Prüfers Kolumne: Zurück in die Zukunft: Strom sparen mit der Floppy Disk
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.
Foto: HandelsblattIn Japan will man nun per Taskforce der Floppy Disk, der guten alten Diskette, den Garaus machen. Die antiken Datenträger werden offenbar noch immer für Behördenprozesse benötigt. Genau wie die CD und die eher exotische Minidisk. Der Digitalminister hat das verlauten lassen, schreibt die NZZ.
Ich frage mich, ob das ein Digitalminister tun sollte. Ist es nicht schön, wenn ein altes Speichermedium in einem verwunschenen Computer einer japanischen Behörde noch ein Leben fristen kann? Ich dachte, gerade ein Digitalminister sollte sich für den Artenschutz bedrohter Medien einsetzen. Der Umstand, dass so ein Floppy-Laufwerk überhaupt noch funktioniert, zeigt doch, dass es sich um ein schützenswertes Objekt handelt.
Warum muss das weg? Findet sich etwa niemand, der mit den wabbeligen kleinen Magnetscheiben umgehen kann? Und werden nicht schon genügend Terrabyte durch die Datenleitungen gepumpt?
Genau 242.944 Zeichen oder Buchstaben kann eine Diskette tragen. Das ist nicht gerade wenig, wie alle wissen, die schon einmal versucht haben, 242.944 Zeichen sinnstiftend aufzuschreiben. Das sollte man mal würdigen, statt ständig neue Trägermedien zu fordern.
Es war in der Floppy-Ära auch nicht alles schlecht. Wenn man ein neues Programm haben wollte, gab es keinen „Download“. Man besorgte sich etwa Windows 95 auf gut einem Dutzend Disketten, die man eine nach der anderen in den Computer einführte. Man hörte die Daten förmlich knuspern. Und die Festplatten waren so klein, dass man über den Sicherungsweg Floppy zur Sparsamkeit gezwungen war.
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Jubeln Menschen etwa heute darüber, dass sie in jeder E-Mail eine Datenmenge verschicken können, für die sie etliche Disketten benötigt hätten? Und reden wir nicht ständig vom Stromsparen? Ich habe gelesen, dass 10.000 E-Mails etwa eine Kilowattstunde Strom verbrauchen. Das läppert sich, würde ich sagen.
Wenn wir eine Datei nicht mehr an den Kollegen verschicken, sondern auf einer kleinen Scheibe gespeichert in sein Büro tragen würden, wäre das nicht einfach auch netter? Und so oft müsste man auch gar nicht gehen. Allein von dieser Kolumne würden gut 90 Stück draufpassen. Bis ich die erst einmal geschrieben habe...