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Konjunktur China stützt die Weltwirtschaft: Wachstum belebt Exporthoffnungen deutscher Firmen

Die Volksrepublik ist die erste große Volkswirtschaft, die seit Corona wieder zulegt. Die meisten Ökonomen rechnen nicht mit Rückschlägen.
19.10.2020 Update: 19.10.2020 - 18:27 Uhr Kommentieren
China ist die einzige große Volkswirtschaft, die 2020 wachsen wird. Quelle: imago images/VCG
Finanzzentrum von Schanghai

China ist die einzige große Volkswirtschaft, die 2020 wachsen wird.

(Foto: imago images/VCG)

Peking, Berlin, Düsseldorf Die deutsche Industrie schöpft angesichts des Wirtschaftswachstums in China Hoffnung für das eigene Exportgeschäft. Autohersteller, Maschinenbauer und Logistiker berichten von Zuwächsen. „Das Chinageschäft läuft wieder gut“, heißt es etwa beim Kölner Motorenhersteller Deutz. Auch der Maschinenbauer Trumpf freut sich über anziehendes Geschäft.

Laut der chinesischen Statistikbehörde ist Chinas Wirtschaft im dritten Quartal um 4,9 Prozent im Jahresvergleich gewachsen. Das lag zwar etwas unter den Erwartungen von Analysten, die nach einer Reuters-Umfrage mit 5,2 Prozent gerechnet haben.

Allerdings hatte die Wirtschaft der Volksrepublik zuvor bereits für das zweite Quartal ein Plus von 3,2 Prozent verzeichnet und war damit die erste große Volkswirtschaft, die seit Ausbruch der Coronakrise überhaupt wieder ein Wachstum ausweisen konnte. Im ersten Quartal hatte die chinesische Wirtschaft noch einen historischen Einbruch von minus 6,8 Prozent erlitten.

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank rechnen derzeit damit, dass China auch bezogen auf das Gesamtjahr mit rund zwei Prozent plus die einzige große Volkswirtschaft mit Wachstum sein wird. „Den offiziellen chinesischen Zahlen muss man immer mit Argwohn begegnen“, sagt Gabriel Felbermayr vom Kieler Institut für Weltwirtschaft dem Handelsblatt. „Aber gerade die guten Handelsdaten sind harte Zahlen.“ Denn sie würden durch die entsprechenden Statistiken von Chinas Handelspartnern bestätigt.

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    Wichtigster Absatzmarkt der Autoindustrie

    Dass der Aufschwung in China bei allen Zweifeln an den offiziellen Statistiken wohl nachhaltig ist, zeigt sich auch in den Zahlen deutscher Konzerne. Schon in normalen Zeiten ist China der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Autos. Jetzt mutiert die Volksrepublik sogar zum Rettungsanker für eine ansonsten darbende Branche.

    Beispiel Daimler: Der Mercedes-Hersteller meldete vergangene Woche einen Gewinnsprung. Das Betriebsergebnis der Stuttgarter wird im dritten Quartal laut vorläufigen Zahlen 3,1 Milliarden Euro betragen. Ein Plus von fast 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

    Hauptgrund für das überraschend gute Ergebnis ist die rasante Erholung des Chinageschäfts. Sackte der Mercedes-Absatz in China im ersten Quartal in Folge des Corona-Lockdowns noch um ein Fünftel gegenüber dem Vorjahresquartal ab, steht nach neun Monaten bereits ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen 2019 in der Verkaufsstatistik.

    Allein im dritten Quartal lieferte Mercedes 224.000 Pkws in Fernost an Kunden aus – das entspricht einem Zuwachs von mehr als 23 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Folge: Die Dividende aus dem Joint Venture mit dem Pekinger Staatskonzern BAIC beträgt satte 1,2 Milliarden Euro und steht damit für mehr als ein Drittel des gesamten Betriebsgewinns von Daimler im dritten Quartal.

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    „Asien ist definitiv die Lokomotive“, konstatiert auch BMW-Finanzchef Nicolas Peter beim Blick auf die weltweiten Absatzahlen. Allein im dritten Quartal verkaufte BMW in der Volksrepublik 30 Prozent mehr Autos als im Vorjahresquartal. Seit Jahresbeginn setzten die Münchener in Fernost sogar doppelt so viele Autos ab wie auf dem einst dominierenden US-Markt.

    Konkurrent Audi meldet für das dritte Quartal in China sogar „die beste Performance seit dem Markteintritt vor 32 Jahren“, schrieb Stephan Wöllenstein, Chinachef des Mutterkonzerns Volkswagen, auf LinkedIn.

    Von wieder anziehendem Asiengeschäft berichten auch die großen deutschen Logistiker und Maschinenbauer. „Der Frachtverkehr zwischen Asien und Nordamerika hat in der gesamten Branche stark zugenommen“, heißt es bei der Deutschen Post. „Auch zwischen Asien und Nordeuropa gibt es eine erhebliche Transportnachfrage.“ Ähnlich äußert man sich bei Hapag-Lloyd, der größten deutschen Seereederei.

