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Kolumne Querdenker Neue Jobs kommen nicht durch Kostensenkungen

Obwohl die konjunkturellen Frühindikatoren positiv ausfallen, werden allmählich Langzeitfolgen der Coronakrise spürbar. Die Politik muss nun umdenken.
07.07.2020 - 07:10 Uhr 1 Kommentar
Der Autor ist Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Quelle: imago images/Jürgen Heinrich
Jens Südekum

Der Autor ist Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

(Foto: imago images/Jürgen Heinrich)

Deutschland kann sich glücklich schätzen, dass es in Coronazeiten die Kurzarbeit hat. Mittlerweile sind dort knapp sieben Millionen Beschäftigte geparkt, mehr als dreimal so viele wie in der Finanzkrise. So dramatisch das klingt, es ist erst mal beruhigend. Denn ein Blick in die USA zeigt, was ansonsten los wäre.

Dort ist die Arbeitslosenquote sprunghaft von vier auf 14 Prozent angestiegen. Millionen berufliche Existenzen wurden über Nacht zerstört. Nach Ende der Krise wird sich der amerikanische Arbeitsmarkt zwar neu sortieren. Aber dadurch werden viel Wissen, Produktivität und Einkommen verloren gegangen sein.

Genau das verhindert die deutsche Kurzarbeit. Sie versichert das spezifische Kapital bestehender Arbeitsplätze. Eine Wunderwaffe ist sie deswegen nicht. Die Kurzarbeit kann temporäre Schocks abfedern. Aber sie darf keine trügerische Sicherheit vorgaukeln und Beschäftigte künstlich auf Jobs ohne Zukunft belassen.

Derzeit hellen sich die konjunkturellen Frühindikatoren auf. Die Mehrheit der Kurzarbeiter könnte schon bald wieder am alten Arbeitsplatz sein. Doch eine zügige Erholung wird es nicht für alle geben. Die Tourismus- und Veranstaltungsbranche etwa wird dauerhafte Schäden davontragen.

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    Die Automobilindustrie steckte schon vor Corona in Schwierigkeiten. Hier werden nach Ablauf der Bezugsdauer nicht alle einfach so wieder zurückkehren. Zumal im Herbst eine Welle von Insolvenzen droht, wenn die derzeit ausgesetzten Anzeigepflichten wieder gelten.

    Vielen momentanen Kurzarbeitern steht der Weg in die Arbeitslosigkeit also noch bevor. Hinzu kommen frustrierte Berufseinsteiger, die sich heute schwertun, eine passende erste Anstellung zu finden.

    Jetzt den Fokus verlagern

    Die zentrale Frage der kommenden Jahre wird sein: Wie sollen für diese Corona-Verlierer wieder neue Jobs entstehen? Einige Branchen profitieren zwar von der Krise, zum Beispiel die Anbieter digitaler Geschäftsmodelle, doch sie sind oft nicht sehr arbeitsintensiv.

    Zudem werden Langzeitfolgen spürbar. Viele Mittelständler mussten fürs Überleben Polster aufzehren und sich mit Krediten vollsaugen. Sie werden erst mal ihre Bilanzen reparieren, bevor sie an Investitionen denken. Viele Start-ups mussten wegen Corona aufgeben, noch bevor sie eine Chance auf Wachstum bekamen.

    Die Jobs, die sie geschaffen hätten, fehlen in Zukunft. Und ob wieder mal der Exportsektor den deutschen Arbeitsmarkt rettet, ist mehr als fraglich, denn viele Auslandsmärkte liegen am Boden.

    Die Politik ist gut beraten, jetzt ihren Fokus zu verlagern. Es geht nicht mehr bloß um den Schutz von Bestehendem, sondern um Weichenstellungen für neue Jobs. Die werden nicht durch Kostensenkungen kommen, denn die Volkswirtschaft wird künftig mehr denn je auf Binnennachfrage aus Europa angewiesen sein.

    Die Unternehmen brauchen deshalb stabile Absatzerwartungen und Anreize. Dabei kann Vater Staat helfen. Etwa indem er einen Teil der Rettungskredite in echte Zuschüsse verwandelt – aber nur an Unternehmen, die dafür neue Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen.

    Mehr: Firmen müssen ein Gleichgewicht zwischen Kostenoptimierung und Krisenfestigkeit finden.

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    1 Kommentar zu "Kolumne Querdenker: Neue Jobs kommen nicht durch Kostensenkungen"

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    • Die Zuschüsse durch den Staat könnten von der EZB finanziert werden, Zinsen Null, Laufzeit 50 Jahre. So würde eine Kapitalentwertung des Anlagevermögens vieler Firmen verhindert werden. Auch die Fachkräfte würden nicht entwertet werden in ihren Kompetenzen, die teils nur in hochspezialisierten Produktionsprozessen profitabel eingesetzt/verwertet werden können. Dazu ist jedoch die Schwarze-Null-Ideologie die ausschlaggebende Bremse. Vielleicht wagt doch noch eine Partei den Vorstoß in diesem Denken.

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