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DarmWie der Darm unsere Gesundheit beeinflusst

Unser körperliches wie seelisches Gleichgewicht hängt vom Darm ab. Kolumnist und Medizinunternehmer Dietrich Grönemeyer zeigt fünf Wege, wie Sie das Verdauungsorgan gesund halten.Dietrich Grönemeyer 15.07.2024 - 09:51 Uhr
Es gibt mehrere Punkte, die jeder beachten kann, um den eigenen Darm zu unterstützen, schreibt Kolumnist Dietrich Grönemeyer. Foto: Imago, Getty

Gesunder Darm, gesunder Mensch. So lässt sich die Rolle des lange unterschätzten Organs für unser Wohlbefinden zusammenfassen. Unser Darm spielt eine zentrale Rolle im Körper. Lange galt er nur als Verdauungsorgan, inzwischen begreift die medizinische Forschung ihn als komplexes System und ein zentrales und wichtiges Organ für unsere Gesundheit. Er ist maßgeblich an unserem Stoffwechsel, dem Wasserhaushalt im Körper und an der Immunabwehr beteiligt.

Dabei spielt vor allem das Mikrobiom eine wichtige Rolle – jene Billionen von Bakterien, die auch als Darmflora bezeichnet werden und bei jedem von uns in ihrer Zusammensetzung einzigartig sind. Diese Mikroorganismen spielen eine entscheidende Rolle bei der Verdauung, dem Immunsystem und der allgemeinen Gesundheit.

Der Darm ist so unser größtes Immunorgan. Er ist ein „Trainingslager“ für Immunzellen und produziert Antikörper. Rund 70 Prozent der Immunzellen des Körpers befinden sich im Darm. So hat er einen maßgeblichen Einfluss auf die körpereigene Immunabwehr. Auch die mentale Gesundheit und die des Darms hängen zusammen. Es gibt Hinweise darauf, dass das Mikrobiom die psychische Gesundheit beeinflusst.

Studien haben Verbindungen zwischen Darmbakterien und Zuständen wie Angst und Depression gefunden. Zurzeit wird weiter daran geforscht, ob das Mikrobiom und Funktionsstörungen des Darms Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose beeinflussen – und wenn ja, welche Behandlungen möglich sind.

Entsprechend ist es in den vergangenen Jahren populärer geworden, sich mit seiner Darmgesundheit zu beschäftigen. Denn so wichtig wie der Darm für uns ist – so anfällig ist er auch. Häufige Darmprobleme umfassen Reizdarmsyndrom (IBS), Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Darmkrebs. Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung können auf Darmprobleme hinweisen.

Dabei stört oft eine einseitige oder ungesunde Ernährung das Gleichgewicht. Aber auch Antibiotikatherapien können das Mikrobiom des Darms aus der Balance bringen und auch andere Mikrobiome des Körpers schädigen.

Vieles, was zur Behandlung des Darms jenseits medizinischer Verordnungen angeboten wird, ist zweifelhaft. Mikrobiomanalysen etwa, wie sie im Internet angeboten werden, sind wenig hilfreich (und teuer). Daraus lässt sich kein Hinweis auf spezifische Erkrankungen ableiten, noch gibt es verlässliche Verfahren, um im Anschluss daran die Zusammensetzung der Darmbakterien so zu verändern, dass Betroffene davon profitieren könnten.

Fünf Punkte für mehr Darmgesundheit

Es gibt aber fünf Punkte, die jede und jeder von uns beachten kann, um den eigenen Darm zu unterstützen:

  • Ernährung: Ballaststoffreiche Nahrung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und probiotischen Lebensmitteln unterstützt ein gesundes Mikrobiom. Fermentiertes Essen wie Joghurt, Sauerkraut und Kefir sind besonders empfehlenswert. Auch Mikronährstoffe unterstützen einen gesunden Darm. Dazu zählen vor allem Vitamine und Mineralstoffe. Bei den Vitaminen sind A, B, C, E besonders wichtig – und Vitamin D, das der Körper unter Sonnenbestrahlung bildet. Auch gut: probiotische Mikroorganismen, die den Aufbau der Darmflora fördern, sowie Kräuter- und Pflanzenextrakte mit viel Polyphenol, weil sie das Immunsystem stärken, antioxidativ sind und das Darmkrebsrisiko senken können.
  • Fasten: Die Mayr Fastenkur, auch als Milch-Semmel-Diät bekannt, kann helfen. Im Gegensatz zu den anderen Fastenkuren werden in einer Phase dieser Diät auch feste Lebensmittel in Form von Semmeln serviert. Die vom österreichischen Arzt Dr. Franz Xaver Mayr entwickelte Ernährungsform ist auf längere Zeit angelegt, um das Ernährungsverhalten langfristig umzustellen.
  • Ein Blick in die Weltmedizin lohnt: Auch andere Kulturen haben gute Methoden, dem Darm auf die Sprünge zu helfen, allen voran das indische Ayurveda. So soll eine ayurvedische Panchakarma-Kur entgiften und das Gleichgewicht im Körper wiederherstellen. Ihre Bausteine sind ausgewogene Ernährung, kein Alkohol, wenig Stress, gegen den außerdem mit Entspannungstechniken wie Yoga angearbeitet wird. Dazu kommen ausreichend Schlaf, möglichst ein Verzicht auf Medikamente, viel Flüssigkeit zum Ausschwemmen der Gifte.
  • Dazu mein persönlicher Tipp: Ein Gramm frischen Kurkumawurzelstock oder ein Gramm Kurkumapulver aus der Apotheke oder dem Reformhaus mit 300 Milliliter Wasser zum Sieden bringen, fünf Minuten leicht kochen lassen, dann gegebenenfalls die Wurzel herausnehmen (das Pulver hat sich ja aufgelöst) und trinken. Entzündungshemmende Eigenschaften haben auch die Beimischung von schwarzem Pfeffer, Ingwer oder die indische Stachelbeere.
  • Außerdem: Im Fenchel (Gemüsefenchel und Samen) sind ätherische Öle, die die Darmschleimhaut schützen. Sie regen die Magensaftproduktion an und beschleunigen die Bewegung des Magen-Darm-Traktes. Die Inhaltsstoffe sind wirkungsvoll gegen Pilze. Fenchelsamen kann auch zerkaut werden. Gewürze wie Anis, Kümmel, Fenchel, Koriander verhindern Blähungen und verbessern die Verdauung.
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Dietrich Grönemeyer ist Medizinunternehmer und Autor. Bis 2012 war er Lehrstuhlinhaber für Radiologie und Mikrotherapie an der Universität Witten/Herdecke. Er schreibt alle 14 Tage im Handelsblatt Wochenende.

Erstpublikation: 12.07.2024, 04:00 Uhr.

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