Interview: Der Mediziner und Psychologe Michael Kastner rät, „die dunkle Gedankenspirale bewusst abzuschalten“
Der Psychologe und Arbeitsmediziner rät zu Sport, und Kontakt mit Freunden und Familie, um den Stress abzubauen, der durch Corona und Krieg entsteht.
Foto: Werner Bachmeier - Fotograf, EbDüsseldorf. Es gibt Menschen, die bleiben angesichts der größten Krisen gelassen. Eine beneidenswerte Eigenschaft. „Ein gewisser Anteil unserer persönlichen Stressresistenz ist genetisch bestimmt“, sagt Michael Kastner.
Der Leiter des Instituts für Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin (IAPAM) in Herdecke weiß: Wer ein ausgeglichenes Naturell hat, intelligent und offen ist, wer auch in schwierigen Lagen Chancen erkennt, der hat es in Krisen tendenziell einfacher. Doch auch für alle anderen hat Kastner eine gute Nachricht: Widerstandskraft lässt sich trainieren. In belastenden Zeiten wie diesen ist das nötiger denn je.
Herr Professor Kastner, erst Corona, nun Krieg – was macht das mit unserer Psyche?
Diese Entwicklung wirkt in der Bevölkerung breitflächig in Richtung Depression. Viele von uns haben Angst und fühlen sich hilf- und orientierungslos angesichts der schrecklichen Bilder und Nachrichten aus der Ukraine.
Aus psychologischer Perspektive ist zu befürchten, dass unsere politische Führung aus Juristen, Volkswirten und Ingenieuren, die logisch, rational auf den Irrsinn des russischen Präsidenten reagiert, nicht in der Lage ist, ihn zu stoppen. Das alles sind psychische Krankmacher.