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Gastkommentar Dirk Hoke: Wie die militärische Zusammenarbeit in Europa künftig aussehen kann

Das Rüstungsvorhaben „Future Combat Air System“ kann zur Blaupause europäischer Verteidigungskooperation werden – und ein wichtiger Pfeiler militärischer Souveränität.
19.11.2020 - 00:47 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Vorstandsvorsitzender von Airbus Defence and Space. Quelle: dpa
Dirk Hoke

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender von Airbus Defence and Space.

(Foto: dpa)

Wenn sich am Freitag die Verteidigungsminister der EU treffen, geht es um wichtige sicherheitspolitische Weichenstellungen. Auf der Agenda stehen der Europäische Verteidigungsfonds (EDF) und die „Ständige Strukturierte Zusammenarbeit“ (Pesco). Daran geknüpft ist die Frage nach der Rolle Europas in einer zunehmend multipolaren und konfliktgeladenen Welt.

Ein zentrales Vorhaben zur Sicherung europäischer Souveränität im Verteidigungsbereich ist die Entwicklung des „Future Combat Air System“ (FCAS); das ist das ambitionierteste europäische Verteidigungsprojekt der kommenden Jahrzehnte. Ab 2040 soll es Kernbestandteil einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungsarchitektur sein.

Konkret geht es beim FCAS um einen vernetzten Gesamtverbund, bestehend aus einer neuen Generation von Kampfflugzeugen und unbemannten Flugobjekten, die das Flugzeug selbstständig begleiten und unterstützen. Dazu kommt die Einbindung bestehender Plattformen (Eurofighter, Rafale, A400M) sowie noch zu entwickelnder Fähigkeiten (Eurodrohne). Sämtliche Daten eines solchen „System-of-Systems“ werden in einer Cloud-Architektur („Combat Cloud“) zusammenlaufen, die ihrerseits mit den Bereichen Land, Wasser und Weltraum verknüpft sein wird.

In einem FCAS bündeln sich die Ambivalenzen einer europäischen und insbesondere auch deutsch-französischen Verteidigungskooperation wie in einem Brennglas – einschließlich jener Aspekte, die in der jeweiligen nationalen Öffentlichkeit mitunter unterschiedlich bewertet werden: Ethik, Einsatzbereitschaft, Export.

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    Erstens, Ethik: Ohne einen hohen Grad an Automatisierung wird ein FCAS im globalen Maßstab wirkungs- und damit zwecklos sein. Die entscheidende Frage ist also nicht, ob in einem FCAS durch Künstliche Intelligenz getriebene Automatisierung zum Einsatz kommt, sondern wie wir sicherstellen können, dass eine automatisierte Entscheidung eine menschliche Entscheidung bleibt. Airbus hat dazu in Deutschland zusammen mit Fraunhofer eine vielstimmige und unabhängige Kommission ins Leben gerufen, die darauf – zusammen mit den Ingenieuren – Antworten für ein solches Waffensystem formulieren soll.

    Analog zur bereits laufenden gemeinschaftlichen Technologieentwicklung ist es das Ziel, alsbald Frankreich und Spanien in diese Diskussion einzubinden. Womöglich lässt sich hier eine generelle Methodik ableiten, die eine künftige europäische Rüstungskooperation durch ein gemeinschaftlich definiertes Wertefundament erleichtert. 

    Zweitens, Einsatzbereitschaft: Ein transnational vernetztes Gesamtsystem wie FCAS bedarf für seine Entwicklung und spätere Anwendung einer neuen Qualität europäischer Verteidigungszusammenarbeit, sowohl strategisch als auch operativ. In einem ersten Schritt bietet es sich daher an, FCAS-relevante Technologien in den 2021 beginnenden Europäischen Verteidigungsfonds zu integrieren, um spezifische FCAS-Fähigkeiten von vornherein auf EU-Ebene zu entwickeln.

    Herausragendes europäisches Projekt

    Mittelfristig wäre auch eine Verknüpfung mit der „Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit“ der EU bedenkenswert. So ließe sich nicht nur die Strahlkraft als europäisches Projekt erhöhen, sondern auch das Verständnis unter den Partnern hinsichtlich seines künftigen Anwendungs- und Einsatzspektrums mehren. 

    Drittens, Export: Die europäische Gemeinschaftsproduktion eines Waffensystems wie FCAS wirft auch die Frage nach dessen Exportierbarkeit auf. Das gilt insbesondere für Frankreich, wo der Export von Rüstungsgütern strategisch und wirtschaftlich einen höheren Stellenwert einnimmt als in Deutschland. Derzeit ist für FCAS die Einrichtung eines transnationalen Gremiums vorgesehen, das sich mit dem Export des Systems (oder einzelner seiner Komponenten) befassen soll. Wichtig wird hier sein, dass insbesondere Deutschland sich willens zeigt, in einen konstruktiven Diskurs mit seinen Partnern einzutreten. Im Idealfall resultiert daraus eine Blaupause für ein gesamteuropäisches Exportregime für Rüstungsgüter.

    FCAS verfügt aufgrund seiner Dimension und strategischen Bedeutung über das Potenzial, die Praxis europäischer Rüstungskooperationen grundlegend zu verändern. Die gemeinschaftliche Ausrichtung des Programms eröffnet Raum für Kompromisse, die sich auch auf andere Programme übertragen lassen. Unterstützt wird dies dadurch, dass die Entwicklung eines FCAS auch zivile Kompetenzen in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Cloud-Technologien stärkt, ein Segment, in dem Europa bislang gegenüber den USA und China im Hintertreffen ist.

    Als herausragendes europäisches Verteidigungsprojekt unserer Zeit kann FCAS nicht nur ein wichtiger Pfeiler militärischer Souveränität werden, sondern auch Integrator einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie Katalysator ziviler digitaler Technologien.

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