Faire Vergütung: Warum transparente Gehälter zur Zeitbombe in deutschen Unternehmen werden könnten
Frauen verdienen im Schnitt 18 Prozent weniger als Männer.
Foto: imago images/Future ImageDüsseldorf. Dass ihr Kollege 20 Prozent mehr als sie verdient, erfuhr Mobilfunkmanagerin Anke R. durch Zufall. Eine vergessene Gehaltsliste im Kopierer zeigte der Key-Account-Managerin, dass ihr männlicher Kollege deutlich besser verdiente. Und das, obwohl er mit seinem Großkunden nur die Hälfte ihres Jahresumsatzes erzielte.
„Eine solche Benachteiligung wegen des Geschlechts zu erleben ist ein Desaster“, sagt Claudia Kimich. Die Verhandlungsexpertin kennt diesen Fall aus ihrer Beratungspraxis. „Der Schock wandelte sich in Wut, aus Einsatzfreude und Loyalität der Führungskraft wurde die Haltung ,Nicht mit mir‘.“
Obwohl man ahnt, dass solche Ungerechtigkeiten in deutschen Unternehmen keine Seltenheit sind, ist bislang noch dem Zufall überlassen, dass sie herauskommen. Denn auch nach knapp vier Jahren Entgelttransparenzgesetz ist das Thema Gehalt hierzulande weitgehend tabu.
Das bestätigt eine aktuelle Online-Umfrage von Yougov im Auftrag der Stellenbörse Indeed unter rund 500 Führungskräften, deren Ergebnis dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.
Auf die Frage „Befürworten Sie, dass in Ihrem Betrieb die konkreten Gehälter der einzelnen Angestellten für alle offengelegt werden“ antworten knapp ein Viertel eindeutig mit „nein“. Weitere 15 Prozent mit „eher nein“. Immerhin: 41 Prozent reagieren „eher“ zustimmend. 18 Prozent der Befragten bezeichnen sich als „neutral“. Zwei Prozent sind unentschlossen.