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Elon MuskSystemsprenger, Wahlsieger – wie weit reicht seine Strategie?

Musk hat sich dem Trump-Lager angeschlossen, versprach Milliarden und radikalen Wandel – und traf damit im Wahlkampf den Nerv der Unzufriedenen. Steigt er als Systemsprenger zu neuen Weihen auf, fragt Frank Dopheide. 13.11.2024 - 17:12 Uhr Artikel anhören
Frank Dopheide ist Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Human Unlimited, die sich auf das Thema „Purpose“ spezialisiert hat. Zuvor war er unter anderem Sprecher der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group und Chairman von Grey Worldwide. Foto: Klawe Rzezcy, Getty Images

Ich bin kein Fan von Elon Musk. Doch zweifellos ist er nach Donald Trump der große Gewinner der US-Wahl. Der Unternehmer ist dem Präsidentschaftskandidaten mit 120 Millionen Dollar zur Seite gesprungen und war Stunden nach dem Wahlergebnis um 21 Milliarden Dollar reicher.

Es hat sich gelohnt – für beide Seiten. Musk hat nicht nur Geld überwiesen, sondern Harris auch schwere Wirkungstreffer verpasst. Schauen wir sie uns in der Wiederholung an.

Wenn der Alltag und die Aussichten düster werden, wird Wirtschaft zum alles entscheidenden Thema. Trump konnte sein Glück kaum fassen, als Musk sich von den Demokraten abwandte und zu ihm in den Ring stieg: der amtierende Heavyweight Champion of the Business World. Er bekam die große Bühne.

Die Botschaft und die Bilder waren Gold wert. Trump und die Wirtschaft – Seite an Seite. Musk übernahm die Rolle des Superhelden, der antritt, um dem Bürokratiemonster den Garaus zu machen. Wer zum Mars fliegen kann, kann auch das.

Er verlangt dafür weder Titel noch Bezahlung – nur Handlungsfreiheit. Zwei Billionen Dollar will Musk aus dem Regierungsapparat herausschlagen und damit Amerika eine Zukunft geben.

In Washington wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Allein dafür hat sich die Wahl aus Sicht der Trump-Wähler gelohnt. Kamala Harris hatte kein Rezept für die Wirtschaft, nur ein paar homöopathische Tropfen. Das wahlentscheidende Thema blieb unbeantwortet.

Im Gegenzug wusste Harris die gesamte kulturschaffende Branche und ihre Spitzenkräfte hinter sich. Alles, was Rang und Namen, Oscars und Millionen Follower hat, war auf ihrer Seite. Lady Gaga und Beyoncé, Taylor Swift und Oprah Winfrey, Kim Kardashian und Madonna ebenso wie Robert de Niro, Tom Hanks und George Clooney. Im Team Harris tummelten sich mehr Stars als auf dem Walk of Fame. Und mit ihnen kamen Abermillionen Follower, die ihrem Idol an den Lippen hängen.

Kolumne „Out of the box“

Die unterschätzte Kraft hinter dem Erfolg

Jeder Post wurde mit Likes geflutet, doch in der Wahlkabine wurde das Kreuz für Trump gemacht. Offensichtlich sind Show und Glamour keine gute Bühne, um Menschen zu gewinnen, die sich abgehängt fühlen (was ein Kerntreiber in den Swing States war).

Ein Selfie bewegt Instagram, aber nicht die Welt. Musk hat sich nicht auf seine 200 Millionen Follower beim Twitter-Nachfolger X verlassen. Er war kreuz und quer im Land unterwegs, um Hallen zu füllen, auch wenn Trump nicht anwesend war. Die Zukunft wird nicht aus Likes gebaut, sondern vor Ort entschieden.

Harris ist fast zwanzig Jahre jünger als der amtierende Präsident und ihr Herausforderer – ein echter Wettbewerbsvorteil. Doch als ABC News sie fragte: „Was hätten Sie anders gemacht als Präsident Biden?“, war ihre Antwort: „Not a single thing comes to my mind.“ Sie steckte sich freiwillig in die Schublade des Alten und Ewiggleichen und sah auf einen Schlag alt aus. Was für ein Fehler.

Die schöpferische Zerstörung ist kein Systemfehler, sondern die Voraussetzung, damit Neues von Wert entsteht.
Frank Dopheide
Unternehmensberater

„Can you hear us now“, war schon 2016 bei Trumps erstem Sieg der wütende Schlachtruf der Menschen, die sich ignoriert und übersehen fühlten. Acht Jahre später scheint die Botschaft immer noch nicht angekommen. Team Kamala konzentrierte sich darauf, Trump und das Schlimmste zu verhindern. Allerdings ist das Schlimmste in den Augen vieler Wähler das ewige Weiter-so.

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13.11.2024
Abspielen 28:10

Musk steht (wie Trump) für radikalen Umbruch – ein Systemsprenger, der die Bürokratie hasst, rücksichtslos und wild entschlossen ist. Was hierzulande Kopfschütteln hervorruft, sorgt jenseits des Atlantiks für Glücksgefühle. Harris und ihr Team hatten nichts Neues zu bieten.

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Ist der Systemsprenger das neue Erfolgsmodell? Er hat zumindest Rückenwind. Die Zukunft wird nicht aus den Erfolgsrezepten der Vergangenheit gebaut. Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter hat mit seiner Theorie nicht die schöpferische Einsparung oder die schöpferische Umverteilung propagiert.

Der Aufbruch, nach dem sich alle sehnen, beginnt im Kopf und mit neuen Köpfen, dem Aufbrechen von alten Glaubenssätzen und Bündnissen, um Undenkbares zu denken und zu schaffen. Die schöpferische Zerstörung ist kein Systemfehler, sondern die Voraussetzung, damit Neues von Wert entsteht. Darum geht es. Das Schöpferische ist die Kraft, die den Fortschritt schafft, das sollten die Systemsprenger im Auge behalten.

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