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Prüfers KolumneDie Golden Hour der Arbeitszeit – Steuerfreie Überstunden helfen nicht

Um Arbeit attraktiver zu machen, sollen Überstunden künftig steuerfrei sein. Bei diesem Vorhaben von Christian Lindner sieht unser Kolumnist ein Problem. Er hat eine bessere Idee.Tillmann Prüfer 13.07.2024 - 12:34 Uhr
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“. Foto: Handelsblatt

FDP-Chef Christian Lindner möchte den Deutschen Lust machen auf die Überstunde. Die Regierung hat entschieden, dass Überstunden künftig steuerfrei sein sollen. Das Problem bei den Deutschen scheint ja zu sein, dass sie zu wenig arbeiten, also einfach die Arbeit einstellen, wenn die vertragliche Arbeitszeit erfüllt ist. Es scheint, dass dies ein grundsätzliches Problem ist.

Bislang habe ich immer gedacht, dass es durchaus Sinn ergibt, dass Menschen nur eine bestimmte Zeit mit Arbeit verbringen, zum Beispiel weil sie ein Privatleben, manchmal sogar eine Familie haben und auch Zeit brauchen, sich zu regenerieren. Arbeiten kann ja durchaus auch schädlich sein. Zum Beispiel ist in Deutschland eine dauerhafte Übertretung der Arbeitszeit gar nicht zulässig. Nun soll die Überstunde also sozusagen die Golden Hour der Arbeitszeit werden.

Es gibt Branchen, da gilt die Überstunde als Pflicht für alle, die im Unternehmen aufsteigen wollen. Eigentlich wollten Arbeitgeber mit Obstkörben und Tischtennisplatten ja dafür sorgen, dass sich Arbeitnehmer im Büro so wohl fühlen, dass sie ihren Arbeitsplatz als die schönere Lebensumgebung ansehen und deswegen gar nicht mehr nach Hause wollen.

Steuerfreie Überstunden: Es gibt ein Problem

Das Problem bei solchen Überstunden ist nur, dass Arbeitgeber sie nicht gerne bezahlen, weil sie ja schon den Obstkorb bezahlen mussten. Eigentlich fänden Unternehmen es also ganz gut, wenn Arbeitnehmer ihre Überstunden einfach als besonderes Geschenk an ihren Arbeitgeber machten. Und dann aber bitte auch nicht überarbeitet sind oder krank werden und im schlimmsten Fall wiederum zu Hause bleiben. Manche Firmen wollen wohl, dass es allein Sache der Arbeitnehmer ist, wie sie mit dem Arbeitsaufkommen zurechtkommen und ob sie alles schaffen.

Leider wäre dabei auch die von Lindner angeregte steuerfreie Überstunde keine große Hilfe. Denn dann müsste das Unternehmen ja immer noch Geld auszahlen, das nachher in der Bilanz fehlt. Um die Wirtschaft wirklich anzukurbeln, braucht es eine andere Idee.

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Bestimmt wäre es vielversprechender, man würde Arbeit als eine Art Sport bezeichnen. Und geistige Arbeit wäre dann Denksport. Wer mehr arbeitet, müsste dafür auch gar nicht mehr verdienen, er müsste nur eine kleine Medaille aus Blech oder eine kleine digitale Gratulationsbotschaft bekommen.

Genau genommen fragt sich, ob Firmen für so eine Art von Arbeit überhaupt noch Gehalt bezahlen sollten. Ein Fitnessstudio nimmt ja auch Geld. Vielleicht könnte man Arbeitnehmern abverlangen, dass sie etwas für die Sportstunde bezahlen. Gerne auch steuerfrei.

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