    Auch andere Länder der Region wie Vietnam, Indonesien und Kambodscha hätten ihre Exporte in den vergangenen Wochen wieder deutlich ausgeweitet — und trügen damit wesentlich zur Erholung bei. Nachdem sowohl Deutsche Post als auch Hapag-Lloyd zu Beginn der Pandemie ihre Prognosen gekappt hatten, korrigierten sie in den vergangenen Tagen ihre Gewinnprognosen für das laufende Jahr wieder nach oben. Auch Reederei-Weltmarktführer Maersk setzte seine Erwartungen vergangene Woche erneut hoch. Containerreedereien und Seefrachtspediteure profitieren aktuell von steil steigenden Frachtraten.

    „Deutschland profitiert von Erholung des Welthandels“

    Wird China also auch jetzt wieder, wie schon vor zehn Jahren nach der Finanzkrise, zur Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft? Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, hält dies für möglich, weil China das Virus erfolgreich eingrenzen und die Wirtschaft schneller wieder hochfahren konnte als Europa und die USA.

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    „Deutschland profitiert stark von der Erholung des Welthandels, der vor allem durch Asien und China angetrieben wird“, sagte Fratzscher dem Handelsblatt. Die wirtschaftliche Erholung in China sei robuster als in den meisten anderen Teilen der Welt, da die Regierung in Peking große Konjunkturprogramme aufgelegt habe, und die chinesische Wirtschaft immer weniger vom Rest der Welt abhänge.

    China-Experte Max Zenglein, Chefökonom beim Mercator Institute for China Studies (Merics), zweifelt jedoch daran, dass China die Welt aus der Rezession ziehen wird. Er ist zwar wie Fratzscher überzeugt, dass sich die wirtschaftliche Erholung in China im vierten Quartal fortsetzen werde. „Aber die Erwartung, dass China zur Lokomotive für die Weltwirtschaft wird, ist Wunschdenken“, sagte er dem Handelsblatt.

    Zum einen reiche dafür das Wachstum in China nicht aus. Zum anderen sei die Handelsbalance eine andere als vor zehn Jahren: „Chinas Exporte wachsen heute weitaus stärker als die Importe“, so Zenglein. Es sei daher nicht ausgeschlossen, dass Chinas Exportwirtschaft Rückschläge erleidet, wenn in den Abnehmerländern der Aufschwung auf sich warten lasse.

    In den ersten drei Quartalen des Jahres zusammengenommen lag das Wachstum Chinas jedenfalls nur 0,7 Prozent höher als im gleichen Zeitraum 2019. Auch wenn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im Gesamtjahr 2020 noch eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um etwa zwei Prozent erreichen wird, wie IWF und Weltbank erwarten, wäre dies die niedrigste Wachstumsrate seit Jahrzehnten.

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    Offizielle Zahlen aus der Volksrepublik, warnen Experten seit Jahren, sind ohnehin mit Vorsicht zu betrachten. Denn Lokalregierungen melden oft geschönte Daten nach Peking, um besser vor der Zentralregierung dazustehen. Allein wegen der Bemessungsgrundlage ist die chinesische BIP-Zahl nicht mit den Werten zum Beispiel von Deutschland vergleichbar. Darauf weist unter anderem der Ökonom Michael Pettis von der Peking-Universität hin.

    In den meisten Ländern, auch in Deutschland, wird bei der Berechnung des BIP die tatsächliche Wertschöpfung gemessen, also, was real produziert und an Dienstleistungen erbracht wird. In China hingegen ist die Messung orientiert am Input – und diesen Input in Form von staatlichen Investitionen bestimmt die Regierung zum großen Teil selbst.

    So auch in diesem Jahr: Die Erholung fußt bislang vor allem auf der Erhöhung der Industrieproduktion, die von staatlichen Unternehmen dominiert ist, und staatlichen Infrastrukturprojekten. „Das chinesische BIP ist eine politische Zahl und erfasst nicht die wahren wirtschaftlichen Verhältnisse“, kommentierte Shezhad Qazi, Managing Director bei dem auf die chinesische Wirtschaft spezialisierten US-Analyseunternehmen China Beige Book kürzlich.

    Bei aller Vorsicht gegenüber chinesischen Statistiken ist IfW-Präsident Felbermayr dennoch überzeugt: „Ganz klar hat China die aktuelle deutsche Wirtschaftsentwicklung unterstützt, und diese Dynamik kann auch in den kommenden Monaten noch tragen.“

    Denn von Juni bis August lagen die deutschen Exporte nach China um 4,3 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums, die Exporte in den Rest der Welt dagegen um 11,4 Prozent darunter. Der Impuls sei aber überschaubar, weil nur sieben bis acht Prozent der deutschen Exporte nach China gehen.

