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Prüfers KolumneKritik bei der Arbeit: Nehmen Sie’s nicht so persönlich!

Hätten unsere Vorfahren sich in gutem Umgang mit Kritik geübt, wäre für uns viel gewonnen. Denn niemand kann heute vernünftig Kritik annehmen.Tillmann Prüfer 03.09.2022 - 11:47 Uhr Artikel anhören

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Foto: Handelsblatt

Ich habe in der „Süddeutschen Zeitung“ einen Bericht über das Persönlichnehmen gelesen. Das Persönlichnehmen ist nämlich eine problematische Geschichte, wenn man miteinander arbeitet.

Zum Arbeiten gehört, dass man einander bewertet, dass Kritik geäußert wird, nicht zu knapp. Wie soll man sich ansonsten verbessern? Nun gibt es Menschen, die solche Kritik professionell nehmen, oder solche, die es persönlich nehmen.

Wobei es mit dem Persönlichnehmen so eine Sache ist. Kritik hat ja einen Adressaten. Und der Adressat, also der, der etwas falsch gemacht hat, muss etwas ändern, sonst müsste er ja nicht kritisiert werden.

Diese Kritik persönlich anzunehmen, aber nicht persönlich zu nehmen, ist nicht ganz leicht. Es scheint große Unterschiede zu geben, wie Kritik angenommen wird.

Manche nehmen sie wohl kaum wahr, andere reagieren darauf sehr betroffen. Die Menschen, die ohnehin ein schlechtes Selbstbild haben, nehmen an, dass es daran liegt, dass sie insgesamt ziemliche Versager sind und einfach von ihrer Gesamtleistung hinreichend schlecht sind. Für sie ist Kritik etwas, das ihre negativen Vorurteile sich selbst gegenüber bestätigt, und es geht ihnen daraufhin noch schlechter.

Kaum jemand kann gut mit Kritik umgehen

Dann gibt es Menschen mit einem sehr positiven Selbstbild, die die Kritik zwar wahrnehmen, aber überhaupt nicht daraus schließen, sie könne etwas mit ihnen selbst zu tun haben. Stattdessen vermuten sie, dass der Kritisierende irgendein anderes Problem hat.

Er hat vielleicht einen schlechten Tag, hat selbst gerade Kritik einstecken müssen, vielleicht geht es ihm insgesamt nicht gut, oder er hat ein mieses Selbstbild, das er durch die Kritik an anderen kompensieren muss. Das Selbstbewusstsein bleibt also unangetastet, aber leider wird auch keine Kritik angenommen.

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Dazwischen scheint es einen Idealzustand zu geben, in dem Menschen Kritik annehmen können, ohne daraus darauf zu schließen, dass sie oder andere ein generelles Problem haben. Ich habe leider noch nie einen solchen Menschen getroffen.

Die Verhaltenstherapeutin Martina Fischer-Klepsch meint, dass diese Problematik noch aus den frühen Tagen der Menschheit kommt. Der Mensch hängt von seiner Sippe ab. Und wenn die Solidarität mit ihm in der Sippe abnimmt, ist er in Lebensgefahr. Denn allein kommt man in der Steppe nicht zurecht.

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Diese Angst scheint sehr, sehr tief verwurzelt zu sein, da sie schon an die Oberfläche tritt, wenn man in einem Meeting eine schlechte Powerpoint-Präsentation gehalten hat. Der Verweis auf die Konflikte in der Ursippe kommt übrigens in der Unternehmenspsychologie recht oft vor, finde ich.

Ich frage mich: Was waren diese Steinzeitmenschen eigentlich für miese Typen, dass wir 30.000 Jahre später noch ihre Konflikte ausbaden müssen? Sie hätten mal lieber, statt Faustkeile zu kloppen, ein bisschen Therapie machen sollen. Dann könnten wir heute in Feedback-Runden über etwas anderes reden.

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