1. Startseite
  2. Meinung
  3. Gastbeiträge
  4. ChatGPT: Kein KI-Moratorium, sondern eigene Programme entwickeln!

GastkommentarKein KI-Moratorium, sondern eigene Programme entwickeln!

Europa hat eigene Chatprogramme auf KI-Basis. Die müssen rasch ausgebaut werden, um bei der neuen Technologie unabhängig zu sein, fordern Jonas Andrulis und André Loesekrug-Pietri. 25.04.2023 - 08:49 Uhr Artikel anhören

Jonas Andrulis (r.), Gründer und CEO von AlephAlpha, einem KI-Start-up. André Loesekrug-Pietri ist Vorsitzender der Joint European Disruptive Initiative (JEDI), der europäischen Initiative für Sprunginnovationen.

Foto: Getty, PR

Seit Monaten wird weit über die Tech-Welt hinaus von nichts anderem mehr gesprochen: ChatGPT und GPT-4 werden das Bildungswesen, den Journalismus oder die Softwareentwicklung revolutionieren. Mit wilden Vorhersagen: Google etwa soll das Kerngeschäft an Microsoft verlieren – Google ruft daraufhin seine Gründer angesichts der Gefahr zusammen. Forderungen nach dem Verbot in Schulen, Universitäten oder gar landesweit wie in Italien werden laut.

Mehrere führende Persönlichkeiten auf diesem Gebiet (darunter Elon Musk, der angeblich seine eigene KI entwickelt) haben auch ein sechsmonatiges Moratorium für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz gefordert. Da die Dinge sich aber sehr schnell entwickeln, müssen sich stattdessen Europa und seine technologischen Akteure positionieren, um ihre eigenen Technologien zu entwickeln.

ChatGPT ist nicht das erste Produkt der Firma OpenAI – die eng mit Microsoft verbunden ist. Im Mai 2020 wurde GPT-3 zwar kaum von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen, hat aber die KI-Szene verblüfft.

Durch die Aufnahme einer riesigen Menge an geschriebenen Texten war dieses KI-Modell nicht nur in der Lage, nach Belieben gut geschriebene, kohärente Texte in den wichtigsten Sprachen der Welt zu verfassen, sondern auch viele Aufgaben in Sprache formuliert zu lösen.

Wenige Monate später überraschte ein Modell, das eindrucksvolle Illustrationen nur anhand von Beschreibungen erzeugen konnte: Das DALL.E-System wurde auch sofort als „Grafiker-Killer“ karikiert.

Wir stehen erst ganz am Anfang der GPT-Revolution

Was das konkrete Ergebnis von ChatGPT angeht: Die Nutzung ist vorerst kostenlos, auch wenn es sich nicht um „freie Software“ handelt. Mehr noch, nach nur sechs Monaten ist im März 2023 mit GPT-4 bereits das nächste Modell herausgekommen. Die Entwicklung beschleunigt sich rasant.

Microsoft kündigt an, diese Modelle in seine Office-Suite integrieren zu wollen – um Zusammenfassungen oder Paraphrasen zu erstellen, Absätze aus einer Idee heraus zu schreiben oder sogar Konzepte vorzuschlagen. Andere Anwendungen werden folgen, wie etwa E-Mail. Wir stehen erst ganz am Anfang der „GPT-Revolution“.

Die meisten Nutzer sind wohl geblendet von den Ergebnissen und scheinen eine alte Weisheit vergessen zu haben, die dem Künstler Richard Serra zugeschrieben wird: „Wenn es kostenlos ist, bist du das Produkt.“ Denn wenn Sie eine ihrer Anwendungen nutzen, übertragen Sie die Rechte zur vollständigen kommerziellen Nutzung aller Daten an Microsoft.

ChatGPT stützt sich auf die Daten der Nutzer aus zwei Jahren Betrieb von GPT-3. Das ist der Grund, warum ChatGPT so beeindruckend ist, und so geben Nutzer Daten und Finanzmittel an Microsoft und stärken mit jeder Nutzung dessen Position.

Wenn der Aufsatz Ihres Kindes in die Datenbank von OpenAI aufgenommen wird, ist das – relativ – harmlos. Aber welches Unternehmen oder welche Sicherheitsbehörde kann garantieren, dass ihr nächster Strategiebericht nicht von einem Analysten schneller (und manchmal besser) mit OpenAI zusammengefasst wurde?

In Europa existieren Alternativen zur Technologie von OpenAI

Diese Tools sind sehr mächtig: Sie werden eingesetzt werden, die Frage ist nur, wann und unter wessen Kontrolle. Das Problem ist dabei nicht nur ein rechtliches, sondern auch ein Know-how- und Wertschöpfungsproblem.

Die gute Nachricht: Es gibt schon europäische Alternativen, die innerhalb von sechs Monaten viel mächtiger sein können. Einige Unternehmen haben vergleichbare Technologien geschaffen, und die ersten transformativen Integrationen existieren in Industrie und der öffentlichen Verwaltung.

Es entsteht eine neue Form der Digitalisierung auf der Basis von europäisch-souveräner Künstlicher Intelligenz, die nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie verteidigt und ausbaut. Wir schaffen damit auch das nötige Momentum für die darunterliegende KI-Forschung. Nur mit einer mutigen Nutzung der technischen Möglichkeiten können wir unsere Daten, Wertschöpfung und Souveränität erhalten.

Es laufen auch bereits vielversprechende Experimente zur Erhöhung der Effizienz für einen nachhaltigeren Betrieb sowie Erweiterungen auf Spezialgebiete wie Chemie oder Mobilität. Einige Startups haben hier Kompetenzen aufgebaut: manche unterstützen Akteure beim proprietären Training auch für schwierige Sprachräume, andere haben ihre eigenen große Sprachmodelle bis zur doppelten Größe von GPT3 im Betrieb mit Kunden.

Die ChatGPT-Revolution bietet (noch) keine perfekte Antwort. Aber diese Revolution zeigt einen wesentlichen Punkt: Das Feld der technologischen Möglichkeiten ist riesig, nichts ist fixiert. Das bedeutet, dass Europa bei der KI führend werden kann!

Verwandte Themen
ChatGPT
Microsoft
Europa
OpenAI
Jonas Andrulis
Elon Musk

Wir müssen als Europäer unsere Fähigkeiten und Werte einbringen und schnell experimentieren: Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem sich alles entscheidet. Deshalb müssen wir die nächsten Monate nutzen, um europäische Alternativen zur KI zu entwickeln und zu skalieren, anstatt den Einsatz von KI zu verbieten.

Die Autoren:
Jonas Andrulis, Gründer und CEO von AlephAlpha, einem KI-Start-up.
André Loesekrug-Pietri ist Vorsitzender der Joint European Disruptive Initiative (JEDI), der europäischen Initiative für Sprunginnovationen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt