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Gastkommentar – Homo oeconomicusNicht schon wieder Subventionen für den milliardenschweren Galeria-Eigner René Benko

In Zeiten des Arbeitskräftemangels müssen die Arbeitsplätze bei einer kaum zukunftsfähigen Kaufhauskette nicht gerettet werden, meint Volker Brühl. Staatshilfen für Galeria wären ein Skandal. 18.10.2022 - 13:02 Uhr Artikel anhören

Die Warenhäuser haben schon länger finanzielle Probleme.

Foto: dpa

Der Niedergang deutscher Warenhäuser dauert schon seit vielen Jahren an. Auch der Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt durch die von René Benko kontrollierte Signa-Holding im Jahr 2019 hat daran nichts geändert. Zu stark ist der Trend zum Onlinehandel.

Die Anpassung der Warensortimente, kanalübergreifende Vertriebskonzepte und die aufwendige Neupositionierung einzelner Flagship-Stores konnten den Niedergang des Warenhausformats nicht aufhalten. Zu hoch sind die Infrastrukturkosten, zu niedrig der Umsatz je Flächeneinheit.

Die Krise von Galeria Karstadt Kaufhof wurde zwar durch die Covid-Pandemie verschärft. Aber die strukturellen Mängel des Geschäftsmodells sind schon länger offenkundig. Staatliche Beihilfen in Höhe von bislang 680 Millionen Euro sind 2021 und 2022 aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds geflossen. Außerdem konnte sich Galeria erst vor zwei Jahren durch ein Schutzschirmverfahren von etwa zwei Milliarden Euro Schulden befreien. Zahlreiche Filialen wurden geschlossen, und Personal wurde abgebaut.

Geholfen haben all diese Maßnahmen nicht. Schon wieder heißt es, dass Galeria zusätzliche Liquidität in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags benötigt. Kürzlich hat das Management den Tarifvertrag gekündigt. Galeria steht offenbar einmal mehr das Wasser bis zum Hals.

Bislang hat die Politik argumentiert, dass es um mehr als 20.000 Arbeitsplätze gehe und eine Verödung der Innenstädte drohe, wenn diese Galeria als Magnet verlören. Wie viele Beschäftigte Galeria noch hat, ist nicht bekannt. Im von der Coronakrise geprägten Geschäftsjahr 2020/21 (per Ende September) summierte sich der Jahresfehlbetrag auf 622 Millionen Euro, wie aus dem am Montag im Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht.

Volker Brühl ist Professor für Finanzen und Geschäftsführer am Center for Financial Studies in Frankfurt a.M.

Foto: Privat

Der Konzern selbst veröffentlicht proaktiv keine aktuellen Zahlen; ein Umstand, der nicht gerade zur Vertrauensbildung beiträgt. Sollte also der Staat Galeria zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre unter die Arme greifen?

Nein, weitere Staatshilfen für Galeria wären ein Skandal. Das Geschäftsmodell Warenhäuser hat mit Ausnahme weniger Luxushäuser wie des KaDeWe in Berlin, des Alsterhauses in Hamburg und des Oberpollingers in München keine Zukunft.

Signa-Holding hätte genug Kapital

Gerade diese drei Häuser hat Benko ausgegliedert und in eine separate Gesellschaft gepackt. Warum wohl? Falls der Milliardär Benko von der Zukunftsfähigkeit des Warenhausmodells überzeugt ist, soll er die Mittel selbst investieren. Genügend Kapital hätte seine Signa-Holding allemal.

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Falls jedoch eine Insolvenz erforderlich ist, wäre das kein Beinbruch. Beschäftigte im Einzelhandel dürften kaum Probleme haben, alternative Jobs zu finden. Es fehlt überall an Personal. Leerstände in besten Innenstadtlagen wird es nicht lange geben. Findige Investoren werden für nahezu alle Standorte maßgeschneiderte Entwicklungsprojekte definieren.

Eine Insolvenz kann also auch eine Chance sein. Diesmal aber bitte nicht in Eigenverwaltung, sondern mit einem echten Insolvenzverwalter, der möglichst viel an Steuergeldern rettet.

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