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GastkommentarEuropa braucht mehr Tempo beim Ausbau der nachhaltigen Elektromobilität

Die europäische Batterieinitiative muss weiter vorangetrieben werden, stellen Wirtschaftsminister Altmaier, sein französischer Amtskollege Le Maire und EU-Kommissionsvize Sefcovic fest. 11.03.2021 - 19:37 Uhr Artikel anhören

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, sein französischer Kollege Bruno Le Maire und EU-Kommissionsvize Maroš Šefčovič (v.l.)

Foto: dpa, Reuters, Bloomberg/Getty Images

Als wir vor drei Jahren die Europäische Batterieallianz ins Leben riefen, war die in der EU ansässige Batterieindustrie nicht einmal annähernd in der Lage, sich im globalen Wettbewerb zu behaupten. Seither haben wir erstaunliche Fortschritte gemacht. Bis 2025 dürfte Europa imstande sein, jedes Jahr genug Batteriezellen zu produzieren, um mindestens sieben Millionen Elektroautos zu versorgen.

Die vor Kurzem auf den Weg gebrachte Pilotanlage in Nersac in Frankreich und der Ausbau von Fertigungsstätten in Ellwangen und Nördlingen durch die Varta AG sind dabei wichtige Schritte. Der erreichte Fortschritt beruht auf dem Zusammenwirken von mehr als 500 Wirtschaftsakteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette, der Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission und der Europäischen Investitionsbank.

Nun ist die EU in der Lage, eine größere wirtschaftliche Souveränität und Unabhängigkeit in einer strategisch bedeutsamen Branche aufzubauen.

Die Europäische Kommission hat bereits zwei batteriebezogene IPCEI (Important Projects of Common European Interest) mit einem Gesamtwert von 20 Milliarden Euro aus öffentlichen und privaten Mitteln genehmigt. Unter den IPCEI-Vorhaben, an denen sich EU-weit zwölf Mitgliedstaaten – angeführt von Deutschland und Frankreich – beteiligen, sollen 63 unterschiedliche Projekte gebündelt werden.

Mit ihrem Fokus auf hochmoderne Innovationen sollen diese dazu beitragen, Zehntausende neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Tempo bei Ladestationen erhöhen

Zweitens birgt der Vorschlag der Kommission für eine neue Batterieverordnung das Potenzial, den Markt zu revolutionieren und einen europa- und weltweiten Goldstandard in Sachen Nachhaltigkeit zu begründen – insbesondere wegen der Anforderungen an den CO2-Fußabdruck und eines einzigartigen Batteriepasses. Da wir annehmen, dass bereits 2023 die Nachfrage nach und das Angebot an Batterien in Europa explosionsartig zunehmen werden, ist entscheidend, dass die Verordnung zügig angenommen wird.

Deutschland und Frankreich setzen sich aktiv für eine zeitnahe Umsetzung des Verbots von Batterien mit einer sehr schlechten CO2-Bilanz ein. Deutschland hat zudem heute einen Förderaufruf veröffentlicht, der unter anderem die Forschung zu nachhaltigen Batterien sowie zum Batterierecycling unterstützen und einen weiteren Technologieschub bringen soll. Eine weitere Initiative, die Weiterbildung und Umschulung fördern soll, wird in wenigen Wochen folgen.

Die Fortschritte sind nicht zuletzt auf den europäischen Elektromobilitätssektor zurückzuführen, der selbst während der Pandemie anhaltende Erfolge verzeichnet hat. 2020 könnte in Europa sogar als Jahr des Elektroautos in die Geschichte eingehen: E-Autos stellten 2020 einen Anteil von 10,5 Prozent aller in der EU verkauften Fahrzeuge – gegenüber drei Prozent im Vorjahr.

So hat sich die Zahl der Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen auf mehr als zwei Millionen verdoppelt und auch die öffentliche Ladeinfrastruktur verbessert sich. Das Ziel der EU, pro zehn E-Autos einen öffentlichen Ladepunkt zu schaffen, rückt näher. Doch da viele der 220.000 Ladepunkte auf einige wenige Gebiete konzentriert sind, müssen wir beim EU-weiten Ausbau noch Tempo machen.

Engpass bei Fachkräften beseitigen

Die Zunahme der Batterieproduktion treibt den globalen Wettstreit um Roh- und Wirkstoffe weiter an. Hier sollte Europa mehr tun, um die lokale Materialbeschaffung auszubauen und seine externe Versorgung nachhaltig zu diversifizieren. Auf diese Weise können wir die Resilienz der Rohstoffwertschöpfungskette stärken und einseitige Importabhängigkeiten abbauen.

Außerdem müssen wir die erforderlichen Raffinerieanlagen aufbauen und Expertise entwickeln, um sowohl Primär- als auch Sekundärrohstoffe im industriellen Maßstab verarbeiten zu können. Der Fachkräftemangel stellt einen Engpass dar. Er kann die Entwicklung des Batterieökosystems in Europa behindern und erfordert daher umgehende Maßnahmen.

Branchenschätzungen gehen von bis zu 800.000 unbesetzten Stellen bis 2025 aus. Daher haben die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten einige Initiativen zur Behebung des Fachkräftemangels vorangebracht. Unsere Anstrengungen werden auf konkrete Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen abzielen. Hierfür bieten nationale Wiederaufbau- und Resilienzpläne große Chancen.

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Schließlich müssen wir mehr auf Recycling setzen. Auch wenn bereits neue Projekte im Batterie-Recycling entstehen, müssen wir unsere Kapazitäten schneller ausbauen, um der immer größeren Mengen an Altbatterien, die den Markt überschwemmen, Herr zu werden. Zudem birgt Recycling die Chance, Vorräte an sekundären Rohstoffen zu sichern und Investitionen anzulocken.

Die moderne Batterie ist bereits vor langer Zeit – im Jahre 1800 – erfunden worden. Doch es gibt vielleicht keine andere einzelne Technologie, die für die Zukunft unseres Planeten und unserer Wirtschaft gleichermaßen von Bedeutung ist. Wir Europäer haben große Fortschritte in Sachen Batterien erreicht. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs sind nun noch größere Anstrengungen gefragt.

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