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Gastkommentar – Homo oeconomicusDie deutsche Politik lernt, zu experimentieren

Künftig will Berlin Regulierungsausnahmen möglich machen, damit Unternehmen neue Geschäftsmodelle und Technologien ausprobieren können. Eine gute Idee, findet Axel Ockenfels. 23.04.2021 - 16:00 Uhr Artikel anhören

Experimente werden häufig im Internet durchgeführt.

Foto: dpa

Es gibt eine große Wahrscheinlichkeit, dass Sie heute noch an einem Experiment teilnehmen werden. Internetplattformen, Medienanbieter und Tech-Unternehmen führen jedes Jahr Zehntausende Experimente durch, die unser Konsumverhalten umfassend vermessen.

Welche Formulierung der Schlagzeile wird häufiger angeklickt? Welche Produktempfehlungen führen zu Käufen, und wann und wo sollten sie präsentiert werden? Wie beeinflussen Änderungen in der Entscheidungsarchitektur das Verhalten? Auch die Unternehmen selbst kommen auf den Prüfstand. Entlohnungsformen, Kommunikationswege und Beurteilungsverfahren werden experimentell erprobt, bevor sie implementiert werden.

In der Wissenschaft sind Experimente spätestens seit Galileo Galilei der Goldstandard für alle, die Meinungen durch Faktenwissen ersetzen wollen. Neu ist, dass sich Experimente nun auch als Goldstandard für Wissensfortschritt in der Wirtschaft durchsetzen.

Die vielen Daten, die heute verfügbar sind, sind nämlich für sich genommen oft noch nicht besonders wertvoll. Erst das Wissen, unter welchen Bedingungen diese Daten erzeugt wurden, macht den Unterschied. Und wenn diese Bedingungen in kontrollierter Weise variiert werden – mit Kontrollgruppe und randomisierter Zuteilung –, können brillante Ideen identifiziert und teure Flops vermieden werden.

Es gibt Unternehmen, die jede noch so kleine Änderung ihrer Plattform nur nach experimenteller Kontrolle erlauben. Zwar gibt es beim Design von Experimenten Fallstricke, und die Daten sind immer auch interpretationsbedürftig. Doch kluge Experimente halten den Einfluss von trügerischen Bauchgefühlen und vorgefassten Meinungen klein.

Reallabore und digitale Innovationen

Nun reagiert auch die Politik auf die Anforderungen für modernes Unternehmertum. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat das Bundeskabinett vor einigen Tagen auf Vorschlag des Bundeswirtschaftsministeriums einen „Experimentierklausel-Check“ beschlossen.

Der Wirtschaftswissenschaftler lehrt seit 2003 als Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Universität zu Köln.

Foto: privat

Die Bundesministerien bekennen sich dazu, in Zukunft für jedes Gesetz zu prüfen, ob durch Aufnahme einer Experimentierklausel neue Möglichkeiten für Reallabore geschaffen werden können. So bezeichnet man es, wenn Unternehmen gestattet wird, neue Technologien und Geschäftsmodelle zu erproben, die nicht voll mit dem bestehenden Regulierungsrahmen vereinbar sind.

Reallabore, auf Englisch Regulatory Sandboxes, sind besonders für digitale Innovationen interessant, etwa in der Telemedizin, im autonomen Verkehr oder bei radikal neuen sozialen und ökonomischen Plattformen. Die damit gemachten Erfahrungen der Unternehmen und der Regulierer können dann in die Festlegung des endgültigen gesetzlichen Rahmens einfließen.

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So bieten Reallabore eine großartige Chance für Unternehmen und Politik, gemeinsam zu lernen und die Zukunft zu gestalten.

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