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Kolumne „Out of the box“Die unterschätzte Kraft hinter dem Erfolg

Nicht Motivation, sondern Disziplin bringt den langfristigen Erfolg. Sie entscheidet darüber, wer seine Grenzen überwindet. Wie Unternehmen diese Stärke besser nutzen, zeigt Frank Dopheide. 15.10.2024 - 19:31 Uhr Artikel anhören
Frank Dopheide ist Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung human unlimited, die sich auf das Thema „Purpose“ spezialisiert hat. Foto: Klawe Rzezcy, Getty Images

„Disziplin ist wichtiger als Motivation“, schrieb die Extremsportlerin Anja Blacha Hunderten Führungskräften vor einigen Tagen ins Gebetbuch. Sie weiß, wovon sie redet. Anja war die jüngste Deutsche auf dem Mount Everest, die erste Deutsche auf dem K2. Sie ist bei minus vierzig Grad mutterseelenallein 1600 Kilometer zum Südpol marschiert und so im Guinnessbuch der Rekorde gelandet.

Der Unglaube im Raum war groß. Ausgerechnet die Disziplin, die grauste Maus aller Managementfähigkeiten, schlägt Motivation, ihre extrovertierte Schwester, die sich stets gut gelaunt ins Rampenlicht der Bücherlisten und Mitarbeiterseminare drängt?

Wie soll das gehen? Disziplin lockt niemand hinter dem Ofen hervor. Für die junge Generation gehören Work-Life-Balance, Sabbatical und Homeoffice zur Grundausstattung des beruflichen Engagements. „Schneeflöckchen“ werden diese sensiblen Wesen genannt, beim kleinsten Temperaturanstieg schmelzen sie dahin, so die polemische Erklärung.

Das scheint allerdings kein neues Phänomen zu sein. „Die Jugend von heute liebe den Luxus, hat keine Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen den Eltern und legen die Beine übereinander“, schrieb Sokrates vor über 2500 Jahren.

Die Disziplin hat ein Imageproblem, auch weil wir sie von der falschen Seite betrachten – von außen. So gesehen erscheint Disziplin das Gegenteil von Freiheit: Befehl und Gehorsam, das Einhalten von Regeln und das Aushalten von Druck. Bekanntermaßen kommt man damit nicht weit, weder privat noch beruflich. Wie bei einem rohen Ei führt zu viel Druck von außen zum Bruch.

Selbstdisziplin macht den Unterschied

Es ist die Selbstdisziplin, die den Unterschied macht. Der innere Antrieb und die Kraft, auch gegen Widerstände durchzuhalten. Damit kann man das Ei und die eigenen Grenzen von innen heraus durchbrechen und über sich hinauswachsen.

In der Polarexpedition zählt wie im Geschäftsleben vor allem eines: Erfolg. Wir verbinden Erfolg mit Talent, Intelligenz, guten Kontakten und etwas Glück. Disziplin klingt eher wie eine Kernqualifikation fürs Kloster statt für die Karriereleiter: grau, mühsam und wortkarg. Disziplin ist die Fähigkeit, sich selbst zu steuern und auf ein weit entferntes Ziel hinzuarbeiten – auch wenn die Lust dazu fehlt.

Selbst Buddhas Verwandlung verlangte Disziplin. Tag für Tag, ein Leben lang. Ein bekannter Konzertpianist – mein Nachbar – reist nur in Urlaubsorte, in denen ein Flügel greifbar ist, damit seine Fingerfertigkeit nicht durch tagelanges Nichtstun nachlässt. Ronaldo, fünffacher Weltfußballer, schläft diszipliniert sechs mal neunzig Minuten pro Tag, weil das leistungssteigernd wirkt. Es gilt: Talent und Intelligenz bringen Sie ins Spiel, aber die Selbstbeherrschung bringen Sie auf das Siegertreppchen.

Der Fußballer Christiano Ronaldo ist wohl ein Paradebeispiel für Disziplin. Foto: REUTERS

Wir kennen den Zusammenhang von Disziplin und Erfolg seit über fünfzig Jahren. Der berühmte Marshmallow-Test an Kindern funktioniert immer noch. Schon 1970 stellten die Forscher Kinder vor die Wahl: ein Marshmallow sofort zu essen oder, wenn sie warten konnten, nach einigen Minuten zwei Marshmallows zu bekommen. Kinder, die in der Lage waren zu warten, waren erfolgreicher. Nur in der Welt der Finanzmärkte ist das offensichtlich noch nicht angekommen.

Es geht in Unternehmen nicht darum, die Mitarbeitenden zu disziplinieren, sondern ihre Willenskraft und das Durchhaltevermögen zu trainieren. Und so geht es: Es beginnt mit der Sinnhaftigkeit des Tuns. Für das, was bedeutsam ist, strengen sich die Menschen mehr an.

Disziplin ist die Fähigkeit, sich selbst zu steuern und auf ein weit entferntes Ziel hinzuarbeiten – auch wenn die Lust dazu fehlt.
Frank Dopheide
Unternehmensberater

Dann braucht es ein leuchtendes Zielbild, das Licht am Ende des Tunnels verbreitet. Und Routinen, die als Autopilot wirken, Energie sparen und den Disziplinmotor am Laufen halten. Und zu guter Letzt braucht die Disziplin Hilfe. Die bewusste Vermeidung von Ablenkung und Störfaktoren. Das Handy gilt da als Spitzenreiter. Wann immer es geht, lassen Sie es weg.

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Disziplin ist wie ein Muskel: Je mehr wir sie trainieren, desto stärker wird sie. Es sind die kleinen und selbstverständlichen Schritte, die Sie dem Ziel näher bringen wie beim Marathon. Nicht das Tempo entscheidet, sondern der nächste Schritt. Aber Achtung, es gibt einen Unterschied zwischen Disziplin und Starrsinn.

Wenn Sie Ihrem Ziel keinen Schritt näher kommen, ist es klug anzuhalten, eine neue Route zu wählen oder sein Handeln zu ändern. Disziplin ist der schrittweise Weg, das Leben und die Arbeit leichter zu machen. Wenn die Kraft und die Freude auf Dauer, statt zu wachsen, verloren gehen, sind Sie auf dem falschen Weg.

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