Dax aktuell: Dax verzeichnet neues Jahrestief und schließt mit Verlusten
Düsseldorf. Am deutschen Aktienmarkt bestimmten auch am Mittwoch die Verkäufer die Richtung. Deswegen fiel der Leitindex gleich zur Eröffnung des Handels in Frankfurt auf ein neues Jahrestief, das mittlerweile bei 16.345 Punkten liegt.
Im Laufe des Tages erholte sich der Dax nur leicht und beendete bei 16.431 Zählern den Handelstag. Das ist ein Minus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss.
Die Kursverluste wurden von hohen Umsätzen begleitet, in diesem Fall ein trendbestätigender Indikator.
Am Montag hatte das Handelsvolumen mit 73 Millionen gehandelten Papieren den höchsten Stand des neuen Jahres erreicht. In den vergangenen drei Monaten lag der Wert bei durchschnittlich 48 Millionen Stücken pro Handelstag.
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Für Oliver Grass, Portfoliomanager der Fürst Fugger Privatbank, hat der bislang schwache Börsenmonat auch etwas Gutes. „Wir sehen gerade einen schwächeren Jahresstart mit eher gedrückten Bewertungen in der Breite des Marktes. Das ist nicht die schlechteste Phase, um Positionen auszubauen“, erklärt er.
Dass die Mehrheit der Marktbeobachter von einer weiter fallenden Inflationsrate ausgeht, macht ihm jedoch Sorge. „Ein breiter Konsens ist eigentlich ein Warnsignal, denn das Szenario einer zweiten Inflationswelle ist durchaus denkbar. Und die hat derzeit fast niemand auf dem Schirm.“ Aktuelle Daten des europäischen Statistikamts Eurostat könnten eine entsprechende Warnung sein. Demnach stieg die Inflationsrate in der Euro-Zone im Dezember auf 2,9 Prozent. Im November hatte die Rate mit 2,4 Prozent ihren niedrigsten Stand seit Sommer 2022 erreicht. Der Abwärtstrend ist also brüchig.
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Ohnehin sei ein Zinsertrag deutlich über der Inflationsrate eher Wunschdenken, findet Grass. Selbst ohne Steuerabzug könne mit Anleihen kaum eine Rendite erzielt werden, die über der Inflation liege. „Um auch bei etwas höheren Inflationsraten eine echte Realrendite zu erzielen, gibt es zum Sachwert Aktie keine Alternative“.
Was die Charttechnik sagt
Die aktuelle charttechnische Situation bleibt ebenfalls schwierig. Seit dem Jahreshoch mit 17.003 Mitte Dezember ist der Dax im Konsolidierungsmodus. Der wäre erst vorbei, wenn der Leitindex über sein Januar-Hoch von 16.839 Punkten klettert. Und danach sieht es nicht aus.
Auf dem Weg nach oben liegt zudem noch eine Abwärtskurslücke, die am Montag aufgerissen wurde. Kurslücken dieser Art entstehen, wenn der höchste Kurs eines Tages unter dem tiefsten Kurs des vorherigen Handelstags liegt. Sie gelten als charttechnisches Schwächesignal.
Im Detail: Am 15. Januar lag das Tagestief bei 16.609 Punkten, am gestrigen Dienstag lag die höchste Notierung bei 16.581 Zählern. Dazwischen fand also kein Handel statt. Solange die Lücke offen bleibt, sollten Anleger stets den Blick auf die Unterseite richten.
Die Lage ist deswegen so interessant, weil im Bereich von rund 16.300 Punkten eine wegweisende Unterstützung liegt. Dort befinden sich die Hochpunkte von mehreren aufeinanderfolgenden Jahren fast auf einem Niveau. 2021 erreichte das Börsenbarometer 16.290 Zähler, 2022 waren es 16.285 Punkte.
Im Jahr 2023 war dieser Bereich mehrere Monate lang schwer zu überwinden, letztlich gelang es erst mit der Jahresendrally. Nach dem Überwinden einer solch bedeutenden Hürde wird daraus laut Charttechnik eine wichtige Unterstützung. In der Nähe der Marke liegt auch die 50-Tage-Linie mit derzeit 16.277 Zählern, was die Wichtigkeit unterstreicht.
Ein nachhaltiger Kursrutsch unter diesen Bereich dürfte daher vermutlich eine längere Konsolidierung nach sich ziehen. Bei aktuell 16.588 Zählern liegt die 200-Tage-Linie. Diesen Indikator beachten vor allem langfristig handelnde Investoren. Solange der Dax oberhalb einer steigenden Linie notiert, bleibt der mittelfristige Aufwärtstrend aber intakt.
Kursrutsch in China geht weiter
Der Kursverfall beim Hongkonger Hang Seng Index geht mit einem Minus von mehr als drei Prozent dynamisch weiter. Seit dem Jahreshoch Anfang 2024 ist diese Benchmarkt um mehr als 30 Prozent abgerutscht.
