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Prüfers KolumneKreativer (40), männlich, sucht...

Wann schwindet die Schaffensenergie des Mannes? Diese Altersfrage trieb unlängst die Plattform X um. Was Joe Biden und Haruka Murakami damit zu tun haben – und die Libido.Tillmann Prüfer 30.09.2023 - 13:16 Uhr Artikel anhören

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Foto: Handelsblatt

Neulich hat auf der Social-Media-Plattform X (früher als Twitter bekannt) eine Diskussion Wellen geschlagen. Man regte sich über den User @harukimurakami_writing auf, der gepostet hatte, jenseits der 40 verliere der Mensch seine Energie und darunter leide auch die Literatur. Gleichwohl fielen Hunderte User über ihn her. Wie konnte Haruki Murakami, der große japanische Autor, der ja selbst 74 Jahre alt ist, so etwas schreiben? Unter anderem der US-Autor Don Winslow protestierte, das sei „defätistischer Bullshit“.

Offenbar scheint das Thema emotional nicht einfach zu sein. Fühlen sich doch viele Männer mit 40 erst richtig angekommen im Leben. Unter 35 gilt man noch als Newcomer – und dann sollen gerade ein paar Jahre bleiben, bis mit 40 schon Schluss sein soll mit der kreativen Energie?

Der Unternehmer und Designer Giorgio Armani war jenseits der 40, als er seine Firma gründete. Und überhaupt leben wir ja in Zeiten der ewigen Produktivität. Das Rentenalter ist auf 67 erhöht worden, eben weil Menschen heute angeblich auch jenseits der 60 noch zu Höchstleistungen in der Lage sind. Und in den USA möchte ein 80-Jähriger gerne noch einmal Präsident werden: Energie überall!

Und dann auch noch die Libido

Die Annahme, dass es eine „Energie“ gebe, die den Mann treibt, kommt aus der Psychoanalyse. Deren Vertreter waren der Meinung, die Libido des Mannes sei das Feuer, das seine kreative Kraft befeuere. Letztlich wäre dann alle Produktivität eine abgeleitete sexuelle Handlung, ein Ausdruck sexueller Energie. Erst wenn schließlich die sexuelle Energie nachlasse, dann lasse auch die Kreativität nach.

Nun haben wir allerdings gelernt, spätestens in der Me-too-Debatte, dass gerade die Libido des Mannes – und besonders die nicht nachlassende Libido des alternden Mannes – geeignet ist, sein ganzes Lebenswerk in Schutt und Asche zu legen, wenn er denn eines hatte.

Lesen Sie hier weitere Kolumnen von Tillmann Prüfer:

Und wenn man sich überhaupt so anschaut, was von der Libido befeuerte Männer so tun, dann können einem auch grundsätzlich Zweifel kommen, dass dies eine Kraft ist, die hohe geistige und kreative Leistungen hervorbringt. Man bekommt eher den Eindruck, die männliche Libido sei eine grundsätzliche Gegnerin des Gehirns.

Es mag schon sein, dass Männer vieles hervorbringen, weil sie der Idee folgen, dadurch würden sie interessanter für das andere Geschlecht. Aber dass sie deswegen auch Großes zuwege bringen, ist nicht gesagt.

Und was hat eigentliche Murakami damit zu tun? Letztlich stellte sich heraus, dass das halbe X-Netz über einen Fake-Tweet hergefallen war. Haruki Murakami ist nämlich gar nicht bei X und auch sonst nicht in sozialen Netzwerken unterwegs.

Er hat offenbar Besseres zu tun, schließlich arbeitet er kreativ, wahrscheinlich mit voller Energie.

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