    Alternativen zum Chinageschäft

    Aus China und Asien heraus sind es vor allem Möbel, Haushaltsgeräte, Küchen- und Badartikel, die nach Europa verschifft werden — Produkte, die während der Pandemie in den eigenen vier Wänden benötigt werden. In der Gegenrichtung, bemerkt ein Sprecher von Hapag-Lloyd, sind von chinesischer Seite insbesondere Chemikalien und Roherzeugnisse stark gefragt. Auf den Strecken von Nordeuropa nach Asien sei nach dem massiven Einbruch im Frühjahr der Stand des Vorjahres wieder erreicht.

    Nicht nur mit China, auch mit anderen Ländern Asiens, wie Südkorea, Vietnam, Indonesien und Singapur laufen die Geschäfte wieder gut, betont Siemens-Chef Joe Kaeser, der auch Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (APA) ist. Auf der APA-Jahreskonferenz am Montag mahnten Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) wie auch Kaeser die Industrie, in Asien künftig mehr Alternativen zu ihrem Chinageschäft zu suchen.

    Sie nannten zwei Gründe: die erklärte Politik der chinesischen Regierung, sich unabhängiger von Hochtechnologie-Importen machen zu wollen, und die zeitweiligen Lieferengpässe während der Coronakrise bei Produkten, die nur aus China bezogen wurden, etwa Schutzmasken.

    Dass aktuell auch deutsche Ökonomen an die Nachhaltigkeit des chinesischen Aufschwungs glauben, ist aber vor allem einer Zahl vom Montag geschuldet: der Nachfrage im Einzelhandel. Sie hinkte seit Jahresbeginn der Erholung bei der Industrieproduktion deutlich hinterher, zeigt jetzt allerdings eine leichte Trendwende. So stiegen die Einzelhandelsverkäufe im September im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 Prozent. Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus von rund 1,8 Prozent gerechnet.

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    Im August war die Zahl zum ersten Mal seit der Coronakrise leicht um 0,5 Prozent gestiegen. Der „große Sprung“ im September zeige, „dass sich der Konsum weiter stabilisiert hat“, schrieb Iris Pang, China-Chefökonomin bei der Bank ING, „und es gab auch Anzeichen für mehr Ausgaben vonseiten der Wirtschaft.“

    Im bisherigen Jahresverlauf steht im Einzelhandel jedoch noch immer ein dickes Minus von 7,2 Prozent. Die sich langsam erholende private Nachfrage stützt sich zudem vor allem auf anziehende Verkäufe bei Luxusgütern und Autos.

    Der insgesamt schwache Konsum ist ein besonderes Problem für China, denn das Wachstum in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hatte sich in den vergangenen Jahren immer stärker auf die privaten Verbraucher gestützt. Noch im Juni bezeichnete

    Zhang Bin von der Chinese Academy of Social Sciences (CASS), der unter der Schirmherrschaft des Staatsrates der Volksrepublik China steht, die schleppende Nachfrage als „besorgniserregend“. Chinas Premierminister Li Keqiang hatte jüngst ebenfalls darauf hingewiesen, dass es wichtig sei, den Konsum anzukurbeln.

    Wachstumsziel wird festgelegt

    Ab kommendem Montag treffen sich die politischen Führer des Landes für vier Tage auf höchster Ebene, um den sogenannten 14. Fünf-Jahres-Plan zu besprechen. Der Plan soll insbesondere für die Wirtschaft die Ziele der Kommunistischen Partei von 2021 bis 2026 vorgeben und gilt ab Anfang nächsten Jahres.

    Für gewöhnlich wird dort auch ein Wachstumsziel festgelegt. Berichte in chinesischen Staatsmedien deuten jedoch darauf hin, dass es dieses Mal möglicherweise keine solche Festlegung geben wird.

    Am Ende hängt die weitere Entwicklung vor allem davon ab, ob China weiterhin die Corona-Fallzahlen unter Kontrolle behält. Vereinzelt hatten kleinere, lokal begrenzte Ausbrüche heftige Gegenmaßnahmen bei den Lokalbehörden hervorgerufen. Nach einem Ausbruch in Peking im Juni wurden ganze Stadtteile unter Quarantäne gestellt. Erst Anfang Oktober wurde in der Hafenstadt Qingdao ein riesiger Covid-19-Massentest angeordnet, nachdem einzelne neue Fälle bekannt wurden.

    Davon abgesehen läuft der Alltag in der Volksrepublik weitgehend normal ab. Zu der „Golden Week“, einer Woche von Feiertagen, waren schon wieder Millionen Chinesen im Land herumgereist.

    Mehr: Die Pandemie stärkt Chinas Rolle in der Weltwirtschaft, meint Handelsblatt-Reporter Stephan Scheuer.

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