Grund für die deutlichen Minuszeichen: Es wird immer deutlicher, was der Zusammenbruch des Immobiliensektors und das schwache Verbrauchervertrauen für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt bedeuten – obwohl viele Experten nach Aufhebung der Covid-19-Beschränkungen ein dynamisches Wachstum erwartet hatten. Das veröffentlichte Wirtschaftswachstum liegt zwar mit 5,2 Prozent im Rahmen der Erwartungen, ist aber eines der niedrigsten Niveaus der vergangenen Jahrzehnte.
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Nach solch einem deutlichen Kursrutsch besteht jederzeit die Möglichkeit einer vorübergehenden, kräftigen Erholung. Doch dazu müssen neue positive Nachrichten her, eventuell eine größere Zinssenkung, mit der viele Anleger am Wochenauftakt gerechnet hatten.
Laut Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets wünschen Investoren sich ein beherzteres Eingreifen der Regierung in Peking. Sie stufen die bislang ergriffenen Maßnahmen als unzureichend ein, um einen Turnaround der Wirtschaft zu schaffen.
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Blick auf Einzelwerte
Siltronic: Die Papiere des Wafer-Herstellers verloren 1,7 Prozent. Händler verweisen auf eine Umtauschanleihe des taiwanischen Großaktionärs Globalwafers, der damit Anteile versilbern will.
Munich Re: Der Aktienkurs des weltgrößten Rückversicherers stieg um zweieinhalb Prozent auf 392 Euro. Vorstandschef Joachim Wenning rechnet trotz Krisen und Kriegen auch in nächster Zeit mit guten Geschäften. Für das Jahr 2024 strebe der Dienstleister ein Gewinnziel von fünf Milliarden Euro an. UBS stuft Munich Re von „neutral“ auf „buy“ hoch.
Meyer Burger: Der Aktienkurs des Solarherstellers sackte zeitweilig um bis 46 Prozent ab. Allerdings ist dieser Wert ein Pennystock und wird bei 0,05 Schweizer Franken gehandelt.
Das Unternehmen erwägt nach eigenen Angaben, sein Werk im sächsischen Freiberg, die größte Solarmodulproduktion in Europa mit rund 500 Mitarbeitern, zu schließen. Dies soll die Verluste des Herstellers reduzieren. In Europa seien die Wettbewerbsbedingungen nicht fair genug, um mit der Konkurrenz mitzuhalten.
Hugo Boss: Die Papiere des Frauen- und Herrenausstatters geben weitere vier Prozent nach. Bereits am gestrigen Dienstag rutschte der Kurs zwölf Prozent ab. Grund hierfür war die Bekanntgabe der Umsatz- und Gewinnzahlen aus dem vergangenen Jahr. Trotz Rekordgewinnen waren Analysten und Anleger enttäuscht – sie hatten noch mehr erwartet.
Der Absturz der Hugo-Boss-Aktie weitet sich offenbar auf andere Unternehmen der Branche aus. Auch die Kurse von Puma und Adidas sackten ab.
Evotec: Die Aktie des Pharmaunternehmen fiel seit dem Rücktritt des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Werner Lanthaler weiter ab und gehörte damit klar zu den Verlierern des MDax. Die Papiere verzeichnen zwischenzeitlich einen Verfall von mehr als acht Prozent. Nach dem Rücktritt Lanthalers kamen Aktiendeals zum Vorschein, bei denen der Vorstandsvorsitzende seiner Meldepflicht nicht nachkam.
Analyst Charles Weston sagte, dass das Unternehmen durch das Vorgehen des Konzernchefs in ein schlechtes Licht gerückt wurde. Bisher bestätigt die kanadische Bank RBC dennoch ihre Einschätzung „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 18,60 Euro.
Zalando: Die Aktie des Mode-Händlers sank um mehr als fünf Prozent. Mit 16,21 Euro markierte sie heute ein Allzeittief. Seit Jahresbeginn bedeutet das einen Verlust von etwa 20 Prozent.
Telecom Italia: Die Aktien der italienischen Telecom Italia (TIM) stiegen um bis zu drei Prozent. Die italienische Regierung hatte grünes Licht für den Verkauf des Festnetzes an den US-Finanzinvestor KKR gegeben. Die Sparte wird mit bis zu 22 Milliarden Euro bewertet.
Gucci: Nach Bekanntgabe der schwachen Wirtschaftszahlen aus China stehen die europäischen Luxusmarken Gucci, Moncler und LVMH unter Druck. Die Aktien des Gucci-Mutterkonzerns Kering und die Moncler-Papiere sanken um mehr drei Prozent ab, LVMH büßte zweieinhalb Prozent ein.
Fraport: Papiere des Frankfurter Flughafen verloren knapp zweieinhalb Prozent. Grund dafür könnten die Unwetterwarnung für den heutigen Tag und damit zusammenhängende Flugstreichungen sein. Gestern legte der Flughafenbetreiber die Passagierzahlen für das vergangene Jahr vor. 2023 nutzen rund 16 Prozent weniger Fluggäste den Frankfurter Flughafen als im Rekordjahr 2019.