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GastkommentarDeutschland sollte seine Perspektive auf Afrika verändern

Die Bundesrepublik wäre schon aus Eigeninteresse gut beraten, bei Handel, Demokratie und Klimaschutz enger mit dem Kontinent zusammenzuarbeiten, meinen Thomas Amolo und Stefan Liebing. 27.02.2024 - 10:29 Uhr
Thomas B. Amolo (l.) war Botschafter der Republik Kenia in Deutschland. Stefan Liebing ist Unternehmer und Beiratsvorsitzender der Rethinking Africa Foundation Foto: privat

Die Reisediplomatie zwischen Afrika und Deutschland nimmt zu. Das ist ein gutes Zeichen. Deutschland hat erkannt, dass in neuen außenpolitischen Konstellationen Lieferketten und Märkte diversifiziert werden müssen und dass Afrika eine wichtige Rolle auch bei der Energiesicherheit spielen kann. Wir plädieren für eine künftig viel engere Zusammenarbeit in drei Handlungsfeldern.

1. Handel und Investitionen: Trotz starken Wirtschaftswachstums in Afrika gefährdet die hohe Arbeitslosigkeit die wirtschaftliche Erholung und stellt ein Risiko für die politische Stabilität dar. Das ist der wichtigste Treiber für stärkere Migration. Damit auf dem Kontinent Arbeitsplätze entstehen und zugleich neue Märkte für deutsche Unternehmen erschlossen werden können, muss die Bundesrepublik ihre Unternehmen bei konkreten Projekten unterstützen und Risiken absichern. Dazu benötigt es mehr Mittel für Bürgschaften, die Absicherung von Währungsrisiken und eine neue Risikoverteilung zwischen Privatsektor und öffentlicher Hand.

Die afrikanischen Staaten brauchen Projektentwicklung, nicht Entwicklungsprojekte

2. Demokratie und Stabilität: Die Tatsache, dass in Westafrika eine Reihe von Staatsstreichen stattgefunden haben, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Mehrzahl der afrikanischen Länder demokratische Systeme tief verwurzelt sind. Afrikas zwischenstaatliche Konflikte werden weiterhin von der Afrikanischen Union und anderen regionalen Organisationen angegangen, durchaus mit Erfolg. Viele Afrikaner teilen die Einschätzung, dass nur Demokratie, regelbasierte internationale Zusammenarbeit und Rechtsstaatlichkeit für dauerhaften Frieden sorgen können. Die wichtigste Voraussetzung für Stabilität ist wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand. Das muss die deutsche Entwicklungspolitik noch stärker berücksichtigen. Wir brauchen Projektentwicklung, nicht Entwicklungsprojekte!

3. Klimakrise: Afrika hat den Kampf gegen die Klimakrise energisch aufgenommen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Kenia und Deutschland bietet sich schon deshalb an, weil die wichtigsten UN-Organisationen zum Thema ihre Hauptsitze in Nairobi und Bonn haben. Hinzu kommt: Ohne Lieferungen grüner Energie in Form von Wasserstoff aus Afrika wird Deutschland kaum seine Klimaziele erreichen können. Es reicht allerdings nicht, Büros für Wasserstoffdiplomatie in den Hauptstädten zu eröffnen. Vielmehr ist es entscheidend, dass die Bundesregierung Unternehmen unterstützt, damit solche Investitionen an den internationalen Märkten finanzierbar sind.

Eine Politik, die nicht auf Belehrungen und Werteexport setzt, hat wahrscheinlich mehr Erfolg

Deutschland hat ein starkes Interesse an engen internationalen Beziehungen. Fast die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts ist vom Export abhängig. Und afrikanische Länder sind sehr an Partnerschaften interessiert, die Investitionen ermöglichen, Arbeitsplätze schaffen und den Wohlstand steigern. Wir sollten also über Interessen sprechen und darüber, wo es Schnittpunkte gibt.

Eine Außen- und Entwicklungspolitik, die nicht auf Belehrungen und Werteexport setzt, in der nicht „Geberländer“ an „Empfängerländer“ spenden, sondern die als echte Partnerschaft akzeptiert, dass jeder von uns im Interesse unserer Bevölkerungen handelt, und die in diesem Rahmen Win-win-Situationen identifiziert, scheint uns ehrlicher und erfolgversprechender zu sein.

Auch wenn es für positive Schlagzeilen und mitunter für gute Ergebnisse sorgt, wenn sich die Staatschefs zu Gipfeltreffen versammeln, wird der eigentliche Erfolg außenpolitischer Bemühungen an der Verbesserung der Lebensbedingungen unserer Bevölkerungen gemessen.

Wir benötigen eine Partnerschaft des wechselseitigen Respekts – ohne Vorträge, getrieben von unseren jeweiligen legitimen politischen und wirtschaftlichen Interessen.
Thomas Amolo und Stefan Liebing

Die deutsche Wirtschafts- und Außenpolitik benötigt einen robusteren Ansatz, damit eine starke deutsche Wirtschaft ihren Partnern in der Welt helfen kann, sich weiterzuentwickeln, ohne sie zu belehren. Ngozi Okonjo-Iweala, die in Nigeria geborene Chefin der Welthandelsorganisation (WTO), sagte kürzlich: „Wenn wir mit China sprechen, bekommen wir einen Flughafen; wenn wir mit Deutschland sprechen, bekommen wir einen Vortrag.“ Für viele Partnerländer scheint der Flughafen derzeit attraktiver zu sein.

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Deshalb benötigen wir künftig eine Partnerschaft des wechselseitigen Respekts, die afrikanische und deutsche Interessen gleichermaßen berücksichtigt – ohne Vorträge, getrieben von unseren jeweiligen legitimen politischen und wirtschaftlichen Interessen. Und zwar für Arbeitsplätze, Stabilität und grüne Industrialisierung.

Die Autoren:
Thomas B. Amolo war Botschafter der Republik Kenia in Deutschland.
Stefan Liebing ist Unternehmer und Beiratsvorsitzender der Rethinking Africa Foundation.

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