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Konjunktur Chinas Wirtschaft bricht ein – Coronavirus beendet jahrzehntelanges Wachstum

Zum ersten Mal seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen im Jahr 1992 verzeichnet China ein negatives Wirtschaftswachstum. Der Rückgang fällt noch deutlicher aus als erwartet.
17.04.2020 Update: 17.04.2020 - 08:49 Uhr Kommentieren

Chinas Wirtschaft bricht im ersten Quartal um 6,8 Prozent ein

Peking Chinas Wirtschaftswachstum ist im vergangenen Quartal um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geschrumpft, wie die nationale chinesische Statistikbehörde am Freitag mitteilte. Es ist das erste Mal seit Beginn der offiziellen Verkündung der Quartalszahlen im Jahr 1992, dass die Wirtschaft der Volksrepublik ein Minuswachstum verzeichnet. Laut Berechnungen der Weltbank gab es in China zuletzt im Jahr 1976 im Gesamtjahr ein negatives Wachstum, am Ende der gesellschaftlich und wirtschaftlich verheerenden Kulturrevolution.

Der Rückgang des Wirtschaftswachstums fällt damit noch schlechter aus als von Beobachtern erwartet. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Januar bis März gegenüber dem Vorjahr um 6,5 Prozent geschrumpft ist. Im vergangenen Gesamtjahr war Chinas Wirtschaft noch um 6,1 Prozent gewachsen.

Analysten werteten die neuesten Zahlen als schlechtes Zeichen. Der starke Rückgang bedeute eine „sehr langsame Erholung von Covid-19“, trotz der lockereren Geldpolitik und einer unterstützende Finanzpolitik, sagte Iris Pang, Chefökonomin der ING Bank für China, dem Handelsblatt.

Die Volksrepublik hat in den vergangenen Jahren stets sehr viel zum globalen Wirtschaftswachstum beigetragen. Laut Berechnungen des Handelsblatts hatte China 2019 einen Anteil von 46,3 Prozent am weltweiten Wirtschaftswachstum.

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    Wegen scharfer Restriktionen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus war die chinesische Wirtschaft im Januar und Februar nahezu zum Erliegen gekommen. Konsumenten in China hielten sich stark zurück mit Einkäufen.

    Um die heftigen Auswirkungen zu mildern, hatte China Unternehmen bereits Steuernachlässe und Abschläge bei Sozialabgaben gewährt, sowie den Geldmarkt durch mehrere Zinssenkungen Liquidität zugeführt. Banken wurden dazu angehalten, Unternehmen leichter Kredite zu geben und bei der Fälligkeit von Verbindlichkeiten ein Auge zuzudrücken.

    Doch die Unterstützungsmaßnahmen konnten den Einbruch der Wirtschaft nicht verhindern. Die schlechten BIP-Zahlen reihen sich in eine ganze Reihe von negativen Indikatoren ein. Die Einzelhandelsumsätze von Konsumgütern schrumpfte laut Mitteilung der Nationalen Statistikbehörde vom Freitag im ersten Quartal um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im März sanken die Einzelhandelsumsätze um 15,8 Prozent und erholten sich damit im Vergleich zu Januar und März nur um 4,7 Prozentpunkte.

    Analysten rechnen mit einem schwachen zweiten Quartal

    Der Sprecher der Nationalen Statistikbehörde, Mao Shengyong, zeigt sich am Freitag bei der Vorstellung der Zahlen optimistisch bezüglich des zweiten Quartals. Die Verbesserungsdynamik von März sollte sich fortsetzen können, so Mao. Das zweite Quartal werde „deutlich besser als das erste Quartal ausfallen“. Analysten fürchten jedoch, dass auch das Wirtschaftswachstum Chinas im zweiten Quartal gering sein wird. Allerdings könnte es durch massive Investitionen des Staates auch höher ausfallen als erwartet.

    China hatte in der Finanzkrise 2008/2009 erheblich dazu beigetragen, das Wachstum der Weltwirtschaft anzukurbeln. Die chinesische Regierung hatte damals ein riesiges Konjunkturpaket in Höhe von 13 Prozent des damaligen Bruttoinlandproduktes aufgelegt. Experten rechnen auch jetzt mit weiteren Stützen für die Wirtschaft, jedoch bei weitem nicht in der Höhe wie in der Finanzkrise.

    Die von den chinesischen Behörden verkündeten BIP-Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Seit Jahren zweifeln Experten an der Korrektheit der Zahlen, die von der chinesischen Statistikbehörde ausgegeben werden.

    Wie etwa Wirtschaftsforscher in einer Analyse, die in der Makroökonomiezeitschrift Brookings Brookings Papers on Economic Activity veröffentlicht wurde darlegen, liegt eine der Fehleranfälligkeiten darin, dass lokale Regierungen die Daten an die nationale Statistikbehörde weitergeben. Diese haben jedoch einen Anreiz dafür, die Daten zu frisieren. Schließlich gibt es in jedem Jahr eine Vorgabe von der übergeordneten Zentralregierung in Peking, wie hoch das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes sein soll.

    Wie hoch das Wachstum in diesem Jahr sein soll, ist noch nicht festgelegt. Peking verkündet das bei der jährlichen Sitzung des Nationalen Volkskongresses, eine Art Scheinparlament. Allerdings wurde die für Anfang März geplante Zusammenkunft von mehreren hundert Delegierten aus ganz China wegen des Coronavirus verschoben. Ein neuer Termin steht noch nicht fest, Beobachter rechnen derzeit mit Mitte Mai.

    Arbeitslosigkeit als wichtiger Indikator

    Wichtiger für die Stabilität Chinas ist laut Einschätzung von Beobachtern jedoch, wie hoch die Arbeitslosigkeit ist. Laut Angaben der chinesischen Statistikbehörde von Freitag lag die im März bei 5,9 Prozent, im Februar hatte sie noch bei 6,2 Prozent gelegen.

    Experten schätzen die Zahl der Erwerbslosen jedoch wesentlich höher ein, weil in China die sogenannten Wanderarbeiter nicht in die Statistik einfließen. „Wenn also die offiziellen Daten besagen, dass die Arbeitslosigkeit bei etwa sechs Prozent liegt, dann ist die tatsächliche Zahl wahrscheinlich mehr als doppelt so hoch“, sagte der Wirtschaftsexperte Michael Pettis, Finanzprofessor an der Peking University, dem Handelsblatt.

    Am Dienstag hatte die chinesische Statistikbehörde die Außenhandelszahlen für März veröffentlicht. Demnach sind die Exporte um 6,6 Prozent zurückgegangen, die Importe um 0,9 Prozent. Dass die Zahlen nicht noch schlechter ausfielen, lag auch daran, dass Bestellungen von vor der Krise, die wegen des Stillstands der chinesischen Wirtschaft noch nicht erfüllt werden konnten, nachgeholt wurden. Experten rechnen für den April mit wesentlich schlechteren Außenhandelszahlen.

    Mehr: Warum China die Weltwirtschaft dieses Mal nicht retten wird, lesen Sie hier.

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