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GastkommentarWir werden mit Maschinen so sprechen wie mit Menschen

Generative Künstliche Intelligenz macht Apps überflüssig. Überleben werden die auch heute dominanten Anbieter von Betriebssystemen wie Apple, Google und Co., prophezeit Mark Rolston. 28.06.2023 - 04:00 Uhr
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Mark Rolston ist Gründer und Chief Creative Officer des Design-Beratungshauses argodesign. Er war einer der ersten Design-Pioniere im Bereich Software. Heute ist zudem als Berater des Responsible AI Institute (RAI) tätig.

Foto: Handelsblatt

Generative Künstliche Intelligenz (GKI) eröffnet mit ihrer Fähigkeit, Texte, Bilder und sogar Code im Handumdrehen (mit menschlicher Hilfe) zu erstellen, zahlreiche neue Möglichkeiten. Bald wird sie in der Lage sein, aus unseren Anfragen funktionierende Anwendungen in Echtzeit zu generieren, die nur in diesem Moment existieren müssen. Schon sehr bald werden wir digital im Echtzeit-Internet leben.

Dort werden Anwendungen aufgerufen, die in der Lage sein werden, die kleinen Probleme des Lebens zu lösen, und nicht nur die großen, für die es sich lohnt, Zeit und Geld in die Entwicklung zu investieren. Die Anwendungen können nicht nur Bilder aus einer Eingabeaufforderung erstellen, sondern auch Musik, Filme, Beiträge in sozialen Medien und komplexe Arbeitsabläufe – alles in Echtzeit.

Aktuell sind Apps große, stumpfe Instrumente, die wir versuchen, in das reale Leben zu integrieren. Sie brauchen lange, um zu lernen, und beanspruchen zu viel Zeit. Man stelle sich den radikalen Wandel vor, der eintreten wird, wenn die Technologie kleinere, differenzierte Lücken für uns schließen kann.

Man könnte Siri auffordern, alle Bücher im eigenen Regal zu inventarisieren. Ein entsprechend entwickeltes KI-Modell programmiert dann eine Anwendung und führt sie in Echtzeit aus. Es schafft eine Schnittstelle, auf der man sein Telefon hochhält oder durch eine Mixed-Reality-Brille auf sein Bücherregal blickt und alle Bücher im Regal identifiziert, bewertet und indexiert.

Diese Art der Interaktion bedeutet natürlich einen dramatischen Wandel in der Art und Weise, wie wir mit Maschinen umgehen. Autos, Telefone, sogar unsere Waschmaschinen – fast alles, womit wir interagieren, hat eine Computerschnittstelle, die als Vermittler fungiert. 

Maschinen werden vorhersagen, was wir brauchen, bevor wir danach fragen

GKI kann eine dritte Phase der Maschineninteraktion einleiten – die Interaktion mit Maschinen ohne Menüs, eine völlig unstrukturierte Interaktion. Das System verfügt über genügend Daten, um aus unstrukturierten Befehlen Sinn zu ziehen.

Dieser Text ist Teil des großen Handelsblatt-Spezials zur Künstlichen Intelligenz. Sie interessieren sich für dieses Thema? Alle Texte, die im Rahmen unserer Themenwoche schon erschienen sind, finden Sie hier. Foto: Handelsblatt

So kann man der Waschmaschine sagen: „Auf dem Hemd ist Tomatensauce” oder „Nochmals waschen“, und die richtige Logik steuert die zugrunde liegende Maschine.

Diese Art der Übersetzung wird sich auf alle Arten von Geräten erstrecken. Wir werden in der Lage sein, mit den Maschinen in unserem Leben so zu sprechen, wie wir es mit einem anderen Menschen tun würden.

Und darüber hinaus könnten diese Maschinen, wie bei Beziehungen zwischen Menschen, unsere Muster aufgreifen, unsere Kurzschrift für Dinge besser verstehen und vorhersagen, was wir brauchen, bevor wir danach fragen.

Ein derartiger Umbruch wird neue Gewinner und Verlierer hervorbringen. Unsere derzeitige App-Wirtschaft hat Tausende von Unternehmen hervorgebracht, die die großen und kleinen Bedürfnisse in unserem Leben erfüllen. Aber wir zahlen eine kognitive und verhaltensbezogene Steuer für die Berge von Werbung und Ablenkung, die damit einhergehen. 

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Viele dieser kleinen Anwendungsanbieter werden diesen Wandel wahrscheinlich nicht überleben. Wenn KI einen Großteil der von mir benötigten Funktionen spontan abrufen kann, warum sollte ich dann noch Apps herunterladen? 

Was an Wert übrig bleibt, wird an eine kleine Anzahl von Super-OS-Unternehmen gehen – wahrscheinlich die gleichen Anbieter von Betriebssystemen (OS-Anbieter), die wir heute kennen – Apple, Google, Microsoft und vielleicht Meta. (Meta ist fraglich, da ein großer Teil ihres Wertes in der Werbung steckt, die sie durch die Beherrschung unserer Aufmerksamkeit erzielen.)

KI sorgt dafür, dass Datenverarbeitung den Menschen besser unterstützt

Wir können hoffen, dass dahinter ein gesunder Markt von Datenanbietern steht, die den Wissensfundus für diese zentralisierten KIs liefern. Der Markt für Daten wird explodieren. Datenquellen jeder Art, für Medizin über Recht und Geschichte bis hin zur Enzyklopädie des Marvel-Universums, werden die Rohdaten für die KI liefern.

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Jedes Unternehmen wird seine Websites und Produktinformationen in Trainingsdaten für KI umwandeln müssen, wenn es als Antwort auf eine Suchanfrage erscheinen will. Es wird einen Wettbewerb darum geben, den Goldstandard für jede Art von Informationsspeicher zu erreichen.

Langfristig gesehen bin ich optimistisch. Ich sehe das Aufkommen Künstlicher Intelligenz als Katalysator dafür, dass die Datenverarbeitung eine wirklich unterstützende Rolle im Leben der Menschen spielen wird.

Heute babysitten wir unsere Maschinen. Sie stehlen unsere Aufmerksamkeit. Sie verkaufen uns Waren und Ideen, um die wir nicht gebeten haben. Die Zukunft der Datenverarbeitung verspricht, uns dabei zu helfen, besser mit der Welt um uns herum in Kontakt zu treten.

Der Autor: Mark Rolston ist Gründer und Chief Creative Officer des Design-Beratungshauses argodesign. Er war einer der ersten Design-Pioniere im Bereich Software. Heute ist zudem als Berater des Responsible AI Institute (RAI) tätig.

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