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Homo oeconomicus Inflation ist nicht gleich Inflation: Die EZB sollte andere Maße betrachten

Die Europäische Zentralbank misst die Inflation mit dem Verbraucherpreisindex, doch der ist zu eng und anfällig für Störeinflüsse. Das kann zu Fehleinschätzungen führen.
12.11.2020 - 08:49 Uhr Kommentieren
Volker Wieland ist Professor und geschäftsführender Direktor am Institute for Monetary and Financial Stability in Frankfurt. Quelle: PR
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Volker Wieland ist Professor und geschäftsführender Direktor am Institute for Monetary and Financial Stability in Frankfurt.

(Foto: PR)

Deflation statt Inflation ist angesagt: Laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat lag die jährliche Teuerungsrate im Euro-Raum im Oktober stabil bei minus 0,3 Prozent. Dabei strebt die Europäische Zentralbank (EZB) eine Rate von nahe zwei Prozent an.

Im Dezember könnte die EZB nun ihre Anleihekäufe ausweiten. EZB-Präsidentin Lagarde wies darauf hin, dass die Inflation vor der Finanzkrise bei durchschnittlich 2,3 Prozent lag, seither nur bei 1,2 Prozent. Woran das liege und wie die EZB darauf reagieren solle, sei im Rahmen einer Strategieüberprüfung zu klären.

„Welche Inflation?“, sollte man zuerst fragen. Denn es gibt verschiedene Inflationsmaße. Die Zahlen beziehen sich auf den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), den die EZB ins Zentrum ihrer Strategie gestellt hat. Doch dieser Index erfasst erstens nicht alle Preise – Investitionsgüter, Baukosten oder staatliche Dienstleistungen sind ebenso ausgenommen wie die Kosten des Wohnens in selbst genutzten Immobilien. Zweitens beinhaltet er importierte Güter und Dienstleistungen, darunter Öl und Gas.

Sinnvoll wäre es, die Preisentwicklung aller im Euro-Raum produzierten Güter und Dienstleistungen zu betrachten. Diese misst der sogenannte BIP-Deflator.

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    In den Krisenjahren 2009 bis Anfang 2013, als die Euro-Krise auf die globale Finanzkrise folgte, nahm der BIP-Deflator im Durchschnitt nur um ein Prozent zu. Während der folgenden wirtschaftlichen Erholung stieg er unter Schwankungen bis Ende 2019 auf 1,8 Prozent, nahe am Zielwert der EZB von unter, aber nahe zwei Prozent.

    Beim Harmonisierten Verbraucherpreisindex, auf den die EZB abzielt, war es dagegen umgekehrt. Ausgerechnet in den Rezessionsjahren war die vom HVPI angezeigte Inflation relativ hoch, in der Erholungsphase ging sie deutlich zurück.

    Das passt nicht zur Theorie, weil man im Zuge der wirtschaftlichen Erholung steigende Inflationsraten erwarten würde. Grund für die ungewöhnliche Entwicklung des HVPI war die Importpreisinflation von durchschnittlich minus 0,3 Prozent zwischen 2013 und 2019. Das zeigt, dass ein alleiniger Blick auf den HVPI problematisch ist.

    Wenn es nach der Europäischen Zentralbank geht, sollten die Preise im Euroraum steigen – doch das selbstgesteckte Inflationsziel verfehlt die Notenbank regelmäßig. Misst sie mit dem falschen Maßstab? Quelle: dpa
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    Wenn es nach der Europäischen Zentralbank geht, sollten die Preise im Euroraum steigen – doch das selbstgesteckte Inflationsziel verfehlt die Notenbank regelmäßig. Misst sie mit dem falschen Maßstab?

    (Foto: dpa)

    Der Blick auf den BIP-Deflator hätte für die Zentralbank einen weiteren Vorzug. An ihm lässt sich eine gewisse Wirkung der massiven geldpolitischen Lockerung ablesen.

    Die EZB sollte daher breitere Inflationsmaße in den Blick nehmen, nicht nur den HVPI. Das ist sogar ohne große Änderung der Strategie möglich. Denn das Inflationsziel von unter, aber nahe zwei Prozent für den HVPI lässt sich als eine Bandbreite von 1,5 bis zwei Prozent interpretieren. Das gibt Flexibilität, um Signale anderer Inflationsmaße in die Kommunikation aufzunehmen.

    Das gilt auch für die Preisentwicklung bei selbst genutztem Wohnraum. In den vergangenen fünf Jahren schwankte der jährliche Anstieg dieser Kosten in Deutschland zwischen drei und fünf Prozent. Es ist methodisch zwar schwierig, die Kosten für selbst genutzten Wohnraum in den HVPI einzubeziehen. Aber das muss die EZB nicht hindern, dies in Geldpolitik und Kommunikation zu berücksichtigen.

    Mehr: EZB-Chefin Lagarde stellt eine Corona-Intervention in Aussicht.

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