Gastbeitrag: Schluss mit der Doppelförderung!
Dorothée Marie-Louise Döpfer arbeitet seit fünf Jahren für das Berlin Institute of Health (BIH) an der Charité und leitet das Förderprogramm für Digital Health. Auf Konferenzen und in persönlichen Gesprächen hat die gelernte Gesundheitswirtschaftlerin mit einem Master in Public Health in den vergangenen Jahren viele nationale und internationale Gründerteams beraten. (Foto: Thomas Rafalzyk)
Berlin. Ich arbeite in meinem Tagesgeschäft mit Personen, die im deutschen Krankenhaussystem zuhause sind, aber dennoch mit der Komplexität unseres sektoralen Gesundheitssystems an Ihre Grenzen stoßen. Auch Digital-Health-Start-ups aus dem Ausland kommen mit hohen Erwartungen und Euphorie hierher, da sie von einer „einfachen Erstattung von digitalen Gesundheitslösungen in Deutschland“ gehört haben.
Hier muss man zunächst in mühevoller Kleinarbeit den sektoralen Aufbau des deutschen Gesundheitswesens erklären, mit ambulanter Versorgung einerseits, beispielsweise durch niedergelassene Ärzte, und stationärem Bereich andererseits, dazu 100 verschiedene Krankenkassen, Selektivverträge und das Meer von Abkürzungen wie G-BA, BfArM, KBV, DiGa, KHZG. Danach herrscht Ernüchterung.
Ernüchtert bin aber auch ich nach solchen Gesprächen. Denn ich habe keinen tagesaktuellen Überblick über die geförderten Projekte in der Digital-Health-Förderlandschaft.
Aus Gesprächen weiß ich, dass es anderen ebenso geht. Es gibt Förderprogramme für Digital Health von den Ländern, von den Städten, vom Bund und der EU. Die zersplitterte Förderlandschaft führt dazu, dass parallele Strukturen aufgebaut werden. Manchmal geht es weniger darum, eine kostengünstige und patientenorientierte Neuerung voranzubringen, als um die Frage, das erste Uniklinikum oder Bundesland zu sein, das eine bestimmte Lösung präsentiert.