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Gastkommentar Wie grünes Kapital den Klimaschutz vorantreiben kann

Zahlreiche Finanzinstrumente unterstützen den ökologischen Wandel. Doch viele Unternehmen schöpfen das Potenzial noch längst nicht aus, analysiert Wolfgang Köhler.
02.03.2021 - 20:17 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Kapitalmarktvorstand der DZ Bank AG.
Wolfgang Köhler

Der Autor ist Kapitalmarktvorstand der DZ Bank AG.

Die Europäische Union nimmt den Klimaschutz ernst. Mit dem „European Green Deal“ will die EU-Kommission den Kontinent bis 2050 klimaneutral machen und Investitionen von einer Billion Euro anschieben. Ziel ist es, wirtschaftliche Prosperität mit Klimaschutz in Einklang zu bringen.

Allein die Energieerzeugung, etwa in Kraftwerken oder Verbrennungsmotoren, ist für 80 Prozent der Treibhausgasemissionen in Europa verantwortlich. Der Plan der EU-Kommission sieht daher den Ausbau der erneuerbaren Energien, die Erhöhung der Energieeffizienz in Unternehmen und Haushalten sowie eine Ausweitung des Rohstoffrecyclings vor.

Viele Unternehmen haben die Transformation bereits begonnen. So konnte zum Beispiel die Energiewirtschaft den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Deutschland von unter 20 Prozent im Jahr 2010 auf über 40 Prozent im vergangenen Jahr verdoppeln. In der Industrie wollen die Unternehmen so stark wie noch nie in eine energieeffizientere Produktion investieren.

Das Kapital für den Wandel erhalten viele Unternehmen am Kapitalmarkt. Mit Green Bonds beispielsweise können Unternehmen und Institutionen Geld für Projekte mit nachweisbarem Nutzen für den Klimaschutz aufnehmen. Seit 2007 haben Emittenten so weltweit mehr als eine Billion US-Dollar eingeworben – etwa für effizientere Produktionslinien oder die Refinanzierung von Windpark-Portfolios.

Die Marktdynamik ist beeindruckend. Haben Unternehmen in Deutschland 2015 noch grüne Anleihen im Volumen von 800 Millionen Euro emittiert, waren es 2020 bereits rund acht Milliarden Euro. Dennoch schöpfen die Unternehmen das Potenzial noch längst nicht aus: So übersteigt die Nachfrage der Investoren das Angebot am Kapitalmarkt oft um ein Vielfaches.

Für Unternehmen, die keine oder zu wenige abgrenzbare Nachhaltigkeitsprojekte vorweisen, gibt es inzwischen andere Lösungen: „Target-linked“-Anleihen und -Schuldscheine, bei denen der Emittent günstigere Konditionen erhält, wenn er sich bei vorab festgelegten Nachhaltigkeits-Kennzahlen verbessert. Hier werden also Fortschritte bei der Transformation honoriert, ohne dass es ein abgrenzbares nachhaltiges Projekt geben muss.

Dieser neue Anleihetyp hilft, Kapital dorthin zu lenken, wo es einen großen Hebel gibt: zu Unternehmen, die beim Wandel noch am Anfang stehen, mit ihren Fortschritten aber bereits zum Klimaschutz beitragen können. Auch für dieses Konzept gibt es noch erhebliches Marktpotenzial.

Nachhaltige Investmentfonds boomen

Das enorme Marktwachstum betrifft nicht nur Green Finance. Neben den ökologischen gewinnen auch soziale Themen an Bedeutung. Insgesamt hat sich das Volumen nachhaltiger Investmentfonds und -mandate in Deutschland binnen fünf Jahren über alle Anlageklassen hinweg von 53 Milliarden Euro auf 184 Milliarden Euro mehr als verdreifacht.

Bei Fondsgesellschaften wie Union Investment fließt inzwischen jeder zweite neu eingeworbene Euro von Privatanlegern in nachhaltige Fonds. Die DZ Bank als eine führende Konsortialbank für Sustainable Bonds hat allein 2020 Emissionen im Volumen von rund 30 Milliarden Euro begleitet – dreimal so viel wie ein Jahr zuvor.

Angesichts dieser Dynamik ist es naheliegend, die von der EU angestrebten Investitionsvolumina bald zu mobilisieren. Die Richtung stimmt. Aber es gibt viele Stellschrauben, angefangen bei der Offenlegung: Das Interesse der Anleger geht einher mit steigenden Transparenzanforderungen.

Hier sind Unternehmen im Vorteil, die in ihrer Finanzberichterstattung Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen erfassen, wie die Global Reporting Initiative zu Recht fordert. Denn je weiter der Wandel fortschreitet, desto enger hängen finanzielle Leistungskraft und Nachhaltigkeit zusammen.

Regulierung unabhängig von der Ausgangslage

Hilfreich bei der Allokation von Kapital für nachhaltige Zwecke sind einheitliche Marktstandards. Zwar dienen Brancheninitiativen wie die Green Bond Principles bisher als Richtlinie, verbindlich sind sie aber nicht.

Insofern stellt die sogenannte Taxonomie wichtige Weichen für den Sustainable-Finance-Standort Europa. Sie definiert, welche wirtschaftlichen Aktivitäten ab2022 in der EU als nachhaltig gelten – und sich damit für nachhaltige Finanzprodukte qualifizieren. Das dürfte dem Markt einen weiteren Schub geben.

Die EU-Kommission wird diese Standards weiterentwickeln. Wünschenswert wäre, wenn sie die in der Taxonomie definierten Kriterien stärker darauf zuschneidet, Unternehmen an ihren relativen Verbesserungen statt primär an festen Grenzwerten zu messen.

Ähnlich wie bei den Target-linked-Anleihen würde die Regulierung den Firmen dann unabhängig von deren Ausgangslage Anreize für einen dynamischen Wandel geben. Das ist schließlich der Anspruch, der Unternehmen, Regulator und Kapitalmarkt eint: den Wandel hin zur Klimaneutralität voranzubringen.

Mehr: Fondsmanager müssen innovativer werden.

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