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Gastkommentar Stefan Thimm: Ein deutscher Sonderweg bei Windkraft würde Strom weiter verteuern

Die Windkraft auf hoher See soll ein Eckpfeiler der künftigen Stromerzeugung werden. Doch die Bundesregierung läuft Gefahr, den Ausbau zu gefährden.
08.10.2020 - 16:48 Uhr 1 Kommentar
Die geplante Novellierung des WindSeeG könnten einen raschen Fortschritt beim Ausbau der Windkraft auf hoher See behindern, befürchtet die Branche. Quelle: Paul Langrock/Zenit/laif
Offshore Windpark Borkum Riffgrund One

Die geplante Novellierung des WindSeeG könnten einen raschen Fortschritt beim Ausbau der Windkraft auf hoher See behindern, befürchtet die Branche.

(Foto: Paul Langrock/Zenit/laif)

Deutschland gehört zu den Spitzenreitern – bedauerlicherweise bei den Strompreisen. Zu diesem Ergebnis kommt das Vergleichsportal Verivox im Rahmen einer Preisanalyse von 135 Ländern.

Dabei könnten wir besser dastehen. Gemeinsam mit einem breiten Bündnis von Industrie, Mittelstand, Banken, Energiewirtschaft sowie Gewerkschaften haben wir in den letzten Monaten einen Weg aufgezeigt, wie die Stromerzeugungskosten aus Offshore-Windenergieanlagen um über 30 Prozent gesenkt werden könnten und gleichzeitig sichergestellt würde, dass die Ausbauziele erreicht werden.

Für die Verbraucher geht es um mehrere Milliarden Euro jährlich. Haushaltskunden könnten wirtschaftlich spürbar entlastet werden. Industrie, Mittelstand und Handwerk würden von international wettbewerbsfähigen Strompreisen profitieren.

Stattdessen liegt seit Juni ein vom Bundeswirtschaftsministerium vorgelegter Gesetzentwurf für eine Anpassung des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) auf dem Tisch. Der würde nachweislich zu höheren Stromerzeugungskosten führen und die Realisierungswahrscheinlichkeit von bezuschlagten Offshore-Windparks und in letzter Konsequenz auch das Erreichen der Klimaschutzziele gefährden.

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    Wie das mit dem Bekenntnis der Regierungsparteien zum Klimaschutz zusammenpasst? Nun, das kann ich Ihnen genauso wenig beantworten wie die Frage nach der Sinnhaftigkeit solcher Maßnahmen in einer Wirtschaftskrise, wie wir sie aktuell erleben. Denn eins ist klar: Höhere Stromgestehungskosten kann im Moment wohl niemand gebrauchen.

    Stefan Thimm ist Geschäftsführer des Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore e.V. Quelle: BWO
    Der Autor

    Stefan Thimm ist Geschäftsführer des Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore e.V.

    (Foto: BWO)

    Die ersten zwei Ausschreibungsrunden für Windenergie auf See haben gezeigt, dass Null-Cent-Gebote für Offshore-Windparks grundsätzlich möglich sind. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass der Strom kostenlos ist. Investoren sind auf entsprechende Markterlöse angewiesen. Und diese Markterlöse hängen ganz erheblich von gesetzlichen Rahmenbedingungen ab.

    Zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung lassen sich leider nachträgliche gesetzliche Änderungen kaum vorhersagen. Investoren und Finanzierer sprechen hier von einem regulatorischen Risiko, das nicht durch kluges Handeln der Akteure sinnvoll bewirtschaftet werden, sondern nur durch Risikoaufschläge eingepreist werden kann.

    Leider scheint dieses regulatorische Risiko aus Sicht des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie keine Rolle zu spielen. Der Gesetzgeber will nun eine sogenannte zweite Gebotskomponente einführen. Demnach sollen künftig sämtliche Bieter, die ein Null-Cent-Gebot abgegeben haben, in einer zweiten Runde einen Betrag anbieten, den sie zu zahlen bereit wären. Am Ende erhält also der zahlungs- und risikofreudigste Bieter den Zuschlag für das Projekt.

    Großbritannien zeigt, dass es auch günstiger geht

    Was zunächst wie ein logischer Plan klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als volkswirtschaftliches Desaster. Ein Beispiel: Angenommen, der Wert des Negativgebots ergäbe umgerechnet einen Cent (ct) je Kilowattstunde (kWh), dann müsste ein Offshorewindpark mit 5 ct/kWh Stromgestehungskosten zunächst einen Erlös von 6 ct/kWh am Markt erzielen (5 ct plus 1 ct).

    Allerdings fehlen hier noch die Risikoaufschläge wegen der regulatorischen Risiken. Letzten Endes muss der Betreiber also etwa 7,5 bis 8 ct/kWh (6 ct plus 25-35 Prozent) erwirtschaften. Das passt natürlich weder mit dem Wunsch nach wettbewerbsfähigen Strompreisen noch mit dem Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft zusammen.

    Dass es auch günstiger geht, haben unsere europäischen Nachbarn in Großbritannien bereits gezeigt: Der gleiche Strom würde in dem dort angewendeten Differenzvertragsmodell nur 5 ct/kWh kosten.

    Gemeinsam mit Vertretern aus Industrie, Mittelstand, Banken, Energiewirtschaft sowie Gewerkschaften setzt sich die Offshorewind-Branche daher für das sogenannte Differenzvertragsmodell ein. Bei diesem Modell wird im Rahmen einer Ausschreibung zunächst der günstigste Bieter ermittelt. Das ermittelte Preisniveau wird anschließend garantiert und ist damit unabhängig von späteren Änderungen des gesetzlichen Rahmens.

    Diese Absicherung der Erlöse unabhängig von nachträglichen Änderungen des gesetzlichen Rahmens führt dazu, dass die Risikoaufschläge entfallen und die Realisierungswahrscheinlichkeit von bezuschlagten Projekten steigt.

    Unsere europäischen Nachbarn haben genau das verstanden. Während die Bundesregierung mit einem deutschen Sonderweg liebäugelt, haben Großbritannien und Frankreich bereits das Differenzvertragsmodell mit durchschlagendem Erfolg eingeführt: Die Zuschläge liegen zwischen 4 und 5 ct/kWh.

    Auch Dänemark führt 2021 die erste Ausschreibung im Differenzvertragsmodell durch. In Polen und Litauen befindet sich das Gesetzgebungsverfahren auf der Zielgeraden. Und Spanien und Belgien diskutieren bereits die Einführung. Inzwischen stehen wir kurz vor der abschließenden Lesung im Bundestag. Noch ist es nicht zu spät. Ich appelliere daher an die Vernunft unserer Parlamentarier: Korrigieren Sie den eingeschlagenen Kurs!

    Mehr: Energiebranche will Eintrittsgeld für Windparkbetreiber verhindern

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Stefan Thimm: Ein deutscher Sonderweg bei Windkraft würde Strom weiter verteuern"

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    • Den Ausbau sollte man stoppen. Das ist noch so ein unnötiges, nicht funktionierendes Projekt dieser unfähigen Bande in Berlin. Die schlimmste, unfähigste Regierung die dieses Land in den letzten 70 Jahre hatte.

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