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Homo oeconomicus Marcel Fratzscher: Die Politik muss unmissverständlich signalisieren, dass sie sich der Krise entgegenstemmt

Die derzeitige Krise geht nicht auf Angebotsprobleme zurück, sondern auf fehlende Nachfrage. Die Regierung muss hier ansetzen, um Vertrauen zu schaffen.
22.10.2020 - 10:45 Uhr Kommentieren
Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin. Quelle: dpa
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Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin.

(Foto: dpa)

Die zweite Infektionswelle in Deutschland wird in den kommenden Wochen nicht nur eine intensive Debatte über angemessene Maßnahmen zur Begrenzung des Virus auslösen, sondern auch darüber, wie die Wirtschaftspolitik betroffene Unternehmen und Bürger unterstützen kann. Bei dieser Frage sind Ökonomen in Deutschland allerdings stark gespalten.

Die unterschiedlichen Positionen kommen deutlich auch in der Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute zum Ausdruck. Ob ein Konjunkturprogramm zur Unterstützung der Nachfrage notwendig ist, war bereits im Frühjahr umstritten und bleibt es auch jetzt im Herbst.

Eine erste entscheidende Frage ist, ob die Krise vor allem eine Schwäche der Angebots- oder der Nachfrageseite reflektiert. Wenn die Probleme in erster Linie auf der Angebotsseite, bei den Unternehmen, liegen, etwa bei unterbrochenen Lieferketten oder der Finanzierung, dann ist eine Stimulierung der Nachfrage von Unternehmen und Konsumenten wenig zielführend.

Vieles deutet jedoch darauf hin, dass das zentrale wirtschaftliche Problem die schwache Nachfrage des privaten Konsums und der Investitionen ist. Trotz der umfangreichen Konjunkturprogramme ist der Konsum eingebrochen, während sich die Sparquote verdoppelt hat.

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    Viele Menschen legen aus Sorge um ihr Einkommen oder ihren Arbeitsplatz also lieber Geld auf die hohe Kante, als es auszugeben. Dies gilt auch für die Unternehmen, die allein im zweiten Quartal 20 Prozent weniger investiert haben.

    Schwache Preisentwicklung

    Dies deutet eher auf ein Problem bei der Nachfrage als ein Problem der Angebotsseite hin. Ein weiterer Indikator für die Nachfrageschwäche ist die schwache Preisentwicklung, die vor allem die Europäische Zentralbank in Zugzwang bringt. Sie muss verhindern, dass sich der Preisverfall verfestigt, was die privaten Investitionen und schon angeschlagene Unternehmen weiter schwächen würde.

    Strittig ist auch die Frage, wie effektiv das bisherige Konjunkturprogramm war. Schätzungen am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin zeigen, dass das Konjunkturprogramm in Deutschland dieses Jahr fast eineinhalb Prozent mehr an Wirtschaftsleistung schafft und einen ähnlich großen Effekt für das kommende Jahr haben sollte.

    Es ist also ganz und gar nicht so, dass die wirtschaftspolitischen Maßnahmen verpufft sind und lediglich die Staatsverschuldung erhöhen. Die wirtschaftliche Erholung in einer so tiefen Krise beruht vor allem auf Vertrauen. Daher muss die Wirtschaftspolitik weiterhin ein klares, unmissverständliches Signal an Unternehmen sowie an Bürger senden, dass sie auch in Zukunft gewillt und in der Lage ist, sich entschieden der Krise entgegenzustemmen und weitere wirtschaftspolitische Hilfen zu leisten.

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