Dow Jones, Nasdaq, S&P 500: Hoffnung auf Konjunkturbelebung treibt US-Börsen auf neue Höchststände
Händler auf dem Börsenparkett.
Foto: AFPNew York. In der Hoffnung auf eine Konjunkturbelebung im Wahljahr 2020 haben Anleger in den USA zu Aktien gegriffen. Die Sorgen rund um die wirtschaftlichen Auswirkungen des neuartigen Coronavirus rückten dagegen in den Hintergrund. China kehrte nach den Feiertagen um das chinesische Neujahrsfest langsam zu normaler Geschäftstätigkeit zurück.
Der Dow-Jones-Index legte am Montag 0,6 Prozent auf 29.277 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P gewann 0,7 Prozent und kam auf eine Rekordmarke von 3352 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte um 1,1 Prozent zu und verzeichnete mit 9628 Zählern ebenfalls einen neuen Höchststand. Vor allem die Schwergewichte Amazon (plus 2,6 Prozent), Microsoft (plus 2,6 Prozent) und Alphabet (plus zwei Prozent) zogen die Indices nach oben.
„Einige Leute gehen davon aus, dass der Ausbruch des Virus das Wachstum vor allem in China bremst“, sagte Marktexperte Peter Kenny. „Aber am Ende sind die Bilanzzahlen der Firmen und die Konjunkturdaten sehr stark, und diese Zuversicht spiegelt sich in den Kursen wider.“
Von den 324 Firmen im S&P, die bislang ihre Zahlen vorgelegt haben, haben ungefähr 71 Prozent die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das sind mehr als im langjährigen Durchschnitt, wie aus Refinitiv-Daten hervorgeht. Zugleich fielen zuletzt US-Konjunkturdaten gut aus, während es in Europa nicht so gut läuft.
Der Dollar legte zu und markierte zum Euro den höchsten Wert seit vier Monaten. Experten führten das auch auf die Virus-Epidemie zurück, die Investoren in sichere Häfen locke.
Auch Anleihen waren gefragt, die Rendite der zehnjährigen US-Bonds sank deshalb auf 1,553 Prozent von 1,577 Prozent am Freitagabend. US-Staatsanleihen sind besonders in unsicheren Zeiten gefragt. Seit Jahresanfang hat die Rendite der zehnjährigen Papiere fast ein Fünftel nachgegeben. In Europa drückten die Virus-Sorgen auf die Stimmung. Der Dax ging 0,2 Prozent schwächer bei 13.494,02 Punkten aus dem Handel.
Einzelwerte im Fokus
Die Apple-Aktien stiegen um 0,4 Prozent, obwohl Analysten befürchten hatten, dass der Verkauf von iPhones und anderen Smartphones im ersten Quartal in China um bis die Hälfte einbrechen könnte, weil wegen der Lungenkrankheit Geschäfte geschlossen wurden und die Produktion unterbrochen war. Apple mussten angesichts von 2,6 Prozent Plus bei Microsoft aber den Windows-Konzern als mit 1,45 Billionen Dollar wertvollstes Unternehmen an sich vorbei ziehen lassen.
Um 3,1 Prozent aufwärts ging es für die Tesla-Aktien. Der Elektroauto-Pionier nahm nach dem Ende der Zwangspause sein Werk in China wieder in Betrieb. Für Aufmerksamkeit sorgte auch ein Artikel im Wirtschaftsmagazin „Forbes“, der in einem Planspiel die Google-Mutter Alphabet als möglichen Käufer für den Elektroautobauer vorstellte. Der Wert von Tesla könnte anschließend auf 1,5 Billionen US-Dollar anziehen, hieß es.
Die Papiere des Prozessorenherstellers AMD kletterten an der S&P-Spitze um 5 Prozent. Börsianer begründeten dies mit Spekulationen, dass der Konzern seinen ärgsten Widersacher zumindest teilweise als Zulieferer von Apple ausstechen könnte. Intel liefen dem Markt mit nur rund einem halben Prozent Zuwachs denn auch etwas hinterer.
Stark gefragt waren nach einer optimistischen Studie der kanadischen Investmentbank RBC auch die Papiere von Nvidia mit einem Kursplus von fast 4,5 Prozent auf knapp unter 263 Dollar. Analyst Mitch Steves hatte noch vor dem Zwischenbericht zum Januar-Quartal ein Kursziel von 301 Dollar ausgerufen. Er rechnet damit, dass der Grafikchipspezialist auch die optimistischsten Schätzungen leicht übertreffen kann.
Abseits der Leitindizes fielen die Papiere von Slack mit einem Kursgewinn von gut 15 Prozent auf. Der Nachrichtenseite „Business Insider“ zufolge sollen künftig alle weltweit rund 350 000 Mitarbeiter des US-Computerkonzerns IBM die Teamsoftware von Slack zur Kommunikation nutzen. Slack-Anteilscheine schossen damit auf das höchste Niveau seit Herbst verhangenen Jahres.
Die Papiere des Pharmakonzerns Eli Lilly sackte um 0,6 Prozent ab. Das Unternehmen hatte einen Rückschlag bei einem Medikament gegen Alzheimer erlitten. Das experimentelle Medikament Gantenerumab des Roche-Konzerns sowie das Mittel Solanezumab von Eli Lilly verfehlten in einer Studie zur Behandlung von Patienten mit einer seltenen vererbten Form der Demenz-Erkrankung des Hauptziel.