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Gastkommentar Deutschland hat ein strategisches Interesse an der Eindämmung des Coronavirus

Im Kampf gegen das Coronavirus sollte der Westen alles tun, um China zur Seite zu stehen. Denn er ist selbst betroffen – nicht nur wirtschaftlich.
24.02.2020 - 07:03 Uhr Kommentieren
Arbeiter in Schutzanzügen desinfizieren einen Markt. Quelle: AFP
Coronavirus

Arbeiter in Schutzanzügen desinfizieren einen Markt.

(Foto: AFP)

Das Coronavirus befällt auch die Nervenbahnen der Weltwirtschaft. Die globalen Lieferketten stehen unter enormem Stress. Unterbrechungen im internationalen Transport von Gütern, Dienstleistungen oder Personen sind die Spitze des Eisbergs.

Nur zwei Beispiele: Einschränkungen in der Produktion von Autos oder Engpässe in der Lieferung von medizinischen Wirkstoffen und damit von Arzneimitteln sind direkte Auswirkungen auch in Europa und Deutschland.

Wir sind betroffen, nicht nur wirtschaftlich. Wir sollten das uns Mögliche tun, damit es China gelingt, das Virus zu stoppen. Das gebietet das humanitäre Interesse – und die wirtschaftliche Notwendigkeit. Denn Deutschland beispielsweise steht (nach schwachen Wirtschaftszahlen für den Dezember 2019) vor der Gefahr einer – mindestens technischen — Rezession im ersten Quartal 2020. In China aber ist die wirtschaftliche, soziale und am Ende auch politische Stabilität herausgefordert.

Die chinesische Führung geht mit der aktuellen Krise radikal anders um als mit der SARS-Krise vor siebzehn Jahren. Das entspricht auch einem weltweiten Interesse und grundlegend veränderten Umständen.

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    2003, im Jahr der SARS-Epidemie, erwirtschafte China (kaufkraftbereinigt) 8,8 Prozent der weltwirtschaftlichen Gesamtleistung; 2020 sollten es den Prognosen zufolge schon zwischen 19,5 und 20 Prozent sein. 2003 kostete die SARS- Krise rund ein Prozent Wachstum in China. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft waren begrenzt. Heute ist die weltweite Verflechtung dichter. Die Arbeitsteilung ist intensiver.

    Und China wandelt sich von der verlängerten Werkbank zu einer zunehmend auf Technologie und Innovation basierten Wirtschaft, in der Dienstleistungen schon über die Hälfte der wirtschaftlichen Gesamtleistung generieren. Die Folgen eines wochenlangen (Teil-)Stillstandes in der chinesischen Wirtschaft sind global.

    China ergreift umfangreiche Maßnahmen

    Das gilt auch auf wirtschaftlichem und finanzpolitischem Gebiet. Seit dem Ausbruch der Krise haben die chinesische Regierung und Chinas Zentralbank eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um sowohl den Absturz von Unternehmen zu verhindern, also auch mögliche wirtschaftliche Kettenreaktionen.

    Zum Beispiel durch:

    • Den Rückerwerb von Bankanleihen in Höhe von über 150 Milliarden Euro durch die Zentralbank;

    • Zinssenkungen für Einlagen der Banken bei der Zentralbank, um damit Zinssenkungen für Unternehmenskredite zu ermöglichen;

    • Die Senkung von Zinsen für einjährige Kredite im Umfang von 200 Milliarden Yuan Renmimbi (RMB) oder umgerechnet mehr als 26 Milliarden Euro;

    • Die Zentralbank hat einen „Re-Lending Fund“ in Höhe von 300 Milliarden RMB oder 40 Milliarden Euro eingerichtet, der ebenfalls die Liquidität von Unternehmen sichern soll. Das chinesische Finanzministerium trägt überdies die Hälfte der Zinsen, die ansonsten Unternehmen zu finanzieren hätten.

    Die Absicherung von ganzen Branchen und Unternehmen soll helfen, Kettenreaktionen zu verhindern, Vertrauen zu stärken und die wirtschaftlichen Folgen der Krise zu überwinden. Die bisherigen Maßnahmen in Wirtschaft und Finanzen sind abgewogen – und erlauben noch wesentlich stärkere unterstützende Eingriffe, falls erforderlich. Bisher kann niemand sagen, ob es zu einer zweiten Welle von Infektionen kommt oder ob die drastischen Maßnahmen zur Unterbrechung von Infektionsketten und Eindämmung der Epidemie dauerhaft wirken.

    Noch sind zahllose Menschen in China nicht an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Fast einen Monat nach dem chinesischen Frühlingsfest ist die Rückreisewelle immer noch nicht abgeschlossen. Und das wird dauern: ohne Bestätigung seines (womöglich weit entfernten) Arbeitgebers kann man nicht an den Ort seines Jobs reisen.

    Koordinierte Initiative aus Wirtschaft und Politik sinnvoll

    Und sind erst die hunderten von Kilometern zurückgelegt, folgt oft eine zweiwöchige Quarantäne. Eine belastbare Prognose, in menschlicher und auch in wirtschaftlicher Hinsicht, werden wir also frühestens Ende Februar haben.

    Deutschland und Europa haben zurzeit mancherlei Differenzen mit China. Aber vielleicht gerade deshalb wäre es angesichts der vielen Menschen, die in China von der aktuellen Virusinfektion betroffen sind, gerade jetzt wichtig, auch Signale der Mitmenschlichkeit und der Hilfsbereitschaft zu senden. Wir würden zeigen: es mag uns politisch vieles trennen, aber wir fühlen uns Euch in dieser Zeit der Krise menschlich nahe.

    Wenig wird im Gedächtnis der Völker so sehr bewahrt, wie Zeichen der Solidarität in schwieriger Zeit. Es ist deshalb auch gut, dass sich neben der deutschen Bundesregierung auch bereits einige deutsche und europäische Unternehmen hilfsbereit in China engagieren.

    Trotzdem fehlt es noch an vielem in den betroffenen Krisenregionen Chinas. Es sollte deshalb eine koordinierte Initiative der deutschen Wirtschaft geben, unterstützt von der deutschen Politik. Zusammenarbeit und Unterstützung sind der angemessene Ausdruck von menschlichem Mitgefühl und eines gemeinsamen Interesses.

    Die Autoren sind beide ehemalige SPD-Vorsitzende. Rudolf Scharping war zudem Verteidigungsminister und ist heute Gesellschafter der RSBK Unternehmensberatung. Sigmar Gabriel war Vizekanzler und Außenminister. Heute ist er Vorsitzender der Atlantik-Brücke sowie einer der Hauptautoren der zur DvH Medien gehörenden Experten-Gruppe „Global Challenges“.

    Mehr: Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft warnt vor den Folgen des Coronavirus: „Jeden Tag größere Schäden.“

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