Geldpolitik: Gegen das Abflauen des Wirtschaftswachstums: China setzt geldpolitische Lockerung fort
Chinas Notenbank hatte im Januar mehrere Zinssätze gesenkt, die auch Immobilienkredite betreffen.
Foto: APPeking. China hat zur Ankurbelung der Wirtschaft erneut einen wichtigen Zinssatz gesenkt. Am Donnerstag setzte die chinesische Zentralbank (PBOC) den Referenzzins für Kredite mit einjähriger Laufzeit (LPR) um 0,1 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent. Der Zins für eine fünfjährige Laufzeit sank zudem um 0,05 Prozentpunkte auf 4,6 Prozent.
Kredite mit fünfjähriger Laufzeit betreffen unter anderem Immobilienkredite. Der Sektor war im vergangenen Jahr stark unter Druck geraten, nachdem die chinesische Staatsführung Immobilienentwicklern strengere Verschuldungsregeln auferlegt und die Kreditvergabe in dem Bereich beschränkt hatte.
Im Gegensatz zur US-amerikanischen Notenbank Fed, die in den kommenden Monaten wohl eher auf eine Zinserhöhung setzen wird, war es für die chinesische Zentralbank bereits die zweite geldpolitische Lockerung in dieser Woche. Am Montag hatte die Zentralbank kurz vor Bekanntgabe der neuesten Wirtschaftsdaten der Volksrepublik für das vierte Quartal eine Senkung des Zinssatzes für ihre einjährigen Staatsanleihen um zehn Basispunkte auf 2,85 Prozent verkündet – es war die erste Zinssatzsenkung seit fast zwei Jahren.
Zudem führte sie dem Finanzsystem netto 200 Milliarden Yuan (31,5 Milliarden US-Dollar) an mittelfristigen Barmitteln zu und senkte den Zinssatz für das sieben Tage laufende Reverse-Repo-Geschäft.
All diese Maßnahmen seien proaktiv, um das Wirtschaftswachstum zu unterstützen, schrieb Iris Pang, Chefökonomin für Greater China bei der ING Bank, in einem Kommentar am Donnerstag. „Es bleibt die Frage, ob die Banken darauf mit einer erhöhten Kreditvergabe reagieren werden“, so Pang weiter.
Weitere Maßnahmen erwartet
Die Unsicherheit bei der Kreditvergabe durch Immobilienentwickler habe zu einer schlechteren Kreditqualität geführt. „Die Banken werden bei der Kreditvergabe wählerisch sein und möglicherweise mehr Sicherheiten verlangen.“
Experten wie etwa die Ökonominnen und Ökonomen von Fitch Ratings erwarten weitere Maßnahmen dieser Art, um die Wirtschaft anzukurbeln. So wird mit einer weiteren Senkung des Reservesatzes für Geschäftsbanken (RRR) gerechnet. Der RRR gibt den Betrag an, den Banken als Mindestreserve halten müssen. Je geringer die Summe ist, desto mehr Geld haben die Banken zur Verfügung, um es zu verleihen. Erst im Dezember hatte die chinesische Zentralbank den Satz gesenkt – es war bereits das zweite Mal innerhalb eines Jahres.
Das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt war nach einem positiven Jahresstart im zweiten Halbjahr deutlich abgeflaut, wie am Montag vom Nationalen Statistikamt veröffentlichte Zahlen zeigen. Chinas Wirtschaft ist im vierten Quartal 2021 demnach langsamer gewachsen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt legte nur noch um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal zu.
Es war das geringste Quartalswachstum seit 18 Monaten. Von Juli bis September hatte die Wirtschaft der Volksrepublik im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch um 4,9 Prozent zugelegt, im zweiten Quartal um 7,9 Prozent.
Wirtschaftswachstum soll wieder stärkere Rolle spielen
Grund für die Verlangsamung der Konjunktur zum Ende des Jahres waren die Restriktionen der Lokal- und Zentralregierungen zur Bekämpfung der Coronapandemie, die vor allem auf den Konsum drückten. Hinzu kamen die Immobilienkrise, Lieferkettenprobleme und landesweite Stromausfälle ab September.
Dieses Jahr hat die chinesische Staatsführung die Vorgabe ausgegeben, dass das Wirtschaftswachstum wieder eine größere Rolle spielen soll und andere Ziele dabei teilweise stärker in den Hintergrund rücken sollen. Im Jahr des wichtigen Parteikongresses, bei dem sich Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping seine Macht über 2022 hinaus sichern will, will die Führung des Landes keine schwächelnde Wirtschaft sehen.
Die Zentralbank werde „den geldpolitischen Instrumentenkasten weiter öffnen, die Geldmenge insgesamt stabil halten und einen Zusammenbruch der Kreditvergabe vermeiden“, versprach Liu Guoqiang, stellvertretender Chef der PBOC am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Peking. „Das Hauptziel ist derzeit die Stabilität“, so Liu.
Die Anleger in Asien hat die Zinssenkung am Donnerstag zu Aktienkäufen ermuntert. Der Tokioter Leitindex Nikkei stieg um 1,1 Prozent auf 27.772 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index zog ein Prozent an. Die Börse in Schanghai notierte belastet von Gewinnmitnahmen 0,1 Prozent tiefer.