb des 21-Tage-Durchschnitts und insbesondere unterhalb der beiden vorangegangenen Abwärtstage lagen“, schreiben die Helaba-Experten. „Insofern wird es spannend sein zu sehen, ob sich der deutsche Leitindex weiterhin und nachhaltig über der wichtigen Marke von 12.487 Zählern etablieren kann.“

Sollte das gelingen, sehen die Charttechniker die nächsten Kursziele bei 12.745 und 12.768 Zählern.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt